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In ständiger Bereitschaft: Otterfings Bauhofleiter Franz Huber (l.) organisiert den Winterdienst heuer erstmals ausschließlich mit der eigenen Truppe. Dazu wurde ein zusätzlicher Traktor angemietet. 

Besuch beim Winterdienst der Gemeinde 

Schnee ist nicht das Problem

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Sie räumen und streuen, springen nachts aus den Federn – und müssen sich trotzdem blöde Sprüche anhören. Die Bauhof-Besatzungen sind im Winter besonders gefordert. Wie organisieren sich die Teams? Ein Besuch im Otterfinger Bauhof.

Otterfing – Der erste Schnee der Saison fiel bereits. Auch die erste Bewährungsprobe? Franz Huber, Leiter des Otterfings Bauhofs, muss lächeln. „Interessant wird’s ab zehn Zentimeter.“ Dann beginnt der Winterdienst, den die Bürger wahrnehmen und der Kommunikation auslöst. „Der erste Tag mit richtig Schnee beschert uns zehn Mails und fünf Anrufe“, berichtet Huber. Und die Mails sind selten netter Natur. Aber sie zeigen: Der echte Winter ist gekommen.

Die kalte Jahreszeit, für Huber und seine acht Kollegen im Bauhofteam ist es die heißeste Zeit des Jahres. Erstmals decken sie in dieser Saison den kompletten Dienst ab, zuletzt war eine Räumtour an einen Subunternehmer vergeben. Um das zu kompensieren, mietete die Gemeinde einen zusätzlichen Räumtraktor. Damit umfasst die Otterfinger Räumflotte einen Lkw, zwei Traktoren, einen Radlader und drei Kleinfahrzeuge, alle bestückt mit Schneepflug und Streugerät. 44 Kilometer Gemeindestraßen sind zu betreuen, dazu Gehwege.

Der Dienstplan legt wöchentlich wechselnde Bereitschaften fest. „Einer steht um 2 Uhr nachts auf und checkt die Temperaturen“, sagt Huber. Droht Glätte, rückt er aus zum Streuen. Das läuft nach festem Plan, erst Hauptstrecken, dann Nebenstrecken. Ist die Wetterlage unklar oder hat es zu schneien begonnen, wird der Chef aus dem Schlaf geklingelt. „Ich fahre dann die Strecke ab und entscheide, ob die ganze Mannschaft ran muss“, erklärt Huber. Wenn ja, springen die Männer um 3 Uhr in ihre Fahrzeuge. „Unser Anspruch ist: Bis 7 Uhr sollen alle Hauptwege geräumt und gestreut sein.“ 

Ein „Springer“ bleibt in Reserve für den Fall, dass es dauerhaft schneit und die Kollegen Ruhepausen einhalten müssen. Gefordert ist die gesamte Truppe. Von Anfang November bis Ende März gilt eine Urlaubssperre.

Unnötig schwer wird es für die Räumkommandos, wenn die Bürger nicht mitspielen. „Die Parkerei auf den Straßen ist das größte Problem“, sagt Huber. Leider gebe es einige Uneinsichtige, denen das Winterparkverbot etwa auf der Palnkamer Straße egal ist. „Manchmal verhindern Falschparker, dass eine Straße geräumt werden kann“, sagt Huber, „wir kommen dann einfach nicht durch.“

Ein zweites Ärgernis: Stauden und Bäume. Ehe die Saison beginnt, werden Hausbesitzer angeschrieben und gebeten, überhängendes Gestrüpp zu entfernen. So mancher Spiegel eines Kleinräumers blieb bereits an einem Ast hängen. „Kann teuer werden“, sagt Huber.

Alle Jahre wieder schneien nach den ersten Einsätzen die Beschwerden in den Bauhof. Der Klassiker: Warum räumt ihr ausgerechnet meine Einfahrt zu? Irgendwie müsse der Schnee halt von der Straße, sagt der Bauhofchef, „könnten wir ihn aufessen, wir würden es tun.“ Einen der eifrigsten Protestierer nahm Huber einmal mit. „Er versteht uns jetzt.“

Besonders happig wird es, wenn Bürger auf Eis oder Schnee stürzen und von der Gemeinde Schadenersatz fordern. Dreimal war das zuletzt der Fall. Der Bauhof war gewappnet: Jedes Fahrzeug ist seit 2015 mit GPS ausgestattet. „Dank Satellitenortung konnten wir belegen, wann wir wo geräumt haben“, sagt Huber, „für uns ein Segen.“ So entfällt auch die zeitraubende Dokumentationspflicht. Zehn Jahre werden die GPS-Daten gespeichert.

Natürlich werde die Schneepflug-Truppe auch gelobt, sagt Huber, „das tut gut“. Er stelle aber fest, dass immer mehr Mitbürger vor allem an sich denken und schnell sagen, wenn vermeintlich etwas nicht passt. „Die Ichlinge werden häufiger.“

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