Richter: „Dann müssen Sie von Liebe, Luft und Marihuana gelebt haben.“

Drogen trotz Bewährung: Otterfinger (26) muss in den Knast

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Otterfing – Der Tagesablauf eines Drogensüchtigen aus Otterfing hat kürzlich das Miesbacher Amtsgericht beschäftigt. Weil er trotz Bewährungsauflage Drogen konsumierte, muss er nun ins Gefängnis.

So sahen die Tage im Leben des Angeklagten in etwa aus: 11 Uhr: Aufstehen. 15 Uhr: Zum Kellnerjob. 23 Uhr – manchmal auch später: Feierabend. Bis 5 Uhr – manchmal auch 7 Uhr: daheim fernsehen und Drogen nehmen. Und zwischendrin traf sich der Angeklagte (26) hin und wieder mit seinem Lieferanten, um Marihuana-Nachschub zu holen – und Speed, Amphetamine, Kräutermischungen. Weil er es trotz einer bestehenden Bewährungsauflage nicht geschafft hat, drogenfrei zu leben, muss der Otterfinger nun ins Gefängnis.

Angeklagt war der 26-Jährige zunächst wegen unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln. Im Sommer 2016 war er von der Kripo Miesbach beobachtet worden, wie er hinter dem Tengelmann in Holzkirchen von einem anderen Mann 16,7 Gramm Marihuana entgegennahm. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung staunten die Beamten nicht schlecht. „In allen Winkeln der Wohnung haben wir Betäubungsmittel gefunden“, sagte ein Polizist als Zeuge vor Gericht.

Bei Drogen allein blieb es nicht. Die Beamten fanden Feinwaagen, Verpackungsmaterial, ein Mikroskop, eine Menge Bargeld, einen Schlagring und einen Wurfstern. Belastend war außerdem der Chatverlauf des Dealers, der bei anderen Ermittlungen ausgewertet worden war. Bei der Auswertung der Internet-Gespräche kam heraus, dass der Angeklagte in kurzen Zeitabständen immer wieder größere Mengen Marihuana geordert hatte. Der Polizist sagte: „Da bin ich nicht von einem Eigenkonsum ausgegangen.“

Beispielsweise im Juni 2015 kaufte der Otterfinger Marihuana im Wert von 800 Euro. Rein zum eigenen Gebrauch, wie er betonte. Zwei bis drei Gramm pro Tag. Bei einem Verdienst von 750 Euro plus Trinkgeld blieb da nicht viel Geld für anderes übrig. „Dann müssen Sie von Liebe, Luft und Marihuana gelebt haben“, wunderte sich Richter Walter Leitner.

Seinen Dealer hatte der Angeklagte über Freunde kennengelernt. „Man kennt sich eben in diesen Kreisen“, sagte er. Sie trafen sich hinter dem Supermarkt, bei Mc Donald’s auf der Toilette und im Skatepark. Verabredet hatten sie sich per WhatsApp. Die Nachrichten waren deutlich. „Da sind andere schon einfallsreicher gewesen beim Verklausulieren“, stellte Leitner fest. Trotzdem hat der Angeklagte mit seinem Lieferanten eine Art Geheimsprache benutzt, wie der Polizeibeamte erklärte. „Du schuldest mir noch 100 Euro“, sollte übersetzt bedeuten: „Ich will für 100 Euro Marihuana kaufen.“

Einen Handel konnte das Gericht dem 26-Jährigen nicht nachweisen. Was Staatsanwalt Michael Steinlein besonders störte: „Sie haben in dreister Weise gegen die Bewährungsauflagen verstoßen.“ Der Otterfinger war 2014 wegen des Verkaufs von Marihuana im großen Stil vor allem an Minderjährige verurteilt worden. In der Folge war er nach eigenen Angaben sogar clean. Dann der Rückfall. „Ich hatte Stress in der Arbeit“, erklärte er. Leitner schüttelte den Kopf. „Da müsste ich jeden Tag zehnmal rückfällig werden.“

Wegen des Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen und weil in seiner Wohnung „aus allen Ecken und Enden die Betäubungsmittel gequollen waren“, verurteilte Leitner den Otterfinger zu einer Haftstrafe von elf Monaten. „Ich habe Ihnen damals schon gesagt, dass die Bewährung eine absolute Ausnahme war“, so der Richter. „Da fehlt mir jegliches Verständnis.“ Der Angeklagte, der gerade dabei war mit einem neuen Job und Therapiestunden sein Leben in den Griff zu bekommen, quittierte das Urteil regungslos.

Rubriklistenbild: © dpa

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