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Gestärkt für die freie Wildbahn: Alfred Aigner (l.) hält einen Mäusebussard, sein Helfer Tobias Daser einen Waldkauz. Beide Vögel sind wieder fit genug, um in den nächsten Tagen wieder ausgewildert werden zu können. 

Greifvogel-Auffangstation

Nach Hungerwinter: 29 Patienten bekommen ihre zweite Chance

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Sie fanden keine Mäuse mehr und standen kurz vor dem Hungertod: Fast 30 Bussarde, Falken und Käuze, die zuletzt  in die Greifvogel-Auffangstation Otterfing eingeliefert worden waren, sind jetzt wieder fit für die freie Wildbahn.   

Otterfing Der schneereiche Winter forderte seinen Tribut. Etliche Greifvögel, insbesondere die so reviertreuen Mäusebussarde, verhungerten elendiglich, weil ihnen die Schneedecke über Wochen den Zugriff auf Mäuse verwehrte

Dass es in der Region nicht noch mehr Opfer gab, ist der Otterfinger Auffang- und Pflegestation für Greifvögel und Eulen zu verdanken. Fast 30 entkräftete Tiere, die während des Winters in die Pflegestation eingeliefert wurden, päppelte Stationsleiter Alfred Aigner wieder auf.

Nach fünf Wochen Aufenthalt haben sich 14 Mäusebussarde, elf Turmfalken und vier Waldkäuze gut erholt. „In den nächsten Tagen werden wir sie wieder auswildern“, sagt Aigner.

Bei den meisten Patienten handelt sich um Jungvögel, die 2018 geschlüpft waren, und mit der Extremsituation im Januar und Februar überfordert waren. „Ihnen fehlten die Erfahrung und die körpereigenen Reserven, um so eine lange Notzeit überstehen zu können“, sagt Aigner. Während sich ältere Vögel in vorhergehenden, schneeärmeren Wintern Überlebenstaktiken aneignen konnten, hungerten viele Jungvögel derart aus, dass am Ende sogar die Kraft zum Fliegen fehlte.

Glück im Unglück hatten die Vögel, die von aufmerksamen Menschen gefunden und nach Otterfing gebracht wurden. Meist saßen die stolzen Tiere, die zum Menschen normalerweise eine große Fluchtdistanz wahren, völlig apathisch am Boden und erwarteten ihr Ende. Aigner freute die Unterstützung der Bevölkerung, die sich auch in großer Spendenbereitschaft gezeigt habe. Das habe ihm ermöglicht, einen Großteil seiner Patienten das Leben zu retten.

Vor der Auswilderung beringt der Greifvogel-Fachmann die Tiere mit Ringen der Vogelwarte Radolfzell, um ihren weiteren Lebensweg besser verfolgen zu können.

Jetzt in den ersten Frühlingstagen sei gut zu beobachten, so Aigner, wie sich die Mäusebussarde Thermiksäulen suchen, um sich in den Himmel schrauben. Ohne Flügelschlag trägt sie die aufsteigende Warmluft oft in solche Höhen, dass sie sich menschlichen Blicken entziehen. Ihnen selber entgeht aber nichts, auf den schneefreien Wiesen können sie sich wieder auf Mäuse stürzen. 

Wenn die gefiederten Rekonvaleszenten ihre zweite Chance nützen, können sie noch viele Winter überleben. „Etliche Greifvögel werden bis zu 20 Jahre alt“, sagt Aigner. 

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