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Auf Otterfinger Fluren wird auch künftig kein Landschaftspflegeverband aktiv. Der Gemeinderat hat den Beitritt abgelehnt – als bislang einzige Kommune im Landkreis. In einigen ist der Beitritt allerdings noch umstritten.

Landschaftspflegeverband im Landkreis

Die Kleinste macht nicht mit

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Otterfing verweigert sich. Als bisher einzige Kommune lehnt die Gemeinde einen Beitritt zum geplanten Landschaftspflegeverband im Landkreis Miesbach ab.

Otterfing – Florian Busl mühte sich redlich. 20 Minuten warb der Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt am Dienstag im Gemeinderat für den Landschaftspflegeverband als „Chance für den Landkreis“. Doch es half nichts: Eine knappe Mehrheit im Gemeinderat (9:7) sieht keinen konkreten Vorteil in einer Mitgliedschaft, auch wenn diese mit 1700 Euro im Jahr nicht allzu teuer käme.

Das Landratsamt, dem Busl unterstellt ist, will dem neuen Verband seine bisher in Eigenregie betriebenen Landschaftsschutz-Aktivitäten anvertrauen. „Wir schaffen das einfach nicht mehr selber“, gestand Busl. Die hoheitlichen Aufgaben binden zu viel Arbeitskraft. Man konzentriere sich auf die „Kronjuwelen“ wie geschützte Moore oder das Taubenberggebiet, maximal 65 bis 70 Hektar. „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo nicht mehr geht“, sagte Busl.

Ein Landschaftspflegeverband soll in die Bresche springen. Gesteuert von einem Trägerverein greift ein Geschäftsführer staatliche Fördertöpfe ab, um als Dienstleister Biotope neu anzulegen oder zu pflegen, um zu beraten oder gar zu vermarkten. Engagiert werden dafür Profis. „In Bayern ein Erfolgsmodell seit 1985“, versicherte Busl. Zwei Drittel aller Flächen im Freistaat sind von solchen Landschaftspflegeverbänden abgedeckt.

Obwohl der Landkreis laut einem Finanzierungsmodell selbst rund 50 000 Euro jedes Jahr in den Verband einbringt – die Summe, die auch derzeit für Pflegeprojekte ausgegeben wird – sei der Verein „nicht der verlängerte Arm von Behörden“, stellte Busl klar. Je zu einem Drittel sollen Landwirtschaft, Kommunalpolitik und Naturschutzverbände über die Schwerpunkte bestimmen.

Tritt eine Gemeinde bei, zahlt sie jährlich 35 Cent je Einwohner. Im Fall Otterfings wären das rund 1700 Euro. Dafür dürfe die Gemeinde kostenlose Bewirtschaftung eigener Schutzflächen erwarten. Der Job des Geschäftsführers ist es, dafür Zuschüsse an Land zu ziehen. „Wir haben aber doch keine Moore, keine großen Biotope oder Seen“, skizzierte Robert Schüßlbauer (CSU) die Situation in der kleinsten Flächengemeinde des Landkreises (21,16 Quadratkilometer), „was bringt uns dieser Verband?“

Busl verwies auf die guten Böden in der Gemeinde; vielleicht könne man hier neue Biotope anlegen, unter Umständen ein Obstbaum-Projekt. „So was gibt’s doch längst bei uns“, sagte Georg Schlickenrieder (CSU). Ein rühriger Bund Naturschutz, dazu engagierte Grundbesitzer, hätten schon viele Projekte umgesetzt, „Und das kostenlos“, betonte Schlickenrieder.

Auch Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) erkennt keinen Mehrwert im neuen Verband, konnte sich im Gegenteil Seitenhiebe in Richtung Landratsamt nicht verkneifen. So höre man wenig von einem Landschaftsschutzgebiet im Hofoldinger Forst, das sich Otterfing wünscht, auch um den dortigen Lkw-Parkplatz zu verhindern. „So ein Verband könnte höchstens bei der Renaturierung der vielen Kiesgruben helfen, die das Landratsamt bei uns zulässt“, ergänzte er ironisch.

„Gerade weil Otterfing kaum Biotope hat, wäre so ein Verband für uns sinnvoll“, wandte Karl Einwanger (Grüne) ein, „da sind Profis am Werk.“ Es verstärke den Naturschutzgedanken, ergänzte Max Ruf (SPD), außerdem müsse man doch solidarisch sein im Landkreis.

Für Andreas Eichhorn (SPD) ist der neue Verband indes zu kompliziert konstruiert und zu weit weg von Otterfing: „Geben wir die 1700 Euro lieber unserem Bund Naturschutz.“

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