Archäologie-Hund: Flintstones Gespür für Knochen
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Gute Spürnase: Wenn Flintstone Platz macht, hat er etwas gefunden. Sein Herrchen Dietmar Kroepel markiert die Stelle dann für Archäologen. 

Archaeo Dogs Bayern

Archäologie-Hund: Flintstones Gespür für Knochen 

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Flintstone ist Deutschlands erster zertifizierter Archäologiehund. Mit seinem Herrchen Dietmar Kroepel aus Otterfing löst er nun sogar Kriminalfälle mit. Stasi-Morde inklusive.

Otterfing – Flintstone hat einen Knochenjob. „Bones“ lautet sein Suchwort. An einer langen Leine trabt der Altdeutsche Hütehund über ein Feld, im Hintergrund rattert ein Kieslaster. „Wenn er was gefunden hat, macht er Platz“, erklärt sein Herrchen Dietmar Kroepel (50), er trägt ein Jeanshemd, Jeansshorts und eine grüne Brille. Heute aber lauern keine Knochen unter der Erde, die beiden trainieren nur für den Ernstfall. Als Flintstone sich am Boden niederlässt, steckt Kroepel ein buntes Fähnchen in den Boden. Das ist das Zeichen für den Archäologen, mit dem Messstab anzurücken, die Koordinaten einzugeben und zu buddeln. Zugleich hinterlässt Kroepel ein Hinweisschild mit dem Nordpfeil – damit die Wissenschaftler später wissen, wo auf den Fotos welche Himmelsrichtung liegt. „Flintstone zeigt mit 97-prozentiger Sicherheit an“, sagt Kroepel stolz. Bis zu einer Tiefe von 2,50 Meter. Reife Leistung.  

Der flauschige Flintstone ist auch nicht irgendwer: Er ist der erste zertifizierte Archäologiehund Deutschlands. Und sein Herrchen Kroepel aus Otterfing gründete mit den Archaeo Dogs Bayern den ersten Verein seiner Art im Land. Zugleich rief er den Bundesverband ins Leben – falls sich später Gleichgesinnte aus anderen Bundesländern finden. In Kroepels Verein, dessen Vorsitzender er ist, werden Hundeführer und Hunde archäologisch ausgebildet. Schäferhunde, Labradors und Border Collies eignen sich hierfür ebenso gut. Der Verein zählt sieben Mitglieder. Im Prinzip geht es darum, dass Hunde bei archäologischen Ausgrabungen helfen. Und sogar Kriminalfälle mitlösen.

Kroepel ist studierter Archäologe, genauer gesagt Etruskologe, und arbeitete einige Jahre in dem Bereich. Später schulte er um, weil er eine kleine Tochter hatte, was sich nicht mit den vielen Umzügen und Grabungsreisen vereinbaren ließ. Heute ist er im Qualitätmanagment tätig. Doch die Archäologie ließ ihn nie los.

Vor einigen Jahren begleitet Kroepel einen befreundeten Archäologen in Italien bei einer Ausgrabung. Auch Flintstone nimmt er mit. „Lässt du jetzt schon deinen Hund Nekropolen suchen?“, fragte sein Kumpel scherzhaft. Plötzlich legt es bei Kroepel einen Schalter um. Er recherchiert, stößt auf drei Archaeo-Dogs in Amerika. In Schweden macht er eine Frau ausfindig, die ähnliches vorhat. Als erste in Europa.

Flintstone sollte ursprünglich als Rettungshund dienen. Davon zeugt noch die Binde mit dem Roten Kreuz. „Das ist sein Zeichen, dass er arbeiten muss.“ Denn Flinstone ist ein Arbeitstier, kein Freizeittier. Die Binde mit den Archaeo Dogs gibt’s noch nicht. Kroepel musste seinen Hund umerziehen, verbuddelte alte Knochen im Garten – die er von der Denkmalpflege erhielt – und die Flintstone finden musste. „Nach zwei Jahren hatte ich ihn soweit.“

Seither sind Kroepel und Flintstone ehrenamtlich für die Bodendenkmalpflege im Einsatz. Neulich fand Flintstone ein Römergrab im Kreis Ebersberg, weitere Funde machte er in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Rosenheim. Die genauen Fundorte darf sein Herrchen nicht nennen. Archäologengeheimnis.

Vor Kurzem tat sich ein neues Aufgabenfeld auf: Kroepel bekam einen Anruf von der Polizei, es ging um Tötungsdelikte, die nach längerer Zeit ergebnislos verlaufen sind. Hier dreht es sich auch darum, 30 bis 60 Jahre alte Leichen zu finden. Kroepel musste vorab seinen Flintstone wieder umerziehen. Denn bis dahin konnte er nur alte Knochen aufspüren, die aus der Zeit von 2000 vor Christi bis 600 nach Christi stammen.

Vor ein paar Wochen war Flintstone dann im Einsatz: Der Fall: Eine vermisste Frau, die in den letzten Stasi-Tagen verschwand. „Es wird vermutet, dass sie ermordet und verscharrt wurde“, erzählt Kroepel. Nachdem sich eine neue Zeugin gemeldet hatte, rollte die Polizei den Fall wieder auf. So schnüffelte Flintstone ein Waldstück in Thüringen ab – und schlug an. Braver Archaeo Dog. Mehr darf Kroepel nicht verraten. Seither hat ihn die Polizei entdeckt. Ein weiterer Auftrag dreht sich um eine Person, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs verschwand. Im Oktober hält er einen Vortrag bei der Polizei. Die Archaeo Dogs sind gefragt. Ein Knochenjob, der im Kommen ist.

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