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Zum ersten Mal nach fünf Jahren

So bissig war der Faschingszug in Otterfing

Otterfing - Am Faschingsdienstag herrschte in Otterfing Ausnahmezustand: Zum ersten Mal nach fünf Jahren zog wieder ein großer Gaudiwurm durch den Ort - genau wie 2010 bei bestem Wetter.

Schon zwei Stunden vor dem offiziellen Start um 13.13 Uhr brachten sich die Maschkera entlang der Zugstrecke in Stellung. Der Gaudiwurm zog sich von der Bahnhofstraße über die B 13 bis zum Otterfinger Hof. Einen Hauch von venezianischem Karneval zauberten Gruppen mit Larven und prächtigen Kostümen ins Bild. Die Fantasie kannte keine Grenzen.

Fotos: Faschingszug in Otterfing 2015

Faschingszug 2015 in Otterfing - Fotos

Faschingszug in Otterfing 2015 - die besten Bilder
Faschingszug in Otterfing 2015 - die besten Bilder
Faschingszug in Otterfing 2015 - die besten Bilder
Faschingszug in Otterfing 2015 - die besten Bilder
Faschingszug 2015 in Otterfing - Fotos

Das galt vor allem aber für die 31 Motivwagen, mit denen die Lokalpolitik auf die Hörner genommen wurde. Die Burschen aus Föching griffen Holzkirchner Themen auf: Die Geothermie und dubiose Grundstücksgeschäfte. Eifrige Fahnder verteilten Visitenkarten von der „Staatsanwaltschaft München, Abteilung Sauerei“. Den mit 4,20 Meter höchsten Wagen steuerten die Sunshine Brothers und forderten „Wir brauchen Brücken, die die Welt verbinden, dann könnt auch in Otterfing sich die Olympiade durchwinden“.

Der künftige Neubürger Thomas Müller wurde gebührend begrüßt, manche Otterfinger haben wohl schon ein Auge auf den geplanten Pool geworfen. „Da kann nicht mal Thomas Müller lacha, wenn’d Otterfinger in seim Pool a Party macha“, stand auf einem Wagen der Burschen. Fehlen durfte nicht das Sportzentrum. „Erst wird amoi a Grundstück kafft, dann schaun ma moi, wia's weiter lafft“, meinte der Bauwagen-Stammtisch. Auf dem Wagen der „Schmalspur-Verbindungs-Pendlerbahn zum Otterfinger Größenwahn“ bat der Bürgermeister die Ministerin um Hilfe: „Ilse, i brauch dei Unterstützung bei da nächste Gmoaratssitzung.“

Die Schützengesellschaft hatte die Idee, „politischen Sprachmüll“ zu nutzen, um daraus endlich ein Otterfinger Windrad anzutreiben. Die Burschen aus dem benachbarten Baiernrain thematisierten den Umbau des dortigen Gasthauses. Aus der Heimat für Ortsvereine werde ein „schickimickifreundliches“ Wirtshaus: „Die Ortsvereine brauch ich nicht, die kosten nur eine Extraschicht“ war zu lesen. Und besorgte Eltern von Erstklässlern machten im „Läuse-Express“ deutlich: „Für ois is a Platzerl frei, aber für unsere Kinder is koa Klassenzimmer mehr frei“.

Weniger politisch kam der Gartenbauverein daher: „Mund auf“ hieß es in Richtung Zuschauer – dann floss aus der kleinen Gießkanne ein Schluck Schnapserl. Die Frauenbund-Damen versorgten die Besucher mit Krapfen und Wuschl-Holunderlikör: „Der geht wie Sau“ verrieten sie. Gefeiert wurde im Otterfinger Hof bis Mitternacht.

Von Siegfried Niedergesäss

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