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Auf Eis gelegt: Die Animation zeigt, wie sich ein Sportzentrum an der Kreuzstraße entfaltet hätte. Der vom Bürgermeister favorisierte Vorschlag ist aber aus dem Rennen. Könnte das Areal stattdessen für Wohnbebauung genutzt werden und so den Neubau des Sportzentrums am Altstandort finanziell abfedern?

Finanzierungsdebatte

Baugrund statt Sportzentrum ?

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Das neue Otterfinger Sportzentrum soll am alten Standort entstehen – so beschloss es der Gemeinderat. Doch woher die Millionen nehmen, die das kostet? Grundstücke versilbern? Im Gemeinderat ist ein neuer Konflikt aufgebrochen.

Otterfing Die Standortfrage ist vorerst ausgefochten, jetzt geht es ums Geld. Mindestens sieben Millionen Euro wird der Neubau eines Otterfinger Sportzentrums am Nordring kosten.

 „Am Ende dürfte es eher das Doppelte werden“, fürchtet Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU), dessen Standort-Favorit Kreuzstraße jüngst von einer Gemeinderats-Mehrheit aufs Abstellgleis bugsiert wurde (wir berichteten).

Auf der Basis des gemeindlichen Wunschkatalogs bereitet die Verwaltung derzeit einen Architekten-Wettbewerb vor. „Einfach so drei oder vier Architekten um einen Entwurf bitten, das funktioniert nicht“, sagt Eglseder, „Wir müssen die Leistung europaweit ausschreiben.“ 

Ein Vorschlag liegt bereits auf dem Tisch: Architekt Till Fischer hatte 2016 einen Entwurf vorgelegt, der auf 17 Millionen Euro kommt, allerdings auch ein Parkdeck, Lärmschutz und eine Abbiegespur vorsieht.

Bis die Architekten neue Zahlen liefern, bleibt dem Gemeinderat Zeit, über die Finanzierung nachzudenken. Wie zu erwarten, hebt sich damit der Vorhang für weitere politische Scharmützel.

Der zuletzt ausmanövrierte Bürgermeister präsentierte dem Gremium jüngst bei den Haushaltsberatungen die Rechnung für ein Sportzenrum am alten Standort: Zehn Millionen Euro neue Schulden müsse man aufnehmen – ein Horrorszenario.

Ein rein taktisches Manöver, um die Lösung am Altstandort zu torpedieren, findet Max Ruf (SPD). „Wir verarmen nicht, wenn wir das Sportzentrum an dieser Stelle bauen.“ Ruf verweist auf den Grundstücksbesitz der Gemeinde, ausdrücklich auch auf die sieben Hektar an der Kreuzstraße, wo Eglseder das Sportzentrum plante.

Würde man das zu aktuellen Marktpreisen für Wohnbebauung vermarkten, „stellt das ein Vermögen von 70 bis 90 Millionen Euro dar“. Niemand habe vor, die Kreuzstraße zu verkaufen. „Ich will damit nur sagen, dass wir nicht vor dem Bankrott stehen.“

Die sieben Hektar an der Kreuzstraße, derzeit landwirtschaftlicher Grund, kaufte die Gemeinde 2011 für 840 000 Euro – mit der Auflage des Verkäufers, die Fläche nur für soziale Zwecke zu nutzen. Diese Bindung gilt laut Eglseder 20 Jahre, also bis ins Jahr 2031. Wird daraus vorzeitig Wohngebiet, fällt die Hälfte des Vermarktungsgewinns an den Verkäufer.

Allein der Gedanke, dort ein Wohngebiet aus dem Boden zu stampfen, haue ihn vom Sockel, sagt Eglseder: „Was Teile des Gemeinderats hier veranstalten, läuft gegen den Ort und die Bevölkerung.“ Wohnbebauung dort draußen werde keine Behörde genehmigen. Jetzt gelte offenbar das Argument nicht mehr, dass die Ausweisung von zu viel Baugrund die Gemeinde zwinge, Infrastruktur teuer nachzurüsten. Ihm habe man das um die Ohren gehauen, als er zur Gegenfinanzierung eines Sportzentrums an der Kreuzstraße die zwei Hektar am Nordring über ein Einheimischenmodell habe vermarkten wollen.

Ist es denkbar, die restlichen 6000 Quadratmeter der Thomawiese für ein Sportzentrum zu verkaufen? „Unsere grüne Lunge und eiserne Reserve“, sagt Eglseder. Dieses Tafelsilber müsse für Kitas, ein Seniorenprojekt oder für kommunalen Wohnungsbau reserviert bleiben.

„Wir müssen alle Möglichkeiten ausloten“, sagt dagegen Ruf. „Ich wünsche mir eine Aufstellung aller gemeindlichen Grundstücke.“ Eglseder ist sich sicher: „Die Thomawiese wird fallen.“

Nicht, wenn es nach Ulrike Stockmeier (FWG) geht. „Ich halte nichts davon, Grundstücke zu vermarkten und damit den Zuzug noch anzuheizen“, sagt die Zweite Bürgermeisterin. Da der Haushalt Neubauten am Nordring offenbar nicht hergebe, müsse man wohl irgendwie den Bestand am Nordring erhalten.

Oder findet sich doch eine Finanzierungslösung für einen Neubau? Eglseder sieht die Befürworter eines Neubaus am Altstandort in der Pflicht: „Wer einen Antrag stellt, muss auch sagen, wie das zu finanzieren ist.“

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