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Winzige Särge für Sternenkinder stellen die Teilnehmer des Otterfinger Kreativtreffens her. 

Treffen für Sternenkinder-Eltern in Otterfing

Fehlgeburt: Wenn das Baby im Bauch stirbt

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Erst Hoffnung, dann die Enttäuschung: Etwa jede sechste Schwangerschaft endet mit einer Fehlgeburt. Betroffene sprechen fast nie darüber. Die Initiatorin des Kreativtreffens für Sternenkinder in Otterfing hat für uns eine Ausnahme gemacht. 

Otterfing –Schwanger! Melanie Buttenmüller, damals 21 Jahre alt, freut sich sehr. Doch in der achten Woche blutet sie. Buttenmüller fährt ins Krankenhaus. „Blut in der Schwangerschaft ist für jede Frau ein Alarmsignal“, sagt die heute 35-Jährige. Ihre Angst ist berechtigt – sie verliert das Kind.

Buttenmüller trauert. Kaum einer versteht das. Die Ärzte sagen, sie sei jung, sie könne noch viele Kinder haben. „Ich wollte aber nicht irgendein Kind, ich wollte dieses Kind, das ich nun nicht mehr haben konnte.“ Bekannte sagen, das sei doch noch gar kein richtiges Kind gewesen. „Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, hören genau das Gegenteil. Da heißt es, sie hätten ein Kind getötet. Diese Ambivalenz ist irre.“

Buttenmüller rafft sich wieder auf, hofft, schnell wieder schwanger zu werden. Ein halbes Jahr später klappt es. Doch sie hat ein schlechtes Gefühl. „Nach einer Fehlgeburt bleibt eine Ängstlichkeit, die man in jede neue Schwangerschaft mitnimmt.“ Ihr Gefühl täuscht sie nicht, der Embryo entwickelt sich schlecht. Bange Minuten bei jeder Ultraschall-Untersuchung. Vielleicht hat er ja jetzt einen Entwicklungssprung gemacht. Sie hofft umsonst: Beim nächsten Kontrolltermin ist kein Herzschlag mehr zu sehen. Der Arzt muss die Gebärmutter ausschaben.

Buttenmüller, die Theologie studiert, hadert. „Ich fand es unfair. Warum trifft es mich so hart?“ Noch mehr aber beschäftigt sie die Frage: „Warum schaffe ich es nicht, ein Kind auszutragen?“ Sie stürzt sich in die Medizin, will wissen, was los ist. Doch das Kinderwunschzentrum, das sie und ihr Mann aufsuchen, untersucht sie nur oberflächlich. Wieder bekommt sie zu hören, sie sei noch jung.

Erst nach zwei weiteren Fehlgeburten nehmen die Ärzte sie ernst. Sie finden zwei mögliche Ursachen. Eine Blutgerinnungsstörung, die dazu führt, dass der Mutterkuchen den Embryo nicht ausreichend mit Blut versorgen kann. Und eine Chromosomenstörung. „Ich war erleichtert, die Ursache zu kennen. Aber auch wütend. Hätte man es früher herausgefunden, wären mir zwei Fehlgeburten erspart geblieben.“

Die Ärzte spritzen ihr einen Gerinnungshemmer. Monate später bringt sie einen Bub zur Welt – ein Frühchen. Der Kleine ist heute fünf Jahre alt und quietschfidel. Auch ihre nächsten beiden Kinder sind Frühchen. Ihre heute vier Jahre alte Tochter wiegt bei der Geburt in der 31. Woche gerade einmal 1280 Gramm. Buttenmüller zieht ihr einen Puppen-Body an, denn so kleine Babykleidung gibt es nicht.

In dieser Zeit stößt sie auf den Verein „Sternenzauber und Frühchenwunder“, der sich an diesem Samstag bei der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Otterfing trifft. Hier nähen Ehrenamtliche und Betroffene Kleidung für Frühchen. Und für Totgeburten, sogenannte Sternenkinder. Damit sie in würdevoller Kleidung bestattet werden können.

Buttenmüller hat heute sechs Kinder, darunter Zwillinge. Sie ist dankbar, dass alle gut entwickelt sind. „Bei Frühgeburten keine Selbstverständlichkeit.“ Und doch bleibt ein Schuldgefühl, wie sie sagt. „Weil ich es nicht geschafft habe, meine Kinder voll auszutragen und ihnen so einen normalen Start ins Leben zu ermöglichen.“

Das Kreativtreffen der Vereine „Sternenzauber und Frühchenwunder“ und „Bethanien Sternenkinder Miesbach-Otterfing“ findet am Samstag, 9. März 2019, 11 bis 17 Uhr in der evangelisch-methodistischen Gemeinde, Kölblweg 6, in Otterfing statt. Interessierte nähen, stricken und häkeln hier Kleidung für Frühchen und Sternenkinder. Arbeitsgeräte sind mitzubringen. Auch betroffene Familien, die sich für die Arbeit der Vereine interessieren, sind willkommen.

Auch interessant: Sternenkinder - Hier bekommen betroffene Eltern Hilfe im Landkreis Miesbach

Lesen Sie auch: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? Experten fordern mehr Aufklärung

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