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Mais und gelbe Rüben als Mikro: Die Otterfinger Theater- und Kabarett-Gruppe Kraut und Ruam.

Kabarett 

Mit spitzer Zunge: Kraut und Ruam feiern Premiere mit neuem Programm

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Die Otterfinger Kabarett-Gruppe Kraut und Ruam nimmt in ihrem neuen Programm das Leben in Otterfing und der Region aufs Korn. Mit spitzer Zunge, aber nicht unter der Gürtellinie.

Otterfing – Sie kämpften mit widrigen Umständen und freuten sich umso mehr, als das begeisterte Premieren-Publikum den Abend mit viel Applaus quittierte. Die Otterfinger Theater- und Kabarett-Gruppe Kraut und Ruam überzeugte mit spitzen Pointen, viel Wortwitz und gezeigter Leidenschaft fürs Spielen. Weil sie lange im Vorfeld das Pfarrheim reservieren mussten, fiel der Abend ausgerechnet aufs Deutschland-Spiel bei der Fußball-WM, doch die Zuschauer nahmen es gelassen, zumal die Frauen einen Ergebnisservice ins Programm einflochten. Das größere Problem sollte sich einstellen, als die Festplatte am Laptop mitten unter einem Einspieler zu „Dahoam is dahoam“ durchbrannte. Doch mit Improvisationstalent organisierten die Techniker Ersatz und so war alles gerichtet für den großen Showdown mit „Rhabarber Rhabarber“.

Begonnen hatte der Abend mit sechs Frauen, die mit einem „Griaß Eich“ im Bademantel die Bühne stürmten, die Mäntel abstreiften, um mit dem Hefe-Lied Ursachenforschung angesichts von Speckröllchen und Doppelkinn zu betreiben. Ein gelungener Warm-Up mit den ersten Seitenhieben in Richtung Männer und Publikum, ehe sich die spielfreudigen Damen mit Anekdoten über ihren Probenalltag vorstellten, „damit ihr wisst, wer und was auf euch zukommt“.

Zuerst waren es die jungen Ruam, über die sich die etablierten Theaterspielerinnen vom Zeitign Kraut besonders freuten. In einem selbst verfassten Stück betrachteten sie das Leben in Otterfing aus Sicht der Jugend. Beim Auspacken von Umzugskisten in der ersten eigenen Wohnung, die so klein ist, dass man sich zum schlafen im Minibett aus Sicherheitsgründen mit einem Klettergeschirr sichern und zum Essen zum Mc Donald‘s gehen muss, was praktisch ist, weil es dort auch Toiletten gibt.

Trotzdem genießen die Mädels die so gewonnene Selbstständigkeit, weil ihnen die anderen Varianten um hier Wohnungsprobleme zu lösen nicht besser erscheinen; etwa jeden Tag vier Stunden einfach aus dem erschwinglichen Waldhüttelnbrunn zur Arbeit nach Holzkirchen zu pendeln oder mit der „BahnCard 100 Prozent I“ jede freie Minute im ICE zu verbringen, wo es immerhin Bordrestaurant und kostenloses W-Lan gibt. Und was ist sonst attraktiv für junge Leute? „Dorffest, Weinfest und Fasching. Sonst ist tote Hose.“

Es sind die Ereignisse am Ort, die Kraut und Ruam mit spitzer Zunge aber nie unterhalb der Gürtellinie ansprechen. Das Ehepaar, das in Holzkirchen gegen Kuhglocken und Landluft prozessiert, gibt ihnen ebenso eine Steilvorlage, wie der Kirchenglockenstreit in Weyarn oder die Breznduft-Emissionen im Tegernseer Tal. Und man wünschte, diese Dinge ließen sich im echten Leben so elegant regeln, wie im Theater, in dem das in seinen Vorstellungen vom Landleben so getäuschte Querulanten-Paar wieder in die Stadt zieht.

Das Highlight eines kurzweiligen Abends, an dem man den Frauen ihre Spielfreude anmerkt und an dem sie elegant alle technischen Pannen mit Humor überbrücken, ist der Blick auf den Gemeinderat. In Abendrobe und am Sekt nippend erscheinen sie zum „Bürgerdialog 2018“ und nehmen von der Feuerwehr, über Vollsortimenter, Dauersanierung der Wettlkamerstraße und Sportzentrum bis zur Nachzucht kranker Straßenrandbäume die aktuell diskutierten Themen aufs Korn. Am Ende beten die Frauen in Peggy Marchs „I will follow him“ für ihren Jacke (Bürgermeister Jakob Eglseder) zum Schutz vor Anfeindungen, einem Schattenkabinett, Parteifeinden – und Gemeinheiten von Kraut und Ruam.

Weitere Vorstellungen

sind geplant für Freitag und Samstag, 29. und 30. Juni, jeweils ab 20 Uhr im Pfarrheim.


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