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Überraschende Einblicke: Die Kunstausstellung in der Otterfinger Schulaula überrascht die Besucher mit ungewohnten Motiven und Perspektiven.

Eröffnung der Otterfinger Kulturwoche

Kunstausstellung überrascht mit ungewohnten Einblicken

Otterfing - Zeit sollte man sich nehmen für die Kunstausstellung in der Otterfinger Schulaula. Die ausgestellten Werke von 20 heimischen Künstlern sind es wert. Wir haben uns schon mal dort umgeschaut.

„Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen. Deswegen erkennen wir so wenig.“ Dieses Zitat des französischen Schriftstellers Jean Giono hat Hertha Böhner zu ihren Bildern gestellt, die sie bei der Otterfinger Kulturwoche ausstellt. Tatsächlich sollte man sich Zeit nehmen für diese Ausstellung – und die Muße, sich auf die Bilder und die anderen Exponate einzulassen. Dann erkennt man vieles, das bei oberflächlicher Betrachtung verborgen bleibt. Gerade die Vielfalt der gezeigten Kunstwerke – Fotos, Malerei, Plastiken und Schmuck von mehr als 20 Künstlern aus Otterfing - macht einen zusätzlichen Reiz aus.

Böhner präsentiert das bearbeitete Foto einer unscheinbaren Pflanze, der Küchenschelle. Ganz nah, in Augenhöhe hat sie die verblühende Blume abgelichtet. Der Himmel ist ohne Farbe, die Blume selbst in zarten Pastelltönen. Das Foto wirkt eher wie ein Aquarell. Die Küchenschelle biegt sich im Wind – und wer genau hinsieht, entdeckt vertrocknete Gräser vor der Pflanze, einen kräftigeren Stengel links von ihr, der vielleicht mal eine Blüte trug, Lichtreflexe auf den Halmen rundherum. Der Betrachter, der die Augen ruhen lässt, erkennt den Kreislauf der Natur in diesem winzigen Ausschnitt einer Wiese.

„Gemeinsam“ ist das Thema von drei ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotos von Manfred Lenzer. Die Trilogie zeigt im ersten Teil die Hände eines Paares. Nur ein Ausschnitt, der erkennen lässt, dass der Mann hinter der Frau steht und zart mit seinen Fingern ihre locker herunterhängende Hand berührt. Im zweiten Foto wieder zwei Hände, diesmal spielen sie eine Klarinette. Im Hintergrund musizieren Hände an einer Zither und an einem Akkordeon – ein Musikensemble.

Auch Teil drei zeigt Hände, diesmal von zwei Bongospielern, und sofort fällt ins Auge, dass hier zwei äußerlich unterschiedliche Menschen nebeneinander sitzen. Der vordere hat dunkle Haut, trägt eine zerrissene Jeans und ein bedrucktes Sweatshirt, der hintere, sehr hellhäutige, ist mit einem edlen Pullover bekleidet. Und doch spielen sie in einem Takt, die jeweils rechte und linke Hand in der exakt gleichen Stellung.

Es gibt noch viel Berührendes zu sehen in dieser sorgfältig zusammengestellten Sammlung. Wie den nachdenklich wirkenden Silberrücken-Gorilla von Cornelia Seitz. Auch faszinierende Kunst, wie die Bücher von Martina Blaschke. Mit ihren einzeln gefalteten Seiten offenbaren sie in der Vorderansicht Motive oder Schriften, die als Relief hervortreten. Ingrid Eder hat den Sonnengesang des Franziskus in vier Kalligraphien verarbeitet.

Torsten Miller präsentiert ein geschnitztes Hängebauchschwein in Lebensgröße mit rußgeschwärzter Nase, und Alexandra Kirmayr trägt Fröhliches bei. „Grünes Glück“ nennt sie das in Pastellkreide gemalte Bild einer gescheckten Kuh auf grünem Karton, die den Blick mit erhobener Nase in die Ferne richtet – und irgendwie tatsächlich glücklich wirkt.

Das weitere Programm

der Kulturwoche sowie eine Liste aller Künstler gibt’s auf www.otterfingerkulturwoche.de.

Von Christine Merk

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