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Ein Moderator, drei Kandidaten. Es ging hoch her bei der Podiumsdiskussion.

Drei Kandidaten stellen sich den drängenden Fragen

Podiumsdiskussion in Otterfing: Erfrischende Unterschiede

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Sportzentrum, Thomawiese und weitere Streitpunkte. Die Otterfinger Bürgermeisterkandidaten nahmen bei der Podiumsdiskussion in der Schulaula kein Blatt vor den Mund und sorgten so für einen unterhaltsamen und informativen Abend.

Otterfing – Nach 18 Jahren bekommt Otterfing einen neuen Bürgermeister. Und wer auf Jakob Eglseder (CSU) folgen könnte, das wollten die Gemeindebürger wissen: Mehr als 300, fast zehn Prozent der Wahlberechtigten, waren in die Schulaula gekommen, um sich bei der Podiumsdiskussion des Holzkirchner Merkur persönlich ein Bild von Robert Schüßlbauer (CSU), Josef Killer (FWG) und Michael Falkenhahn (SPD) zu machen. Dabei wurden auch unterschiedlichen Positionen der Kandidaten deutlich.

Killer, der bereits von 1978 bis 1996 im Gemeinderat saß, will die Bürger mit ins Boot holen, über das Bürgerforum in Entscheidungen einbinden und vor allem den oft als zerstritten bezeichneten Gemeinderat wieder zu einer Einheit zusammenführen. Dass das bei manchen Projekten durchaus möglich sein könnte, zeigte sich zwischen Schüßlbauer und Falkenhahn, die auch auf dem Podium die eine oder andere Spitze hin und her schossen.

Unterschiedliche Ideen für Sportzentrum und Thomawiese

Da wäre etwa das seit Jahren diskutierte Sportzentrum, gegen das laut Moderator Andreas Höger „nicht mal EU-Recht oder der Brexit spricht“. Schüßlbauer sprach sich klar für die aktuelle Planung aus, eine Sanierung der Anlagen am Nordring und eine Dreifachhalle auf dem Skaterplatz an der Ecke Lehrer-Holl-Straße/Ludwig-Ganghofer-Straße. „Die Planung zeigt, dass beides auf diesem Grundstück existieren kann“, sagte er, wenngleich der Skaterplatz freilich umgestaltet werden müsste. Für die große Lösung am Nordring sprachen sich Falkenhahn und Killer aus. „Ich sage dir, warum das nicht geht: wegen der Kosten“, sagte Falkenhahn an Schüßlbauer gerichtet. Den Unterhalt von drei Gebäuden könne sich die Gemeinde auf Dauer nicht leisten. Killer, der den Bürgerentscheid 2015 mit initiiert hatte, sah das genauso. Eine 2,5-fach Turnhalle sowie eine Sanierung am Nordring seien die beste Lösung. Dann könne eine Anlage wie in Waging entstehen, die dem Gemeinderat 2018 präsentiert wurde.

Alle Plätze vergeben: Fast zehn Prozent der Wahlberechtigten kamen in die Otterfinger Schulaula. 

Das Sportzentrum war freilich nicht der einzige Reibungspunkt. Da wäre noch das zweite Projekt, das in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten ist: die Thomawiese. Wieder war es Schüßlbauer, der sich klar für ein Seniorenprojekt – „meinetwegen auch mit Wohnungen für junge Menschen“ – an dem Standort aussprach. Falkenhahn wiederum möchte erst endgültig festzurren, was genau umgesetzt werden soll, und dann über mögliche Standorte diskutieren. Killer wollte sich ebenfalls nicht festlegen und bemängelte, dass über Jahre nichts umgesetzt wurde.

Kritik an Gemeinderat sorgt für zusätzliche Würze

Die Kritik an der Arbeit des Gemeinderats erneuerte er auch bei der Klimapolitik – Otterfing will bis 2035 energieautark sein –, bei einem möglichen Vollsortimenter auf der sogenannten Penny-Wiese und dem Stillstand am Landkramerplatz. Dadurch sahen sich Schüßlbauer und Falkenhahn teilweise direkten Angriffen ihres Kontrahenten ausgesetzt, was der Diskussion eine zusätzliche Würze verpasste – wenngleich sich die Kandidaten einig waren, dass der Landkramerplatz aufgewertet gehört.

Einig waren sie sich, dass der Ortsentwicklungsplan fort- und umgesetzt werden muss. Allerdings hatte man das Gefühl, dass sich die Kandidaten ab und an mit dem Verweis auf den Plan aus der Affäre ziehen wollten.

Dennoch dürften die Zuhörer in der Schulaula ein klares Bild bekommen haben, für welche Politik und Projekte Schüßlbauer, Killer und Falkenhahn stehen und wie sie diese angehen wollen. Das dürfte die Wahlentscheidung am 15. März – und bei einer möglichen Stichwahl zwei Wochen später – doch erleichtern.

Die Zitate des Abends

„Die Bürger sollen nicht nur bei der Wahl ihr Kreuzchen machen, sondern sich einbringen.“ Josef Killer über seine Politik als Bürgermeister.

„Warum gibt es Flächen, die geeignet sind, aber noch ohne Photovoltaik-Anlagen sind?“ Michael Falkenhahn zur Klimapolitik in Otterfing.

„Wir haben schon Bio-Strom erzeugt, da haben andere noch gar nicht gewusst, was das ist.“ Robert Schüßlbauer über das Otterfinger Wasserkraftwerk in Dietramszell.

„Man hat den Eindruck, teure Gutachten ruhen in Schubläden.“ Killer während der Diskussion über einen Vollsortimenter.

„Mir wäre am liebsten, wenn wir Selbstvermarkter, kleine Geschäfte, mit ins Boot nehmen.“ Falkenhahn schwebt ein großes Einkaufszentrum vor.

„Meistens fall i ned hi.“ Schüßlbauer über den vereisten Landkramer Platz im Winter. 

„Die Gastmannschaften beim Fußball sprechen schon von Schimmelpilzkatakomben.“ Killer über die Umkleiden am Nordring.

„Wenn wir eine Halle für zwei Millionen Euro kriegen, kauf mas heit no.“ Schüßlbauer zu Killer, der eine 2,5-fach-Halle zu einem günstigen Preis ins Spiel brachte.

„Das Grundstück ist aktuell unsere Spardose.“ Falkenhahn über das derzeit noch zweckgebundene Grundstück an der Kreuzstraße.

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