+
Leidensfä hig: Sowohl als 1860-München-Fan als auch bei der Jobsuche steckt Fritz Metzger Niederlagen ein.

Serie: Arbeitslosigkeit hat ein Gesicht

Der Otterfinger Fritz Metzger sucht einen Job als Hausverwalter

  • schließen

Fritz Metzger (51) aus Otterfing sucht einen Job in der Wohnungsbranche. Ihm gefällt besonders der Umgang mit Menschen und hat schon viel in seinem bisherigen Job erlebt.

Otterfing – In den 14 Jahren als Hausverwalter hat Fritz Metzger (51) viel Leid erlebt. Tote, Messis, Familiendramen– was in den 2800 Mietwohnungen passiert ist, die Metzger in München betreut hat, darüber könnte der Wahl-Otterfinger ein Buch schreiben. Im Moment blieben die Seiten aber leer. Metzger ist seit November auf der Suche nach einem Job.

Überpünktlich erscheint Metzger zum Interview. „Das ist die Fünf-Minuten-vor-der-Zeit Soldatenpünktlichkeit“, sagt er. 1986 bis 1998 war er bei der Bundeswehr in Lenggries stationiert. Nach einigen Jahren als Sicherheitsmann hat er in einer Münchner Firma erst als Hausmeister gearbeitet, dann als Verwalter. Bis er im Juni vom Urlaub zurückkam, von einer Motorradreise durch Rumänien. Da lag der Aufhebungsvertrag auf dem Tisch. Der Betrieb hat die Hausverwaltung verkleinert, und die Gehaltsvorstellungen haben sich nicht mehr gedeckt. Also musste Metzger gehen.

Metzger hat nicht nur den Job verloren, auch das Dach über dem Kopf. Aus seiner Zeit als Hausmeister hatte er noch eine Dienstwohnung. Als die Kündigung kam, musste sich der 51-Jährige eine neue Bleibe suchen. Und da hat er entschieden: „Ich will aufs Land.“ So ist er in Otterfing gelandet, die Gegend gefällt dem Motorrad-Fan gut.

Fritz Metzger übernahm die Rolle des Streitschlichters

Der Umgang mit Menschen ist es, der Metzger an seinem Beruf besonders fasziniert. Gern würde er wieder in dem Bereich arbeiten. „Die Wohnung ist das persönliche Reich und der Rückzugsort“, sagt er. Wohnungswirtschaft hat ihn immer schon interessiert. Sein Aufgabenspektrum war groß. Von Personalführung über Verkehrssicherheit bis zum Beschwerdemanagement war alles dabei.

Beschwert hat sich eigentlich täglich jemand – bei 2800 Wohnungen auch mal mehrere Mieter. Meist sei es um Probleme mit Nachbarn gegangen, erzählt Metzger. „Wenn die Kinder mal wieder gepoltert haben oder so.“ Seine Funktion war dann die eines Streitschlichters. Reden, zuhören, klären. „Wir haben immer versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden“, sagt er. Meist sei das auch gelungen. Sich selbst beschreibt Metzger als ruhig und gelassen. Ein wichtiger Charakterzug im Umgang mit vielen Menschen.

Oft bleiben auch negative Erinnerungen hängen. Auch bei Metzger. Er erinnert sich an eine Mieterbeschwerde wegen Schimmels. Metzger ist hingefahren und hat sich von der Ehefrau durch die Wohnung führen lassen. Wie aus dem Nichts ist der Ehemann aufgetaucht „und mit der Faust auf mich losgegangen.“ Einfach so. Mit den Mietern hat Metzger anschließend lieber schriftlich kommuniziert.

Dass Mieter in ihren Wohnungen verstorben sind, hat Metzger auch hin und wieder erlebt. „Mit Toten hast du da immer wieder zu tun.“ Oder mit vollgemüllten Wohnungen, in denen Messis gehaust haben. „Es war sehr schwierig, den Leuten zu helfen“, sagt Metzger. Oft hatten die sich gar nicht helfen lassen. Spätestens nach Beschwerden der Nachbarn über Ungeziefer ging der Fall an die Rechtsabteilung.

Als Fan des 1860 München ist Fritz Metzger leidensfähig

Erinnerungen, die den 51-Jährigen geprägt haben. Er ist froh, dass er immer gut habe abschalten können. Einige Hausmeister hätten ihn deshalb auch als „kalten Hund“ bezeichnet. Für Metzger war das Selbstschutz. Familien mit Kindern vor die Tür setzen zu müssen, weil sie die Miete nicht zahlen können – keine einfache Aufgabe.

Metzger ist selbst Vater von drei Kindern. Seine Tochter und der jüngste Sohn leben mittlerweile in Australien. Besucht hat er sie dort noch nicht, dafür war der Motorradfahrer schon in vielen anderen Ländern unterwegs. Seit fünf Jahren macht er regelmäßig Touren auf seinem Zweirad, in größeren Reisegruppen oder mit dem Motorradclub. 5000 Kilometer in 14 Tagen – „das ist schon auch mal stressig“, sagt Metzger und lacht. Wenn er über das Motorradfahren spricht, leuchten seine Augen.

Bei der Frage nach den Bewerbungen verschwindet das Lachen. Um die 60 habe er bis jetzt geschrieben. Bei zehn Prozent kam eine Antwort, stets Absagen. Er will positiv denken und sich hartnäckig weiter bewerben. Solange Menschen Wohnungen suchen, braucht es auch Hausverwalter, davon ist Metzger überzeugt. „Ich bin leidensfähig“, sagt er. Als Fan der Münchner Löwen hat er das gelernt – lernen müssen. Und eben auch jetzt bei der Jobsuche.

Kontakt aufnehmen können interessierte Arbeitgeber über die Agentur für Arbeit unter Holzkirchen.122-Vermittlung@ar beitsagentur.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vermisster Schwammerlsucher (83) ist gefunden
Er wollte zum Schwammerlsuchen an den Seehamer See – und blieb stundenlang verschwunden. Ein Großaufgebot suchte am Dienstag nach einem Irschenberger (83). Gegen 18.45 …
Vermisster Schwammerlsucher (83) ist gefunden
Weyarn sagt ja zu Radwegkonzept der ATS
Die ATS arbeitet an einem landkreisweiten Radwegkonzept mit einheitlichen Schildern. Auch die Gemeinde Weyarn macht mit. Eine direkte Verbindung nach Miesbach wäre …
Weyarn sagt ja zu Radwegkonzept der ATS
Tieferlegung B318: Baustelle läuft voll - mit Folgen
Bei der Tieferlegung der B318 bei Oberwarngau gibt es Probleme: Das Wasser läuft nicht ab - und die Baustelle voll. Das hat schwerwiegende Folgen für Bauzeit und Kosten. 
Tieferlegung B318: Baustelle läuft voll - mit Folgen
Nachbar will Kühe von Weide klagen - die Hintergründe
Diesmal geht es nicht nur um Glocken, sondern auch um angebliche Tierquälerei – und um Kuhfladen: Der Kläger spricht nicht mit uns. Doch Bäuerin Killer kann einiges …
Nachbar will Kühe von Weide klagen - die Hintergründe

Kommentare