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Bettlhochzeit Otterfing

Sündiges Paar im Flockenwirbel

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So ein Paar findet in Otterfing nur alle zehn Jahre zusammen: Stefano Gloahuaba führte am Faschingsdienstag seine Braut Wasiline Roudkugl auf den Misthaufen. Die Bettlhochzeit lockte Dutzende noch nie gesehener Damen und Herren auf die Straße. Insgesamt verfolgten etwa 800 Hochzeitsgäste die Trauung – durch dichten Schneefall.

Otterfing Ehrvater Franz Huber blickte vom Misthaufen auf die Hochzeitsgäste herab, erkannte fast nur Regenschirme und war zufrieden: „Mir ham des scheenste Weda bstäit – und des hamma aa kriagt.“ In dichtem Schwarm schwebten die Schneeflocken auf das Faschingstreiben herab. Ein letzter Wintergruß, ausgerechnet zur Hochzeit des Jahres.

Vom St.-Georg-Platz kommend war der Hochzeitszug, fast pünktlich um 11.11 Uhr, am Misthaufen beim „Schneider“ in der Dietramszeller Straße angelangt; der Kutsche mit den Brautleuten folgten weitere Wagen mit Ex-Bräuten, der Verwandtschaft und den zwölf Otterfinger Schönheits-Königinnen; selbst ein Aussteuerwagen samt waschechtem Rindvieh und Kälbchen fehlte nicht.

Bettlhochzeit in Otterfing - die Bilder

Beherzt hatten sich Männer in Kleider geworfen, für Oberweite gesorgt und Lippenstift aufgelegt. Frauen klebten Bärte an, setzten Hüte auf und stiegen in Hosen. Ein Trupp dieser Bärtigen tauchte als „Jungfrauen-Vernichtungsverein“ auf. Einen besonders herzigen Eindruck hinterließen einige intensiv geschminkte „Damen“, als sie – vorübergehend in Feuerwehruniform gehüllt – den Verkehr regelten, ehe sie später in ihren Hochzeits-Fummel schlüpften.

Im Mittelpunkt aber standen die frischverliebten Stefano und Wasiline (Stefanie Huber und Thomas Böckl). „Zwoa einsame Herzen mit übergroßer Leber“ hätten sich gefunden, freute sich der Ehrvater.

Der Bürgermeister (Hansi Killer), der artig seinen Gemeinderat begrüßte („meine Papagei-Quatscher vo Stinkafing“) verriet, dass der Bräutigam „27 Semester bayerische Baamschui“ absolviert habe. Die Braut habe in einem Reutberger Sudkessel das Licht der Welt erblickt, bekam „Kaibestarter“ in den Babybrei und verbrachte die ersten 20 Lebenjahre damit, das Kanapee einzuliegen. „Ja freili mog i“, flötete brav die holde Wasiline auf die entscheidende Frage des Bürgermeisters, der das Paar beschwor, „auch die Sportzentrums-Aussiedlung gemeinsam zu tragen“. In elegantem Schwung griff sich die Braut den Bräutigam, um den Hochzeitskuss zu platzieren.

Zu den ersten Gratulanten zählten noch auf dem Misthaufen die zwölf Schönheits-Königinnen von Otterfing. Darüber wurde fast vergessen, die Eheringe anzustecken. „Beilagscheibn aus 18 Karat Dachrinnenblech“, wie der Ehrvater anerkennend feststellte.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zogen die geladenen Hochzeitsgäste schließlich zum Weiterfeiern in Richtung Otterfinger Hof. „Die Ruine des Grauens“, stellte Ehrvater Franz Huber fest, „hoff ma, dass sie uns ned überm Kopf zammkracht.“

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