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Der Abschied aus dem Rathaus ist eingeläutet: Bürgermeister Jakob Eglseder verzichtet 2020 auf eine neuerliche Kandidatur. 

Viele Jahre Gesundheit und Familie vernachlässigt

Kommunalwahl 2020: Otterfings Bürgermeister macht nach 18 Jahren Schluss

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Nach 18 Jahren ist Schluss: Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder (61) räumt 2020 seinen Schreibtisch. „Die letzten Jahre haben zu stark an meiner Gesundheit und an meinen Nerven gezehrt.“

Wann wird gewählt? Wie sieht der Stimmzettel aus? Wir haben bereits alle Informationen zur Komunalwahl 2020 in Bayern zusammengestellt.

Otterfing Die Entscheidung ist länger gereift – und endgültig. „Es gibt keine Hintertür“, betont Jakob Eglseder. Lange habe er mit sich gerungen, Für und Wider abgewogen. Nach „intensiven Überlegungen und Beratungen mit meiner Frau und Familie“ habe er sich entschieden: Es wird ganz bestimmt keine vierte Amtszeit geben. „Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen“, sagt der 61-Jährige, „jetzt aber verspüre ich doch eine große Erleichterung.“

Die Sorge um die Gesundheit habe letztlich den Ausschlag gegeben, sagt Eglseder. Auch der überraschende Tod seines Irschenberger Kollegen Hans Schönauer habe ihn nachdenklich gemacht. „Man stellt sich die Frage, ob es das wert ist.“

Viele Jahre habe er Gesundheit und Familie vernachlässigt, sagt Eglseder, habe stattdessen für „mein kleines, aber feines Otterfing viel Herzblut vergossen“. Gerne habe er sich für seinen Heimatort eingesetzt und „hoffentlich zum Wohle der Gemeinschaft beigetragen“. Mit wachsender Sorge beobachte er jedoch, wie „unsere Gemeinde mehr und mehr in Richtung städtische Strukturen abdriftet“. Er würde das gern verhindern, um den Erhalt dörflicher Strukturen kämpfen. „Aber ich weiß nicht, ob ich die Kraft hätte, mich dagegen zu stemmen.“ Die Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren, sei deswegen vernünftig, „trotz aller Sorgen, die ich mir um unser Otterfing mache.“

Waren die ersten beiden Amtszeiten von weitgehend harmonischer Gemeinderatsarbeit geprägt, wurde der Ton seit der Kommunalwahl 2014 deutlich rauer. „Parteipolitik prägt seitdem den Gemeinderat“, findet Eglseder. Es gebe immer weniger Bürger, die das Gemeinwohl im Auge haben, dafür „immer mehr, die vor allem ihre Eigeninteressen verfolgen“. Sein großer Plan, an der Kreuzstraße ein neues Zentrum für Sport und Vereine aufzubauen, wurde 2015 von einem Bürgerentscheid gestoppt. „Ich wurde nicht gehört, man hat leider anderen geglaubt“, sagt der 61-Jährige. Ein Fehler, wie er noch heute versichert.

Der Bürgerentscheid war der Knackpunkt. Es sei ihm nicht gelungen, bedauert Eglseder, bei der zukunftsweisenden Sportzentrums-Entscheidung die Otterfinger von seiner Linie zu überzeugen. Das umstrittene Thema hatte ihm schon bei der Wahl 2014 viele Stimmen gekostet. Mit 53,6 Prozent landete er nur knapp vor SPD-Herausforderer Andreas Eichhorn. 2008 hatte sich noch fast 60 Prozent der Otterfinger für Eglseder entschieden.

Es folgten in den vergangenen Jahren einige giftige Diskussionen, insbesondere rund um die Frage, wo und wie ein Sport- und Vereinszentrum entstehen oder erhalten werden soll. Eglseder fand sich zuweilen auf isolierter Position wieder. „Im Gemeinderat habe ich zum Teil massiven Gegenwind gespürt.“ Dazu kam, dass das jahrelange freundschaftliche Verhältnis mit Zweiter Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier (FWG) zerbrach.

Das letzte seiner 18 Amtsjahre will Eglseder „weiter gewissenhaft und pflichtbewusst“ anpacken. Ab Mai 2020 freut er sich, Zeit für die Familie zu haben und seine Kinder zu unterstützen. Sei sein Rat gefragt, stehe er zur Verfügung, „ich dränge mich aber niemandem auf.“

Spannender Wettbewerb um den Chefposten

Nach dem angekündigten Rückzug Jakob Eglseders (CSU) ist klar: Otterfing bekommt 2020 einen neuen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. Noch hat kein Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen, doch nach Stand der Dinge ist mit einem spannenden Wettbewerb zu rechnen. „Wir sind mit zwei bis drei Kandidaten im Gespräch“, sagt CSU-Ortsvorsitzender Dominik Ullmann. Er selbst hat noch keine Ambitionen. „Ich bin 27 Jahre alt, ich will jetzt erst einmal als Gemeinderat Erfahrungen sammeln.“ 

Im Kampf um den vakanten Chefposten will auch die SPD mitmischen. „Wir werden einen Kandidaten stellen“, kündigt Ortsvorsitzender Michael Falkenhahn an; erste Gespräche würden schon laufen. So weit sind die Freien Wähler noch nicht, wie Ortsvorsitzender Johann Killer einräumt. „Wäre natürlich schön, wenn wir einen Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen schicken können.“ Die Otterfinger Grünen kommen am 1. April zusammen, um das weitere Vorgehen in Sachen Kommunalwahl abzusprechen.

Die Serie 

Wie es ein Jahr vor der Kommunalwahl in den einzelnen Kommunen aussieht, welche Herausforderer die Fraktionen ins Rennen schicken wollen und welche Namen gehandelt werden, beleuchten wir in dieser Serie.

Lesen Sie dazu auch unseren Auftaktbericht. Dort finden Sie weitere Links zum Thema Kommunalwahl 2020 in den übrigen Städten und Gemeinden.

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