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Geballter Wohnraum im Otterfinger Ortskern: Im rechten Haus sind zwölf Einheiten untergebracht, im Doppelhaus daneben (l.) sollten fünf Wohnungen entstehen. 

Baustopp im Otterfinger Ortskern

Bauträger übertreibt die Nachverdichtung

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Nachverdichtung im Ort – auf dieser Zauberformel reiten viele Investoren. Im Otterfinger Kirchwinkl, zentral im Dorf gelegen, hat ein Bauträger seine Möglichkeiten aber überreizt.

Otterfing – Einen ursprünglich angedachten Fünfspänner verwandelte ein Bauträger in ein Mehrparteienhaus mit zwölf Wohneinheiten – was die Gemeinde noch hinnahm. Als das gleiche Unternehmen aber aus einem daneben genehmigten Doppelhaus nun ebenfalls ein Mehrparteienhaus machen wollte (fünf Wohneinheiten), zog das Landratsamt die Bremse. Der Bau ist gestoppt.

Jetzt zeigte auch der Gemeinderat Zähne: Einstimmig beschloss das Gremium in seiner jüngsten Sitzung die Neuaufstellung des betreffenden Bebauungsplans „Im Kirchwinkl“. Eine zeitgleich erlassene und zunächst zwei Jahre gültige Veränderungssperre bremst weitere Aktivitäten der Gelabau Bauträger GmbH. Den vom Unternehmen nachgeschobenen Tekturantrag, der die fünf Wohneinheiten legalisiert hätte, lehnte der Gemeinderat ab.

Die Schachzüge verschaffen dem Rathaus Zeit, um „gewissen Entwicklungen in einem unserer sensiblen Innenbereiche begegnen zu können“ (Bauamtsleiter Heinz Hirz). Denn der alte Bebauungsplan ist offenbar nicht wasserdicht: In der mündlichen Verhandlung des Verwaltungsgerichts Ende Juni (wir berichteten) hatte sich gezeigt, dass der seit über 25 Jahren gültige Bebauungsplan wegen formaler Fehler angreifbar ist. Die Richterin, so berichtete Bürgermeister Jakob Eglseder, habe der Gemeinde signalisiert, dass nur eine Neufassung klare Verhältnisse schaffen könne.

In der Sache ging es letztlich um die Situierung der zusätzlichen Stellplätze, die der Bauträger für seine nunmehr fünf Wohnungen nachweisen müsste. Dafür hätten Vorgärten des bereits bezogenen großen Hauses weichen müssen. Parkplätze zwischen den Häusern, wie vom Bauträger ebenfalls angedacht, lehnt die Gemeinde ab, weil dort Spielflächen für Kinder sowie ein Geh- und Radweg gesichert werden sollen. „Das Wohnumfeld innerhalb des Ortskerns soll seine Attraktivität behalten“, sagte Hirz.

Um Stellplätze nachweisen zu können, ist laut Hirz der Bau von Tiefgaragen unumgänglich. Das betreffe auch den Umgriff des Sparkassen-Areals, das mittlerweile bekanntlich der Gemeinde gehört. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, sagte der Bauamtsleiter. Der neue Bebauungsplan dürfte also vorschreiben, dass Stellplätze in Tiefgaragen unterzubringen sind.

Damit sind dem Bauträger bis auf Weiteres die Hände gebunden, den Rohbau im Kirchwinkl mit den beabsichtigten fünf Wohneinheiten weiterzuführen.

Juristisch sieht Hirz die Gemeinde auf sicherem Terrain; auch die Veränderungssperre sei gerechtfertigt. „Bei dieser Neufassung des Bebauungsplans ist ein konkretisierender Planungswille der Gemeinde erkennbar“, findet Hirz, „es ist keine Verhinderungsplanung.“ Auf Nachfrage von Susanne Weitl (CSU), ob Regressansprüche auf die Gemeinde zukommen könnten, argumentierte Hirz, dass dem Bauwerber ja kein Schaden entstanden sei. „Und man sollte nicht vor jedem Bauträger einknicken, nur weil der einmal hustet.“

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