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Kuriosum auf dem Otterfinger Wahlzettel: Für den Gemeinderat – Wahlleiter Markus Stark (l.) zeigt einen Musterstimmzettel – kandidieren zwei Freie-Wähler-Gruppen: FWG (Platz 3) und FWO (Platz 7). Da die „alte“ FWO keinen Bürgermeisterkandidaten stellt, hält sich zumindest auf dem Wahlzettel zur Bürgermeisterwahl, den Rathaus-Mitarbeiterin Franziska Hainz hält, die Verwirrung in Grenzen. Die ersten Briefwahl-Unterlagen sind bereits verschickt, die Nachfrage ist groß. Bis spätestens 13. März können Wähler von der „Wahl dahoam“ Gebrauch machen.

Die „Alten“ und die „Organisierten“

Kommunalwahl 2020: Zwei Freie-Wähler-Listen in Otterfing - Das steckt dahinter

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So viel „Freiheit“ war noch nie in Otterfing: Gleich zwei Listen treten bei der Kommunalwahl unter dem Etikett „Freie Wähler“ an. Das steckt dahinter.

Otterfing – Zweimal Freie Wähler auf dem Gemeinderats-Stimmzettel – die 3709 wahlberechtigten Otterfinger müssen schon genau hinschauen, um die Unterschiede auszumachen. Diese Spaltung ist einmalig im Landkreis-Norden, korrespondiert aber mit der Situation im Landkreis. Auf der einen Seite stehen die „alten“ FW, die völlig unabhängig von jeder Parteistruktur weitermachen wollen, auf der anderen Seite die „organisierten“ FW, die Mitglied sind im Landesverband und sich mit der FW-Politik im Landtag identifizieren. In den anderen Nord-Gemeinden stehen die Freien Wähler entweder so oder so, aber jeweils geschlossen. Im Herbst 2019 kam’s zur Spaltung.

Zur Bürgermeisterwahl: Podiumsdiskussion in Otterfing: Erfrischende Unterschiede

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Als Ende September die letzten Bemühungen scheiterten, auf Landkreis-Ebene eine gemeinsame Freie-Wähler-Liste auf die Beine zu stellen und sich die Spaltung manifestierte (wir berichteten), kam auch bei den FW in Otterfing etwas ins Rutschen. Eine kleine Gruppe um Josef Killer versuchte vergeblich, die FW in Richtung Landesverband auszurichten. „Er wollte uns auf Parteilinie bringen“, sagt Zweite Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier, „das wollten wir aber gerade nicht“.

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Da ist sich Killer nicht so sicher. „Die Mitglieder der Freien Wähler sind diesbezüglich nie gefragt worden, wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Auf Killers Ambitionen, als Bürgermeister zu kandidieren, gingen die „alten“ FW nicht ein. „Ich wurde hinauskomplimentiert, man wollte mich nicht“, sagt Killer. Deswegen habe er darauf verzichtet, bei der Aufstellungsversammlung zu erscheinen und seinen Hut in den Ring zu werfen. Den angebotenen Platz auf der Gemeinderatsliste lehnte er ab: „Irgendwo hinten mitzulaufen, dazu hatte ich keine Lust.“

Schließlich vollzog Killer die Trennung. „Aus seiner Sicht clever“, räumt Stockmeier ein. Der 65-Jährige gründete im November mit einer Handvoll Getreuer die FWG, ließ die Gruppe als Verein eintragen und in den Landesverband aufnehmen, mit dem die alten FW nichts zu tun haben wollten. „Parteifrei bleibt unser Markenzeichen“, betont Stockmeier. Killer indes schätzt die überregionale Verankerung, „weil die FW mithelfen, eine politische Mitte zu bilden.“ Er selbst will als FWG-Kandidat Bürgermeister werden, Stockmeiers FWO dagegen greift nicht ins Rennen um den Chefposten ein. Wunschkandidat Stefan Burgmayr hatte abgewunken.

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Die Anbindung an den Dachverband der Freien Wähler beschert Killers FWG, obwohl erst frisch gegründet, die Ordnungszahl 3 auf den Otterfinger Wahlzetteln, hinter CSU und Grünen. „Ausschlaggebend für die Reihung sind die Ergebnisse der Landtagswahl“, sagt Wahlleiter Markus Stark. Die „alte“ FWO muss sich hinten anstellen, bekommt die letzte Kolumne. Dass es numerisch gar nur der Vorschlag Nr. 7 ist, liegt daran, dass die Ordnungszahlen 1 bis 6 für die bei der Landtagswahl vertreten Parteien reserviert sind. Da AfD und FDP in Otterfing nicht antreten, bleiben zwei Ränge unbesetzt.

„Ein Tohuwabohu“, weiß Stockmeier. „dem Wähler schwer zu vermitteln.“ Nach der Wahl werde die FWO versuchen, sich mit neuem Namen klar abzugrenzen. Killer hingegen will „für die Wiedervereinigung arbeiten“. Er hält es für möglich, die FW-Gruppen auf eine „gemeinsame Linie“ zusammenzuführen.

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