BBV-Ortsobmann Hubert Büchl und Ortsbäuerin Maria Dießl stehen mit einigen Landwirten auf Feldern und halten Flyer und Schilder in der Hand
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„Für ein gutes Miteinander“: (vorne v.l.) BBV-Ortsobmann Hubert Büchl und Ortsbäuerin Maria Dießl, hier mit einigen der Landwirte aus der Gemeinde, haben in Otterfing eine Aufklärungskampagne zum richtigen Verhalten in Feld und Flur angestoßen.

Schilder und Flyer sollen Verständnis wecken

Gutes Miteinander in Feld und Flur: Landwirte in Otterfing starten Kampagne und erklären große Schwierigkeit

In der Kulturlandschaft ist Platz für alle da, für Landwirte und Freizeitnutzer - wenn sich alle an ein paar Regeln halten. Weil die längst nicht jedem geläufig sind, wollen die Otterfinger Bauern darüber in einer Kampagne für ein gutes Miteinander aufklären.

Otterfing - Die heimische Kulturlandschaft hat in den vergangenen Monaten mangels Freizeit-Alternativen einen Ansturm erlebt - alle zieht’s nach draußen. Das hat auch Maria Dießl beobachtet. Die Otterfinger Ortsbäuerin findet das auch gut: „Es ist schön, wenn die Leute in die Natur rausgehen und sich daran freuen.“ Nur: Alles hat eine Kehrseite. Denn je mehr Verkehr auf den Wegen durch Feld und Wald herrscht, umso eher geraten unterschiedliche Interessengruppen auch mal aneinander. Mountainbiker und Spaziergänger etwa, Gassigänger und Jogger. Oder Freizeitnutzer und Landwirte. Letztere wollen nun mit einer Aufklärungskampagne für ein besseres Miteinander auf Feld und Flur werben.

„Spaziergänger gehen oft einfach nicht aus dem Weg, wenn man mit einem Traktorgespann kommt“, hat Dießl festgestellt. Alle der 25 Landwirte in der Gemeinde - davon ein knappes Drittel im Nebenerwerb neben einem weiteren Beruf - hätten da ganz ähnliche Erlebnisse. Es werde sogar diskutiert, erst recht, wenn es sich beim Anhänger um einen Güllebehälter handelt. „Wir diskutieren ja gern“, sagt Dießl. Aber mühsam sei das schon. „Das ist unsere Arbeit.“ Die dient der Lebensmittelerzeugung für alle und will zügig erledigt werden, zumal wenn das Wetter so launisch ist wie in den vergangenen Wochen.

Otterfing: Hoffen auf mehr Rücksichtnahme auf Feld und Flur

Die Landwirte fühlen sich durch solche Erfahrungen ungerecht behandelt. Dabei gäbe es bei ein wenig Rücksichtnahme gar kein Problem, ist Dießl, die eine Pferdepension betreibt, überzeugt: „Es ist doch für alle Platz. Wenn man einen Meter auf die Seite geht, dürfte es kein Problem mehr geben.“ Deshalb hat die Ortsbäuerin gemeinsam mit dem Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Hubert Büchl, eine Aufklärungskampagne vor Ort initiiert. Die Vorlagen für Flyer und Schilder „Für ein gutes Miteinander“ haben sie vom BBV übernommen aus dessen Aktion „Rücksicht macht Wege breit“, die über richtiges Verhalten in Feld und Flur aufklären will.

Rund 40 Schilder haben die 25 Landwirte in Otterfing aufgestellt, vor allem dort, wo die Wege aus dem Ort auf Feldwege münden, um alle Nutzer zu erreichen. „Wir wollen die Leute dran erinnern, dass das unsere Lebensgrundlage ist“, sagt Dießl. Sie ist überzeugt: In den allermeisten Fällen beruhen Probleme nicht auf bösem Willen, sondern auf Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit.

Otterfing: Feldwege sind keine Spazierwege

Das fängt schon damit an, wofür Feldwege eigentlich da sind: „Die Feldwege gibt es doch nur, weil wir sie instandhalten, um aufs Feld zu fahren. Viele Leute meinen aber, das sind Spazierwege.“ Andere stapfen ungerührt querfeldein über die Wiesen und Felder - mitten in der Vegetationsperiode. Dass das nur während der Frostperiode erlaubt ist, ist aus dem Bewusstsein der Bevölkerung weitgehend verschwunden - von Georgi bis Martini ist es verboten. „Wir müssten den Leuten heute erst beibringen, wann Martini und Georgi überhaupt sind“, sagt Dießl und schmunzelt. Gemeint sind natürlich der Georgstag am 23. April und der Martinstag am 11. November.

Auch Hundebesitzer sind Adressaten der Kampagne, selbst wenn Dießl beobachtet, dass immer mehr darauf achten, den Hundekot in den Müll zu werfen. „Aber die Schwarzen Schafe sind immer noch ein Problem.“ Und wie selbstverständlich werde der Hund von der Leine gelassen, sobald der Feldweg erreicht ist. Dabei wäre es mindestens genauso wichtig, dass auch die Hunde auf den Wegen bleiben: „Wir nehmen an Artenhilfsprogrammen teil, damit zum Beispiel Wiesenbrüter nisten können, und dann lassen Gassigänger ihren Hund einfach in die Wiese - das überlebt doch kein Vogel“, sagt Dießl. Auch der Nachwuchs etwa von Reh und Feldhase gerät durch stöbernde Hunde unter zusätzlichen Druck.

Dießl hofft, dass die Aufklärung auf fruchtbaren Boden fällt. „Auch wenn wir von zehn nur zwei erreichen, ist schon viel gewonnen.“

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