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Auch Dank Bürgerforum: Junge Musikanten bekommen in der Aula regelmäßig ein Forum.

Ganz schön viel angepackt

Nach 20 Jahren: So hat das Bürgerforum Otterfing verändert

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Mitmachen statt meckern, anpacken statt abwarten: Das Bürgerforum Otterfing hat den Ort bereichert und eine frische Kultur des Miteinanders etabliert. Eine Erfolgsgeschichte, die jetzt gefeiert wird.

Otterfing – „Global denken, lokal handeln“ – der 1992 in der großen UN-Umweltkonferenz von Rio de Janeiro geprägte Leitspruch elektrisierte auch einige Otterfinger. 1997 gründete sich das „Bürgerforum Otterfing zur Agenda 21“, im Gemeinderat maßgeblich gefördert von dem verstorbenen Robert Preißing und Hertha Böhner.

Anfangs waren speziell CSU-Räte skeptisch, ob es neben Vereinen und Gemeinderat dieses zusätzliche Gemeinschafts-Instrumentarium braucht. Zu den Zweiflern zählte damals auch Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU), der sich aber eines Besseren belehren ließ: „Otterfing ohne Agenda – das kann man sich gar nicht mehr vorstellen“, schreibt er in der Festschrift zum 20-jährigen Bestehen.

2002 wurde auf dem Schuldach eine Photovoltaik-Anlage installiert.

In acht Arbeitskreisen engagieren sich fast 100 Ehrenamtliche. Der AK Heimatbuch veröffentlichte 2005 seinen ersten Band. Die Texte für den zweiten Band (1000-Jahr-Feier, Geschichte des Bauernstands, Geschichte der Anwesen) sind fast fertig. Der AK Soziales Leben (15 Mitglieder) entwickelte Sozialwegweiser, organisiert Gesundheitstage und Vorträge und legte eine Umfrage zum demografischen Wandel vor. Der AK Ortsentwicklung half entscheidend mit bei der Erarbeitung des Ortsentwicklungs-Konzepts. Die Themen Landwirtschaft, Wirtschaft, Natur und Energie beackert der AK Lawine. Der AK Verkehr entwickelte unter anderem Wanderwege und organisierte 2008 einen autofreien Sonntag. Dem AK Mobilfunk gelang es, einen Sender aus dem Ort heraus zu verlegen. Die Otterfinger Kulturwoche ist dem Engagement des AK Kunst & Kultur zu verdanken. Der AK Otterfing musiziert schließlich bietet Nachwuchs-Musikanten regelmäßig ein öffentliches Podium.

Jahrelang fungierte Rudolf Brenninger als Sprachrohr der Agenda, vor etwa zehn Jahren übernahm Günter Schneider (74) dieses Amt. Wir sprachen mit ihm im Vorfeld des Festabends „20 Jahre Bürgerforum“ am 20. Oktober (ab 19.30 Uhr in der Schulaula, Eintritt frei).

Herr Schneider, was waren die entscheidenden Erfolge des Bürgerforums in den 20 Jahren?

Günter Schneider: Ganz wichtig am Anfang war 2003 die 1000-Jahr-Feier. Das war ein gewaltiger Impuls. Das Dorffest ist daraus entstanden, die Kulturwoche. Dann haben wir sehr engagiert das Thema Energie besetzt und viele Leute mitgenommen.

2006 folgte das Ortsentwicklungs-Konzept.

Günter Schneider:Das haben wir mit der Gemeinde viel Arbeit reingesteckt und dürfen stolz darauf sein. Der Gemeinderat hat es 2006 zur planerischen Richtschnur erhoben. Otterfing kann sich damit seinen Charakter bewahren.

Otterfing steuert auf 5000 Einwohner zu. Was ist zu tun, um den Ort lebenswert zu halten?

Günter Schneider:Man muss sich nur ans Ortskonzept halten. Nicht mehr Wachstum als ein bis zwei Prozent, dann bleibt die Attraktivität, weil sich der Ort nicht breiförmig in die Landschaft entwickelt. Würde etwa das alte Sportzentrum in Wohnbebauung umgewandelt, hätten wir viel Wachstum auf einen Schlag.

Gibt es Themen, wo sie sich im Gemeinderat mehr Entschlossenheit wünschen?

Günter Schneider:Bei vielen Themen haben wir angeschoben, aber irgendwie geht nichts weiter: Wohnen im Alter, Nahversorgung, Gestaltung des Landkramerplatzes. Viele, auch wir selber, sind sich zu wenig bewusst, dass wir eine kommunale Einrichtung sind, keine Gschaftlhuber, sondern ein echtes Bürgerforum mit verbrieftem Mitspracherecht. Das wurde vor 20 Jahren genauso vereinbart.

Sollte sich nicht auch das Bürgerforum neuen Ideen öffnen?

Günter Schneider:Wir müssen stärker in die Öffentlichkeit, neue Mitstreiter oder Unterstützer gewinnen. Wichtig ist, dass wir künftig unsere Arbeit einmal im Jahr überprüfen und dem Gemeinderat präsentieren, um im Gespräch zu bleiben. Otterfing hat viel Zuzug und Wegzug. Vor allem Neubürger sollen wissen, dass ihre Ideen in Otterfing willkommen sind.

Bisher funktioniert die Arbeit über Arbeitskreise. Sind neue Formen der Bürgerbeteiligung denkbar?

Günter Schneider:Mir gefällt eine Idee, wie sie in Vorarlberg praktiziert wird: Zufällig ausgewählte Bürger beraten unvoreingenommen über ein Projekt und formulieren eine Empfehlung. Wir bleiben da am Ball.

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