Vorzeigeobjekt am Starnberger See: So wie hier in den Wadlhauser Gräben könnten 2023 auch im Hofoldinger Forst vier Bürgerwind-Anlagen Strom ernten. Die Gemeinde Otterfing und der Landkreis Miesbach sind entschlossen, ihren Teil zu liefern.
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Vorzeigeobjekt am Starnberger See: So wie hier in den Wadlhauser Gräben könnten 2023 auch im Hofoldinger Forst vier Bürgerwind-Anlagen Strom ernten. Die Gemeinde Otterfing und der Landkreis Miesbach sind entschlossen, ihren Teil zu liefern.

Umweltausschuss treibt Projekt voran

Windräder im Hofoldinger Forst: Landrat wittert „idealen Zeitpunkt“

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Ein Marktfenster hat sich geöffnet: Windräder sind derzeit günstig zu haben, die Einspeisevergütung ist attraktiv. Die Arge Hofoldinger Forst, die vier Rotoren entlang der A 8 plant, will die Welle reiten. Otterfing und Sauerlach treiben das Projekt voran, am Mittwoch (3. März) zog der Umweltausschuss des Kreistags nach. Doch die Arge-Partner spüren auch Gegenwind.

Otterfing/Miesbach – Die Gemeinde Otterfing und der Landkreis Miesbach sind entschlossen: Beide sind Mitglieder in der 2013 gegründeten Arge Hofoldinger Forst und beide wollen den nächsten Schritt gehen, um womöglich schon 2023 vier Bürgerwind-Anlagen in Betrieb nehmen zu können.

Planungsrechtlich, wirtschaftlich und naturschutzfachlich könnte der Wind kaum günstiger stehen, wie aufwendige Voruntersuchungen ergaben. Nachdem der Otterfinger Gemeinderat vor gut einer Woche einstimmig beschloss, eine weitere Prüfungsphase einzuleiten, um bald ins Genehmigungsverfahren gehen zu können, folgte am Mittwoch (3. März) ebenso einstimmig der Umweltausschuss des Miesbacher Kreistags. Die Zustimmung des Kreistags am 17. März gilt als Formsache. Im Empfehlungsbeschluss verweist der Ausschuss unter anderem auf die „Dringlichkeit des Klimaschutzes und das Ziel der Energiewende bis 2035“.

Wie Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) ergänzte, der im Ausschuss zu Gast war, liefere ein Windrad jährlich bis zu 11 300 Megawattstunden Strom. „Mehr Energie als Otterfing verbraucht.“ Der Ertrag entspreche einer über zwölf Hektar großen Freiflächen-Fotovoltaikanlage, wie Landkreis-Klimaschutz-Managerin Veronika Halmbacher in den Sitzungsvorlagen vorrechnete.

Bürger können sich an den Windrädern beteiligen und auf Rendite hoffen

Die Baukosten für die vier Windräder – je eins auf Otterfinger, Sauerlacher, Brunnthaler und Ayinger Flur – werden auf 24,3 Millionen Euro geschätzt. 30 Prozent sollen über Bürgereinlagen finanziert werden. Falkenhahn schätzt die Rendite auf drei bis fünf Prozent, „wird’s mehr, ist sicher keiner böse“. Ausschussmitglied Robert Wiechmann (Grüne) wünschte sich, dass die Gemeindewerke Holzkirchen als Vertreter der Holzkirchner Bürgerschaft beteiligt werden können. „Vor allem sollen Otterfinger Bürger zum Zug kommen“, sagte Falkenhahn. Vorstellbar sei, die Beteiligung nach oben zu deckeln, um möglichst vielen die Chance auf Anteile zu ermöglichen. Auch Martin Beilhack (Bayernpartei) war der Ansicht, dass sich hauptsächlich einzelne Bürger beteiligen sollten. „Wenn Anteile übrig bleiben, dann gerne auch die Gemeindewerke.“

Noch heuer werde sich die Arge Gedanken machen über die Form der Betreibergesellschaften, kündigte Falkenhahn an. Vermutlich brauche man mindestens zwei Gesellschaften, eine für jede Gemeinde und eine als Arge-Dachorganisation.

Paul Fertl (SPD) wunderte sich, warum das Projekt so viele Jahre Anlauf brauchte. „Erinnert mich an die Impfkampagne von Jens Spahn.“ Falkenhahn verwies auf zeitintensive Voruntersuchungen. „War vielleicht gar nicht schlecht“, fand Landrat Olaf von Löwis (CSU), „denn die wirtschaftlichen Bedingungen sind jetzt fast ideal.“ Martin Taubenberger (FW) hielt eine erste Windernte 2023 „für sehr gut möglich“. Dass es da und dort Widerstand gebe, „damit muss man leben.“

Widerstand formiert sich in Brunnthal

Widerstand formiert sich insbesondere in der Arge-Gemeinde Brunnthal. Dort droht die Stimmung zu kippen. Sogar ein Austritt aus der Arge und Widerstand gegen ein Windrad sind im Gespräch. „Dann wäre eine Anpassung des Standortsicherungsvertrages mit allen Beteiligten erforderlich“, sagte auf Anfrage Jan-Paul Schmidt, Pressesprecher der Staatsforsten. „Ich bin positiv überrascht, dass es bei uns im Landkreis so gut läuft“, sagte Löwis, „aber ich sehe Hürden im Landkreis München.“ Falkenhahn signalisierte, dass ein Windrad allein auch wirtschaftlich zu betreiben wäre. „Denkbar ist sogar, dass Otterfing das alleine macht.“

Widerstand gegen die Windkraft-Pläne im Hofoldinger Forst kommt besonders von der „Initiative Pro Natur- und Landschaftsschutz im Höhenkirchner und Hofoldinger Forst“; sie kämpft gegen die Errichtung großer Rotoren in den Waldgebieten südöstlich von München. Als Sprecher fungiert der Ottobrunner Thomas Schürmann.

Die Initiative sieht durch die 240 Meter hohen Windräder wertvolle „Klimawälder“ in Gefahr. Nach ihren Angaben müssten mindestens 5000 Quadratmeter je Windrad gerodet werden. Das von der Arge beauftragte Planungsbüro Sing spricht dagegen nur von 3000 Quadratmetern, die dauerhaft freizuhalten sind, und betont, dass die gerodete Fläche anderswo wieder aufgeforstet wird.

Können Gemeinden Windräder im Hofoldinger Forst aktiv verhindern?

Für die Pro-und-Contra-Abwägung und die derzeit laufenden politischen Entscheidungen zur Fortführung des Projekts in den Arge-Kommunen spielt eine wichtige Rolle, ob die Gemeinden eine Handhabe haben, Windräder im Hofoldinger Forst generell zu verhindern. Zuletzt argumentierte Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) damit, dass dem nicht so ist. Private Windenergie-Investoren hätten längst ein Auge auf den Hofoldinger Forst geworfen, ließ Falkenhahn durchblicken. Würde die Arge nicht selbst aktiv werden, müsse man damit rechnen, dass mehr als vier Rotoren in den Hofoldinger Forst gesetzt werden – ohne dass sich Bürger beteiligen können und die Wertschöpfung der mittlerweile renditeträchtigen Windenergie in der Region bleibe.

Die Windkraftgegner jedoch sehen sehr wohl eine Möglichkeit, wie Gemeinden jegliche Windräder verhindern könnten. Initiativen-Sprecher Schürmann verweist auf einen Grundsatzbeschluss der Bayerischen Staatsforsten (BaySf), auf deren Grund die Windräder stehen sollen und mit denen die Arge einen Standortsicherungsvertrag abgeschlossen hat, der Mitbewerber vorerst ausbremst.

Staatsforsten unterstützen Windkraftanlagen, wenn Gemeinde zustimmt

Tatsächlich begrüßen die BaySf zwar ausdrücklich die von der Staatsregierung beschlossene Stärkung der Windkraft im Staatswald als „große Chance für die Staatsforsten und ein Schub für saubere erneuerbare Energie in Bayern“, wie es in einer Mitteilung heißt. Allerdings: Ohne die Zustimmung der jeweiligen Standort-Gemeinde verweigern die BaySf jegliche Verträge mit privaten Investoren. Gemeinden könnten damit theoretisch, über diese privatrechtliche Zusage, Windräder zumindest auf ihrem Gebiet blockieren.

Das Landratsamt Miesbach, das derzeit den Arge-Vorsitz führt, bestätigt „die aktuelle Position des Aufsichtsrates der BaySF, dass Verträge nicht gegen den Willen der Standortgemeinde geschlossen werden“, wie Pressesprecherin Sophie Stadler auf Anfrage erklärt. Jedoch habe der Aufsichtsrat erst jüngst die Auflage gekippt, dass auch benachbarte Kommunen ihr Veto einlegen können. „Das funktioniert nicht mehr“, erklärte Falkenhahn gestern im Umweltausschuss und wies darauf hin, dass die BaySf ihren Grundsatzbeschluss immer ändern können. „Auch die Staatsforsten müssen Geld verdienen.“ Der Beschluss eines Aufsichtsrats sei keine Rechtsgrundlage. „Ich persönlich bin überzeugt davon, dass sich das sehr bald ändern wird“, sagte Falkenhahn.

Planungsrechtlich sind die angedachten Windrad-Standorte ausdrücklich für Windkraft-Nutzung vorgesehen. Im Kreis Miesbach regelt das der Regionalplan.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

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