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Katastrophenschutz: Otterfing rüstet mit Sirenen auf

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Lücken in der Warnkette: Die alte Sirene auf dem Rathausdach soll nun sechs digitale Nachfolger im ganzen Gemeindegebiet bekommen.
Lücken in der Warnkette: Die alte Sirene auf dem Otterfinger Rathausdach soll sechs digitale Nachfolger im ganzen Gemeindegebiet bekommen. © Thomas Plettenberg

Die Gemeinde Otterfing rüstet im Katastrophenschutz auf: Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, sechs neue digitale Sirenen zu beschaffen, um die Bevölkerung künftig im Ernstfall besser warnen zu können.

Otterfing – Wie wichtig eine funktionierende Warnkette im Ernstfall ist, um die Bevölkerung vor Ort rechtzeitig zu erreichen, musste Deutschland bei der Flutkatastrophe 2021 schmerzhaft erfahren, die insgesamt 186 Menschen das Leben kostete. Nun hat sich der Otterfinger Gemeinderat mit dem Katastrophenschutz in der Gemeinde befasst.

Die Gemeindeverwaltung schlug vor, sechs neue digitale Sirenen zu installieren, die das alte Modell auf dem Rathaus ablösen. Im Ernstfall könnte so künftig das gesamte Ortsgebiet beschallt werden – und das nicht nur mit dem durchdringenden Warnton, dessen Taktung an die Alarmart angepasst wird, sondern auch mit konkreten Durchsagen.

Bauamtsleiter Hubert Zellner erläuterte, dass in Wettlkam, Palnkam, Holzham, Bergham sowie in Otterfing auf dem Rathaus und in Bahnhofsnähe nach geeigneten Standorten für den digitalen Alarm gesucht werde. Die Sirenen sollen auf Hausdächern installiert werden, idealerweise auf großen Gebäuden wie etwa Bauernhöfen. Man habe bereits fünf Zusagen, mit einem sechsten Partner sei man im Gespräch. Die Kosten belaufen sich auf rund 67 000 Euro, wie erste Erkundigungen ergeben hätten. Doch über das Sonderförderprogramm Sirenen des Freistaats Bayern könne die Gemeinde mit 65 000 Euro an Zuschüssen rechnen.

Test im Mai legte Lücken offen

Wie Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) deutlich machte, hatte der Katastrophenschutz die Gemeinde darauf hingewiesen, dass die Sirenenalarmierung verbessert werden müsse. Ein landesweiter Test von Sirenenanlagen im Mai hatte ergeben, dass in vielen bayerischen Kommunen Sirenen fehlen oder nicht funktionieren. Roberto Sottanelli (SPD), selbst Feuerwehrler, bekräftigte die aus seiner Sicht gegebene Sinnhaftigkeit des Unterfangens. Oft sei es nötig, Rettungskräfte per Sirene nachzualarmieren. Er machte zudem auf den Vorteil von Durchsagen bei digitalen Sirenen aufmerksam.

Max Ruf (SPD) zeigte sich davon eher abgeschreckt: „Durchsagen will ich gar nicht“, betonte er. Er bezweifelte überdies, dass sechs Sirenen im Gemeindegebiet nötig seien: „Ich habe noch nie gehört, dass man unsere Sirene nicht hört.“ Auch mögliche Folgekosten beschäftigten ihn, doch dazu konnte Zellner gegenwärtig keine Antworten geben. Mit Blick auf die Förderung durch den Freistaat betonte Ruf, dass man das Fördergeld nicht nehmen müsse, „nur weil es Geld ist“. Es handle sich um Steuergeld.

Grundsatzbeschluss trotz kontroverser Diskussion

Dass es künftig in Otterfing laut zugehen könnte, wurde im Gemeinderat ebenfalls thematisiert. Gerhard Heimerer (CSU) beschwichtigte: „Die Sirene geht ja nicht ständig.“ Bei einer Nachalarmierung höre man drei Mal einen Ton, „danach ist der Kas bissn“, so der Zweite Bürgermeister.

Trotz der kontroversen Diskussion stimmten am Ende alle Gemeinderäte für den Grundsatzbeschluss, sechs Standorte für neue digitale Sirenen einzurichten und die Fördermittel zu beantragen. Geht es nach den Plänen des Rathauses, könnte im November der Auftrag zur Einrichtung vergeben werden.

Andreas Wolkenstein

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