Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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Begehrte Goldgruben: Nördlich von Otterfing (hinten) wird großflächig Kies abgebaut. Unser Bild zeigt das Areal der Firma Rohrdorfer mit der Brecher- und Waschanlage. Jenseits des Wegs ist bereits ein kleines Viereck ausgehoben, drumherum liegt die Konzentrationszone, auf die die Gemeinde künftige Abbaupläne beschränken will. 

Bürgermeister spricht von „Landschaftsfolter“

Kiesabbau: Mehr als 32 Hektar gibt es nicht

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In Otterfings Norden ballt sich das größte Kiesabbau-Gebiet des Landkreises. Um den Gruben Grenzen zu setzen, will die Gemeinde „Konzentrationszonen“ ausweisen.

Otterfing – Wer baut, der braucht Kies. Und da in Zeiten günstiger Kredite viel gebaut wird, ist der Rohstoff gefragter denn je. Die Folgen haben Gemeinden wie Otterfing zu tragen, wo reiche Kiesvorkommen unter dünnem Humusmantel lagern.

„Wir sind das größte Abbaugebiet im Landkreis“, seufzte Rathauschef Jakob Eglseder (CSU) jüngst in der Bürgerversammlung, „der ausufernde Kiesabbau foltert unsere Landschaft extrem.“ Dazu kommt der damit verbundene Schwerlastverkehr. Eglseder erklärte, wie die Gemeinde versucht, der Ausbeutung Grenzen zu setzen: Ein Teilflächennutzungsplan soll eine „Konzentrationszone“ definieren, in der Kiesabbau möglich ist (wir berichteten). Im Umkehrschluss heißt das: Anderswo dürfen die Unternehmen nicht mehr graben, auch wenn die Begehrlichkeiten groß sind.

Das Verfahren läuft noch, im Sommer soll die „Konzentrationszone Kies“ Rechtskraft erlangen. Wütende Proteste hagelte es bereits von einem der Hauptbetroffenen, der Firma Rohrdorfer. Das Unternehmen wirft der Gemeinde Verhinderungsplanung vor und pocht auf die im Regionalplan dargestellten „Vorbehaltsgebiete Kies“, die weit großzügiger bemessen sind als die „Konzentrationszonen“. Die Gemeinde sieht sich allerdings rechtlich auf der sicheren Seite: Von 305 Hektar, die theoretisch für Kiesabbau in Frage kommen, sind 32 Hektar freigegeben. Es handelt sich um eine zusammenhängende Fläche zwischen den bestehenden Gruben von Rohrdorfer und der Firma Fasching. „Aus unserer Sicht reicht das aus“, sagt der Bürgermeister.

Eglseder ließ in der Bürgerversammlung durchblicken, dass die Gemeinde grundsätzlich gegen Kiesabbau nichts einzuwenden habe. Die ortsansässige Firma Fasching habe sich über die Jahre „langsam vorgearbeitet“. Jüngst aber sei mit Rohrdorfer ein überregional aktives Unternehmen auf den Plan getreten und habe sich zehn Hektar gesichert. „Und die müssen Geld verdienen.“ Mittlerweile habe die Firma in einer der Gruben eine Brecher- und Kieswaschanlage fest installiert. Dem ausufernden Abbau gelte es, Grenzen zu setzen.

Eglseder appellierte an Grundstücksbesitzer, sich genau zu überlegen, ob sie ihre Flächen für Kiesabbau freigeben wollen: „Bitte nicht sofort auf das erste Angebot eingehen.“

Die im Norden angrenzende Waldflächen des Hofoldinger Forsts bleiben tabu – sehr zum Unwillen einiger Otterfinger Waldbesitzer. „Das ist Schutzwald, den dürfen wir nicht anrühren“, betonte der Bürgermeister, „anders als das Landratsamt München duldet das Landratsamt Miesbach hier keinerlei Ausnahmen.“

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