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(v.l.) Bürgermeister Jakob Eglseder, Bergzeit-Geschäftsführer Maximilian Hofbauer und Firmenchef Jakob Oberrauch.

Angekommen im Basislager

Bergzeit eröffnet Firmensitz - mit guter Nachricht

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Der größte Arbeitgeber Otterfings hat sich eingerichtet: Bergzeit feierte Eröffnung seines Firmensitzes im Gewerbegebiet. 13 Millionen Euro investierte der Mutterkonzern Sportler.

Otterfing „Jakob“ steht unscheinbar auf seinem Namensschild, der junge Südtiroler trägt statt Anzug eine legere Strickjacke. Vor drei Jahren hat Jakob Oberrauch (28) die Sportler AG von seinem Vater Georg übernommen. 22 Filialen mit 600 Mitarbeitern betreibt das Unternehmen, eine der größten Sporthandelsketten Europas, in Norditalien und Tirol.

Vater Georg fädelte 2012 die Übernahme von Bergzeit ein, Sohn Jakob setzt jetzt den vielleicht entscheidenden Meilenstein: das Logistikzentrum und Verwaltungsgebäude in Otterfing, zwei mächtige Gebäude. Allein der Bürotrakt ist 84 Meter lang und zehn Meter breit. Das Grundstück kaufte man von der Gemeinde für etwa zwei Millionen Euro. „Der Standort passt wunderbar“, lobte Oberrauch bei der Eröffnung. Vom zweiten Stock könne man die Berge sehen, schwärmt der Südtiroler, München ist nah.

„Bergzeit entwickelt sich sensationell“, freut sich Oberrauch. Zwei Shops gibt es in Großhartpenning und Gmund, doch 85 Prozent des Geschäfts wird im Internet gemacht. Bergsport- und Outdoor-Ausrüstung aller namhaften Hersteller geht von Otterfing aus an über 500 000 Kunden in 23 Ländern. Das Logistik-Lager bietet 10 000 Quadratmeter, mindestens 2000 Pakete verlassen täglich die Zentrale.

Outdoor liegt im Trend, das Geschäft brummt. Bergzeit-Geschäftsführer Max Hofbauer war vor zwei Jahren klar, dass die angemieteten Räume im Gewerbegebiet nicht mehr reichen. „Wir mussten klotzen, nicht kleckern.“ Die Überlegung, wenigstens die Logistik in den Osten zu versetzen, wo Grundstücke billiger sind, habe man schnell fallen gelassen, sagt Hofbauer. „Das hat mit unserer Philosophie zu tun“, betonte der Geschäftsführer. Teamspirit, Verlässlichkeit und Qualität bei Produkt und Beratung – „für diese Werte stehen wir“. Dies könne nur an einem gemeinsamen Ort gelingen.

215 Mitarbeiter zählt Bergzeit mittlerweile, davon 120 in der Verwaltung und 55 im Lager. 15 Stellen für Marketing, IT, Einkauf, Logistik sind schon wieder neu ausgeschrieben. Nicht nur, aber vor allem in der Kantine sollen sie sich treffen. Lange habe man am Zuschnitt der Büros getüftelt, sagt Hofbauer. Es gibt keine Türen, Mitarbeiter sollen gerne unterwegs sein im Haus. „Wir wollen verhindern, dass Austausch nur via E-Mail stattfindet.“

Die Belegschaft ist auffällig jung, man spricht sich mit Vornamen an. Geld verdienen? Natürlich, sagt Hofbauer. „Aber uns liegt viel daran, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.“ Werte zu leben, dafür setze sich seine Familie seit vielen Generationen ein, betont Oberrauch: „Der Mensch steht im Vordergrund.“

Dazu gehöre auch das Thema Nachhaltigkeit, ergänzt Hofbauer. So sparen LED-Lichter wertvolle Energie, die 42 000 Kisten im Lager wurden aus recycelten Kunststoffen hergestellt.

Otterfings Bürgermeister gefällt das alles. „Die Chemie mit der Familie Oberrauch stimmte von Anfang an“, sagte Jakob Eglseder bei der Eröffnung und fügte lächelnd hinzu: „Seit 2012 fließt sogar Gewerbesteuer.“

Da nickte ein weiterer Ehrengast zufrieden. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte die CSU-Grabenkämpfe in München kurzzeitig verlassen und gönnte sich eine Auszeit – besser: eine Bergzeit – in Otterfing. Ihr imponierte, dass zwar digital gehandelt werde, aber die persönliche Beratung im Mittelpunkt stehe: „Den Kunden betreuen keine Algorithmen, sondern Menschen mit viel Ahnung.“ Das Thema Bergsteigen inspirierte sie gar zu einem politischen Stoßseufzer: „Je weiter man hinaufkommt, desto dünner wird die Luft.“

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