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Eine Künstlerin, die etwas zu sagen hat: Katja Ebstein gab nach vier Jahren wieder ein Konzert in ihrer Wahlheimat Otterfing. Etwa 200 Zuhörer zog sie in ihren Bann.

Ehemaliger Schlagerstar

Katja Ebstein in der Otterfinger Schulaula: Und sie brennt immer noch

Katja Ebstein zieht das Publikum noch immer in ihren Bann. Vor 200 Besuchern gab sie ein bravouröses Benefizkonzert in der Otterfinger Schulaula.

Otterfing In den 70er- und 80er-Jahren war Katja Ebstein ein gefeierter Schlagerstar. Mit „Wunder gibt es immer wieder“ und „Theater“ hatte sie große Hits. Ab 1990 wandte sie sich verstärkt dem literarischen Genre zu, verband Musik mit Lesungen. Immer schon mischte sie sich ein und engagierte sie sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und für die, bei denen die Butterseite des Lebens nicht nach oben zeigte.

2001 rief Ebstein, die seit geraumer Zeit in der Gemeinde Otterfing wohnt, eine Stiftung ins Leben, die hilfsbedürftigen Kindern, Familien und älteren Menschen helfen soll. „So eine Stiftung muss gefüttert werden“, stellte Ulrike Stockmeier fest, Vorsitzende von „Otterfing musiziert“. Da trifft es sich gut, wenn die „Jeanne d’Arc der U-Musik“ von sich aus anbietet: „Wann kann ich wieder in Otterfing spielen?“

Nach etwa vier Jahren war es jetzt wieder so weit. Zusammen mit Stefan Kling, ihrem ständigen Begleiter am Piano, bot Ebstein ihrem Publikum einen kurzweiligen, aber keinesfalls nur unterhaltenden Abend mit Liedern, Couplets, Chansons, ja auch Protestsongs vom alten Schlag. Geschickt unterteilte sie ihr Programm mit Stückchen feiner, nicht immer bequemer Literatur. „Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten“, ließ sie den Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch zu Wort kommen und gab sogleich die Richtung der abendlichen Reise klar: sozial denkend, kritisch hinterfragend, musikalisch überzeugend, mit hohem dichterischen Anspruch.

In Bezug auf die ausgewählten Protagonisten war sie zeitlich sicherlich rückwärtsgewandt, wählte sie doch mit Tucholsky, Heine, Brecht, Kästner, Kreisler und anderen kritische Stimmen vergangener Zeiten. Doch die Inhalte, die die „Berliner Schnauze“ transportierte, haben nichts von ihrer Brisanz eingebüßt: Soziale Missstände, Krieg, Neid und Hass, Zivilcourage, Heimat, Liebe. Sie stellte unbequeme Fragen und mahnte: „Menschen ohne Rückgrat haben wir schon zu viele.“ Wenn sie dann selbst einmal den Eindruck hatte, in einen Wort-zum-Sonntag-Duktus zu verfallen, rief sie sich umgehend selbst zur Ordnung: „Mensch Ebstein, sei positiv.“

Dem Dichter Heinrich Heine räumte die Künstlerin viel Raum ein. Und mit Udo Lindenbergs „Wozu sind Kriege da?“, Konstantin Weckers „Vaterland“ und Hannes Waders „Ich wünsche mir“ zeigte sie sich solidarisch mit kritischen Wegbegleitern.

Als Gegenmittel zu all dem Negativen in Politik und Gesellschaft brach die 73-Jährige eine Lanze für die Liebe und deren heilende Kraft. Hier gefiel ihr Bert Brechts Gedicht „Die Liebenden“. Manchmal verfiel sie in zarte A-cappella-Passagen („Sind so kleine Hände“), bei denen ihr famoser Pianist pausieren durfte. Ohne seine einfühlsame Begleitung wäre dieser musikalisch-poetische Abend aber sicher nicht möglich gewesen.

Das Motto „Otterfing musiziert“ wurde für zwei Stunden zur Devise „Otterfing freut sich und ist dankbar“.

Reinhold Schmid

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