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Der 1000. Patient: Alfred Aigner mit einem Wanderfalken-Männchen. Das leicht cremefarbene Brustkleid zeigt an, dass es sich um ein älteres Tier handelt. 

„Sie bekommen hier ihre zweite Chance“

1000 Greifvögel behandelt: Otterfinger Station voll ausgelastet

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Sie prallen gegen Autos, sie hungern in strengen Wintern: Wenn ein Greifvogel Hilfe braucht, bekommt er sie in der Otterfinger Auffangstation. Die hat jetzt ihren 1000. Patienten. 

Otterfing – Der bekannte Werbespruch eines Brauseherstellers – auf Alfred Aigner trifft er zu: Der 59-Jährige Argeter, er verleiht Flüüüüügel. Seit fast 30 Jahren kümmert sich der Lehrer um verletzte und schwache Greifvögel – zunächst in einem provisorischen Lazarett, einem alten Schupfen neben der Straße von Arget nach Otterfing.

Aigners Engagement und enormes Fachwissen in der Greifvogel-Heilkunde sprach sich herum und beeindruckte Sponsoren. 2012 entstand an der Straße von Bergham nach

Wettlkam eine moderne Auffang- und Pflegestation: Eine Großvoliere, zwölf kleine Volieren, sechs Krankenboxen. Das Grundstück (1000 Quadratmeter) stellte die Gemeinde Otterfing zur Verfügung, die Kreissparkasse finanzierte den Bau (180 000 Euro).

Die Einrichtung hat sich gemausert, sie ist ein Segen für die faszinierenden Großvögel: Aus dem ganzen Oberland, von Weilheim bis Rosenheim, von München bis zu den Bergen, werden Patienten angeliefert.

Kürzlich traf der 1000. Patient ein – ein älterer Wanderfalke, ein selten gewordener Luftakrobat. Er wird wohl wieder fliegen können, wie viele Patienten vor ihm. „Sie bekommen hier ihre zweite Chance“, sagt Aigner. Dass sich der Mensch ihrer annimmt, sei nur recht und billig. „Wir Menschen sind hauptsächlich verantwortlich dafür, dass sie zu Schaden kommen.“

Jeder zweite Patient in Otterfing ist ein Unfallopfer, angefahren von Auto oder Zug. In unserer intensiv genützten Kulturlandschaft lauern auf die Greifvögel und Eulen noch andere Gefahren: Unzureichend gesicherte Stromfreileitungen, große Glasscheiben, in denen sich die Landschaft spiegelt. Stacheldrähte und Sendeanlagen, von den Tieren als Ansitz genützt, „können ihre Füße regelrecht zum Kochen bringen“, sagt Aigner.

Von den Unfallopfern, die oft komplizierte Knochenbrüche erleiden, überleben nicht viele. Nur etwa ein Drittel, schätzt Aigner, kann er wieder aufpäppeln – trotz tierärztlicher Bemühungen und einer professionellen Pflege mit Physiotherapie und Flugtraining. Deutlich höher ist die Genesungsquote bei verwaisten Jungvögeln oder bei Hungernden, die in strengen Wintern oder Dauerregen keine Beute mehr finden.

Insgesamt steht eine stolze Bilanz nach den ersten 1000 Patienten: Mehr als 60 Prozent erlangt die „Wildbahnfähigkeit“ zurück. Um ihren weiteren Lebensweg verfolgen zu können, beringt sie Aigner vor der Auswilderung. Wiederfunde beweisen, dass viele Vögel ihre zweite Chance genutzt haben. „Manche haben noch zehn Jahre und länger gelebt“, freut sich Aigner.

Die Statistik der Station belegt, dass einige Greifvögelarten fast verschwunden sind: Sperlingskauz, Steinkauz, Sumpfohreule, auch Wespenbussard, Weihen und der Habicht fehlen auf Aigners Patientenlisten. „Sie stehen am Ende einer Nahrungskette“, erklärt der 59-Jährige. Wo weniger Insekten und Singvögel leben, haben es auch die Räuber schwer. Und Bodenbrüter wie Weihen finden kaum noch ruhige Plätze.

Es gibt auch gute Nachrichten: So haben sich die Bestände von Uhu, Wanderfalke und Rotmilan erholt. „Der Milan profitiert davon, dass er nicht auf einen Beutetyp spezialisiert ist“, weiß Aigner.

Die Station ist voll ausgelastet. Im Vorjahr schnellte die Zahl der Patienten von 75 (2015 und 2016) auf 137 nach oben. Die Betriebskosten wuchsen auf 8500 Euro an – die Arbeit erledigt Aigner ohnehin ehrenamtlich. Die Sparkasse hilft jedes Jahr mit 5000 Euro, dazu kommen Einzelspenden. „Das Geld hat 2017 gerade so gereicht“, sagt Aigner. 

Zeit nimmt sich der „Krankenhaus-Direktor“ regelmäßig für Schulklassen, die vorbeischauen, um die scheuen Tiere von nahe zu bewundern. Sie nehmen vor allem eine Botschaft mit: Menschen gefährden diese edlen Tieren, Menschen können ihnen aber auch helfen.

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