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Lkw-Rastplatz an der A8 in Otterfing: Regierung von Oberbayern hat entschieden

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Von: Katrin Hager

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An der Autobahn in Richtung Salzburg auf Otterfinger Flur südlich der Markwegbrücke will die Autobahn GmbH einen neuen Lkw-Rastplatz bauen. Die Regierung von Oberbayern erteilt dafür Baurecht.
An der Autobahn in Richtung Salzburg auf Otterfinger Flur südlich der Markwegbrücke will die Autobahn GmbH einen neuen Lkw-Rastplatz bauen. Die Regierung von Oberbayern erteilt dafür Baurecht. © Archiv Thomas Plettenberg

Seit Jahren wird um den Parkplatz für 106 Lkw an der A 8 auf Otterfinger Flur gerungen. Jetzt hat die Regierung von Oberbayern eine Entscheidung getroffen.

Otterfing – Nachts wird es eng auf den Parkplätzen entlang der Autobahn und an ihren Rändern – und gefährlich, wie Unfälle immer wieder zeigen. Die Brummis müssen halten, schon um die Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Das Problem: Es fehlen Stellplätze. Nicht nur ein paar, sondern jeweils 150 in beiden Richtungen zwischen dem Kreuz München Süd und dem Inntaldreieck, hat die Bundesanstalt für Straßenwesen bereits 2008 errechnet. Nun ist Linderung in Sicht: Wie die Regierung von Oberbayern gestern mitteilte, hat sie den Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der PWC-Anlage Otterfing gefasst. Sie gibt damit dem Neubau baurechtlich grünes Licht, gegen den die Gemeinde Otterfing vehement gekämpft hatte.

Das Kürzel steht für einen Parkplatz mit WC. Südlich der Markwegbrücke über die Autobahn soll in Fahrtrichtung Salzburg ein Neubau mit 106 Stellplätzen für Sattelzüge sowie einem 360 Meter langen Parkstreifen für Schwertransporte entstehen. Hinzu kommen Toiletten und zwei selbstreinigende Duschen für die Lkw-Fahrer sowie ein drei Meter hoher Lärm- und Sichtschutzwall zu den Fahrspuren hin. Dafür wird der bisherige „Parkplatz Otterfing“ 1,5 Kilometer weiter nördlich, der tatsächlich auf dem Gebiet der Gemeinde Brunnthal liegt, aufgegeben und als Ökoausgleichsfläche aufgeforstet, teilt die Regierung von Oberbayern mit.

Gute Nachricht für Autobahn GmbH, schlechte für die Gemeinde

Sie habe im Verfahren die Stellungnahmen von 18 Behörden, Organisationen und weiteren Einwendern „geprüft und so weit wie möglich berücksichtigt“, heißt es in der Pressemitteilung. „Naturschutz- und waldfachliche Kompensationsmaßnahmen werden auf einer Fläche von insgesamt 3,7 Hektar durchgeführt.“ Mit dem Planfeststellungsbeschluss besteht nach Ablauf der Rechtsbehelfsfrist prinzipiell Baurecht für das Projekt. Wenn nicht noch dagegen geklagt wird.

Eine gute Nachricht für die Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes, die heuer die frühere Autobahndirektion Südbayern ablöste. Denn das Ringen dauert seit Jahren an. Nach harschem Protest gegen den zunächst geplanten Ausbau der Rastanlage Holzkirchen-Süd wurde die Planung dort 2012 abgespeckt; von 143 neuen Stellplätzen auf nur noch 23, die inzwischen gebaut sind. Der Blick richtete sich nach Otterfing.

Landschaftsschutzgebiet kein Ausschlusskriterium

Seither kämpft die Gemeinde Otterfing gegen den Neubau, setzte auf den Naturschutz. Auf ihren Antrag hin wies der Landkreis Miesbach 2018 im Hofoldinger Forst ein Landschaftsschutzgebiet aus, in dem auch der vorgesehene Bauplatz liegt.

Als Ausschlusskriterium taugte das aber nicht. Auf Nachfrage erklärt Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, dass für den Neubau eine Befreiung von den Festsetzungen der Landschaftsschutzgebietsverordnung erteilt werde. Man sei zur Auffassung gelangt, „dass das öffentliche Interesse an der Realisierung der Baumaßnahme höher zu gewichten ist als die relativ geringfügigen Eingriffe“ am Rand des Schutzgebiets, die mit 3,2 Hektar nur 0,7 Prozent der gesamten Schutzgebietsfläche beträfen. Die Regierung von Oberbayern gewichtete insbesondere die Gefahren, die der Stellplatzmangel auf den bereits heute stark überlasteten Rastanlagen verursacht, höher.

Pläne werden ab 7. Oktober zur Einsicht ausgelegt

Das Landratsamt Miesbach will sich ohne Kenntnis der Details noch nicht äußern, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Auch Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn hält sich noch bedeckt, wie seine Gemeinde nun verfahren könnte. Er kenne noch keine Details des Planfeststellungsbeschlusses. Die bekommt die Gemeinde demnächst auch zur öffentlichen Auslegung, die am 7. Oktober 2021 in den Rathäusern in Otterfing, Brunnthal, Grasbrunn und Vaterstetten beginnt und bis 21. Oktober 2021 dauert. Wie die Gemeinde Otterfing weiter verfährt, will der Rathauschef erst im Gemeinderat diskutieren: „Die alten Beschlüsse hat ja noch der alte Gemeinderat gefasst“, sagt Falkenhahn, der dem Gremium auch selbst angehörte. Dabei wird zu klären sein, ob die Gemeinde Otterfing einen Rechtsbeistand zu Rate zieht und eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss erwägt. „Wir müssen schauen: Macht das Sinn?“, sagt Falkenhahn. „Zu klagen um des Klagens willen, kostet nur Geld. Da muss schon Substanz und eine Chance da sein.“

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ag

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