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Wo könnte ein zweiter Supermarkt entstehen? Das Cima-Ranking favorisiert ein Areal gleich neben dem Penny. Grundsätzlich geeignet sind demnach auch die Wiese gegenüber sowie zwei Flächen weiter südlich und die freie Fläche nördlich des Kreisverkehrs. Die drei rot markierten Optionen kommen eher nicht in Frage.

Heikles Ergebnis

Neuer Supermarkt: Bester Standort neben Haus von Bürgermeister

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Der beste Platz für einen Supermarkt in Otterfing ist gefunden. Direkt im Zentrum neben dem Penny, so das druckfrische Ergebnis einer Studie. Nur da wohnt auch der Bürgermeister...

Otterfing – Rund 16 Millionen Euro können die Otterfinger jedes Jahr ausgeben – eine überdurchschnittliche Kaufkraft, die das Münchner Beratungsbüro Cima vor zwei Jahren im Auftrag der Gemeinde errechnete. Relevant ist eine zweite Zahl: Nur 4,5 Millionen Euro davon geben die Otterfinger zuhause aus, auch weil ein großer Supermarkt mit Vollsortiment sowie ein Drogeriemarkt fehlen.

Doch rechtfertigt das die Ansiedlung eines zweiten Supermarkts? Reichen nicht die Angebote des Discounters Penny und der vorhandenen Einzelhändler? Der Gemeinderat wollte es genauer wissen und bestellte bei Cima eine vertiefte Untersuchung zur Nahversorgung. Kosten: gut 10 000 Euro. Das Ergebnis stellte Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) in der Bürgerversammlung vor.

Untersucht wurden acht mögliche Supermarkt-Standorte in allen Ortsbereichen. Drei davon sind laut Einschätzung der Experten kaum geeignet: Eine Wiese südlich der Dietramszeller Straße (neben der Kfz-Werkstatt), die Pöttinger Wiese am Bahnhof sowie ein kleineres Grundstück an der Kreuzstraße (Stitzweg).

Die verbleibenden fünf Standorte bekamen ein Ranking. Als viertbeste Option ist eine Wiese am nördlichen Eingangskreisel gelistet. Den dritten Platz teilen sich zwei Flächen rechts und links der Ortseinfahrt aus Richtung Teufelsgraben. „Auf der westlichen Fläche stand das große Gaufest-Zelt“, verdeutlichte Eglseder. Nur ein paar Meter weiter nördlich, ebenfalls an der Ortsdurchfahrt und etwas zentraler, liegen die zwei von Cima empfohlenen Standorte: Östlich die Wiese, die Otterfing von Holzham trennt. „Die würde die Gemeinde gerne belassen, um die Ortsteile weiter klar abzugrenzen“, sagte Eglseder.

Schließlich der Testsieger: Die freie Fläche westlich der Staatsstraße, gleich neben dem Discounter Penny. Eglseder ließ durchblicken, dass dort sogar Platz genug wäre, um in einem Guss auch ein Senioren-Wohnprojekt zu realisieren. „Uns liegt dazu das Angebot eines Investors vor.“ Nicht weniger als 20 Investoren, so berichtete der Bürgermeister, meldeten im Rathaus Interesse an, den Supermarkt zu bauen.

Favorisierter Platz ist politisch heikel

Der favorisierte Platz neben dem Penny ist in Privatbesitz – und politisch heikel. In unmittelbarer Nachbarschaft wohnen sowohl Eglseder als auch seine Stellvertreterin Ulrike Stockmeier (FWG). Würde die Gemeinde einen Bebauungsplan für das Areal aufstellen, wären beider Privatinteressen betroffen. „Wir ziehen uns deswegen aus dem Thema zurück“, kündigte Eglseder deswegen an. Die Klausursitzung des Gemeinderats im April, in der es um den Supermarkt ging, leitete Dritter Bürgermeister Charly Einwanger (Grüne). Auch er hält sich auf Nachfrage bedeckt: „Wir haben alle Informationen zusammengefügt, die Meinungsbildung ist noch im Gange.“ Die Verwaltung prüft baurechtliche Optionen. „Festgelegt ist aber gar nichts“, betonte Einwanger.

Das gewünschte Vollsortiment bieten nur Edeka und Rewe an. Angedacht ist eine Verkaufsfläche von mindestens 1200 Quadratmetern. Eine Umfrage unter Otterfingern vor zwei Jahren ergab, dass sich ein Viertel der Befragten einen Vollsortimenter, der auch ein größeres Sortiment an Bio- und Regionalprodukten vorhält, ausdrücklich wünscht.

Laut Einzelhandelsstudie von 2015 kaufen 40 Prozent der Otterfinger ihre Lebensmittel im Penny, dem einzigen Supermarkt im Dorf. Während die Experten von Cima die Ansiedlung eines Edeka oder Rewe durchaus empfehlen, um mehr Kaufkraft zu binden, gibt es auch kritische Stimmen. Manche Otterfinger befürchten, dass damit die kleineren Einzelhändler im Ort in ihrer Existenz bedroht wären.

avh

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