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Falls ein Blackout den Strom kappt: Gemeinde will „Rettungsinsel“ kaufen

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Von: Andreas Höger

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Stromlieferant auf Rädern: Dieses Notstromaggregat ist sogar mobil und verfügt über einen Lichtmast. Wie viele Geräte und in welcher Ausführung die Gemeinde Otterfing bestellt, ist noch unklar. Ein Gerät kostet rund 20 000 Euro – mindestens
Stromlieferant auf Rädern: Dieses Notstromaggregat ist sogar mobil und verfügt über einen Lichtmast. Wie viele Geräte und in welcher Ausführung die Gemeinde Otterfing bestellt, ist noch unklar. Ein Gerät kostet rund 20 000 Euro – mindestens © mm-Archiv

Ein langer Stromausfall gilt als unwahrscheinlich. Doch die Zeiten, da man das Thema Katastrophenschutz weggelächelt hat, sind in den Rathäusern vorbei.

Otterfing – Ohne Strom läuft wenig. Kommt keine Energie aus der Steckdose, ist das zunächst nur lästig und nervig. Doch solche Momente lassen ahnen, wie schnell ein längerer Blackout das Leben in unserem stromhungrigen Alltag sehr ungemütlich macht – und in Einzelfällen sogar Leib und Leben bedrohen kann. Was tun, wenn im Winter die Heizung ausfällt? Oder das saftlose Handy keinen Notruf mehr absetzen kann?

Otterfing will sich wappnen: Notstrom-Aggregate sollen her

Angesichts einer gestiegenen Bedrohungslage – der Klimawandel begünstigt Unwetter, Russlands Aggressivität zielt auf Infrastruktur und Energieversorgung – will sich jetzt auch die Gemeinde Otterfing besser wappnen. Der Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, ein oder mehrere Notstrom-Aggregate zu kaufen.

Ihre Generatoren sollen kräftig genug sein, um bei einem Netzausfall zumindest das Rathaus, die Grundschule und das Feuerwehrhaus unter Strom zu halten. „Wir sind angehalten, unsere Liegenschaften entsprechend zu ertüchtigen“, erklärt Florian Mang vom Bauamt der Gemeinde auf Anfrage. Unter anderem gilt es, die zentrale Hackschnitzelanlage in der Schule als Wärmeversorger nicht erkalten zu lassen.

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Blackout: „Katastrophen-Leuchttürme“ an zentralen Orten

Zudem sind die Stromerzeuger entscheidend für „Katastrophen-Leuchttürme“, die jede Gemeinde im Falle eines längeren Blackouts als Anlaufstelle für die Bevölkerung aufbauen sollte. An einem zentralen Ort – in Otterfing bietet sich das Areal rund um Rathaus, Schule und Feuerwehr an – wären Erste Hilfe und aktuelle Infos zur aktuellen Lage erhältlich, da womöglich auch das Mobilfunk-Netz zusammenbricht. Darüber hinaus könnten Bürger dort etwa Essen erwärmen (Babynahrung) oder die Akkus von lebensnotwendigen Geräten aufladen. Für all das braucht es aber eine unabhängige Stromquelle – die Notstrom-Aggregate.

Wie Mang erklärt, ermittelt derzeit ein Ingenieurbüro über eine etwa zehn Tage laufende Langzeitmessung, wie viel Strom die drei zentralen Gemeinde-Gebäude im Ortskern zur dunklen Jahreszeit benötigen. „Der Leistungsbedarf wird für jedes Gebäude einzeln ermittelt“, erklärt Mang. Liegen die Daten vor, lässt sich errechnen, wie stark die Aggregate sein müssen. „Und dann wissen wir, ob ein Aggregat reicht – oder ob wir drei brauchen“, sagt Mang, der auch Otterfings Feuerwehr-Kommandant ist. Die Feuerwehr verfüge bereits über ein kleineres Notstrom-Aggregat, sagt Mang: „Aber das ist nur für Einsätze gedacht, das Gerät sollte bei den Fahrzeugen verbleiben.“

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Aggregate ja – aber mit welcher Ausstattung?

Betrieben werden die Aggregate von Dieselmotoren. Die Kosten für ein Gerät schätzt Mang auf 20 000 Euro und höher, „je nachdem, was die Gemeinde will“. Möglich sei etwa, einen Anhänger dazu zu nehmen, um die Mobilität zu erhöhen, das Gerät mit noch mehr Steckdosen auszustatten oder gar einen kleinen Lichtmast dazu zu konfigurieren. Die Ausstattung hat dann wohl auch Einfluss auf die Lieferzeiten. „Eine Standard-Ausführung ist wahrscheinlich schneller zu bekommen“, glaubt Mang.

Die Wasserversorgung der Gemeinde ist bereits gesichert. Die Brunnen werden im Fall des Falles von einem unabhängigen Notsystem mit Strom versorgt. „Unsere Trinkwasser-Gewinnung muss deswegen nicht geprüft werden“, sagt Mang. (ah)

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