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Das neue Schutzgebiet bei Otterfing umfasst rund 434 Hektar.

Kreistag stimmt Plänen für Wald bei Otterfing zu

Hofoldinger Forst bei Otterfing: 434 Hektar Wald werden Schutzgebiet

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Der Kreistag hat einen 434 Hektar großen Bereich im Hofoldinger Forst bei Otterfing zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Nicht alle Privatwaldbesitzer sind darüber glücklich.

Landkreis – „Die Gemeinde Otterfing unterstützt das Verfahren ausdrücklich“, stellte Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) bei den Beratungen im Umweltausschuss und später auch im Kreistag klar. Seit 50 Jahren gebe es für den Hofoldinger Forst Planungen diverser Art – vom Großflughafen über einen Autobahnrastplatz bis hin zum Kiesabbau. Mit der Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets – wie es für den Sauerlacher Teil des Forsts bereits besteht – hofft die Kommune, Bautätigkeiten jeglicher Art abwehren zu können. Zuletzt untermauerte der Gemeinderat am Tag vor der Kreistagssitzung mit einem 14:2-Beschluss das Anliegen.

Für Irritationen sorgte ein Antrag der CSU-Kreistagsfraktion, der kurz vor der Sitzung der Kreisgremien eingereicht worden war. Er forderte, das Schutzgebiet zunächst auf den Bereich der Staatsforsten zu beschränken. Die Privatwaldbesitzer sollten nicht betroffen sein. Es gehe um den Schutz deren Eigentums, begründete Fraktionssprecher Josef Bierschneider den Vorstoß. Nach Anhörung aller Waldbauern könne man die restlichen Gebiete später immer noch aufnehmen.

Maria Dießl, Ortsbäuerin in Otterfing und CSU-Kreisrätin.

Als eine der Betroffenen schilderte die Otterfinger Ortsbäuerin und Kreisrätin Maria Dießl (CSU) ihre Gefühlslage. Man sei zu spät informiert und nicht eingebunden worden, beklagte sie. Nun bekomme man auf eigenem Grund wieder etwas übergestülpt und habe die negativen Folgen zu tragen. Dabei habe sich die Staatsregierung doch erst kürzlich im Pakt für land- und forstwirtschaftliches Eigentum zu den Bauern bekannt. Kreisobmann und CSU-Kreisrat Johann Hacklinger untermauerte das: „Ladet alle  Grundstückseigentümer ein, überzeugt sie, und anschließend beschließen wir es“, sagte er.

Dafür fehle die Zeit, stellte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) klar, der überdies darauf hinwies, dass das Verfahren seit 2014 laufe und für interessierte Waldbauern reichlich Zeit und Gelegenheit gewesen sei, sich kundig zu machen und einzubringen. In Kürze nämlich laufe die Sicherstellungsfrist ab, und sollte sich der Kreistag nicht zu einem Schutzgebiet durchringen, könne man den Plänen der Autobahndirektion für den Bau eines Rastplatzes nichts mehr entgegensetzen. Ihm gehe es auch um die kleineren Projekte, ergänzte Bürgermeister Eglseder: „Es gibt Begehrlichkeiten großer Kiesgrubenbetreiber im Privatwald.“

Die Forstexperten in den Gremien versuchten, die Skeptiker des Schutzgebiets zu überzeugen. „Die forstliche Nutzung ist vom Schutzgebiet völlig unberührt“, betonte Förster Gerhard Waas (Grüne). „Ich habe im Süden des Landkreises in all den Jahren keinen Fall erlebt, dass Waldbesitzer deswegen eingeschränkt gewesen wären.“ Auch Michael Lechner (FWG), Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung, lobte das Bayerische Waldgesetz, das auch im Schutzgebiet gilt: „Es ist wertvoll und hat sich bewährt.“ Ein zusammenhängendes Waldgebiet könne nur im Interesse der Waldbesitzer sein. Die Bedeutung einer großen, zusammenhängenden Fläche untermauerte Umweltabteilungsleiter Thomas Eichacker: „Man muss aufpassen, dass man den Schutzzweck nicht zu weit aushöhlt. Objektive Gründe, den Privatwald rauszunehmen fehlen. Wir machen uns juristisch angreifbar.“

Letztlich stimmte der Umweltausschuss mehrheitlich und der Kreistag knapp mit 27:25 für die Ausweisung des Schutzgebiets. Robert Wiechmann, Förster und Grünen-Kreisrat, hatte es am Schluss noch mal mit einem Appell an die Gegner probiert: „Die Gemeinde ist dafür, alle Fachleute sind dafür, alle rationalen Argumente sprechen dafür – man sollte ihnen trauen.“

sh

Was ist Ihre Meinung zu dem neuen Schutzgebiet? Stimmen Sie ab!

Abstimmungsbild: Friso Gentsch / dpa

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