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Das Urteil im Prozess um ein getötetes Baby ist gefallen. (Symbolbild)

Urteil verkündet

Mutter tötet ihr Baby: zehn Jahre Haft

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Fünf Schädelfrakturen, Brüche nahezu sämtlicher Extremitäten. Noch nie hatte der Vorsitzende Richter Thomas Bott eine derartige Misshandlung eines Babys gesehen. Als Täterin kam nur die Mutter (29) in Frage. Gestern wurde sie wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilt.

München – Zur Urteilsverkündung waren extra sechs Wachtmeister mit zusätzlicher Sanitätsausrüstung im Sitzungssaal erschienen. Die 29-Jährige hatte während den vergangenen Verhandlungstagen zur Hyperventilation geneigt. Gestern aber blieb sie ruhig. Vielleicht auch, weil eine neue Dolmetscherin alles langsamer übersetzte. Der mitangeklagte Freund (30) schüttelte mehrfach verneinend den Kopf. 

Das Schwurgericht hatte gegen ihn drei Jahre Haft wegen Unterlassens verhängt. Nach Ansicht des Gerichts hätte er umgehend den Rettungsdienst rufen und den eintreffenden Rettungssanitätern erklären müssen, was geschehen war. Doch stattdessen versteckte er sich im Keller der Asyl-Unterkunft in Otterfing.

Mutter: „Zehn Jahre trotz Unschuld“

Das kleine Mädchen, ein Frühchen, hatte einen holprigen Start ins Leben gehabt. Seine Mutter, die Angeklagte, brachte es auf der Toilette zur Welt und ließ es einfach liegen. Ein Sanitäter fand das Baby, im Schwabinger Klinikum wurde es aufgepäppelt. Doch die Kleine war kein Wunschkind. Die Mutter wollte neben ihren beiden Kleinkindern, die bei ihrem leiblichen Vater leben, kein drittes. Laut Richter Bott war es eine spontane Überforderung, welche die Mutter in der Tatnacht, im September 2018, zu der Misshandlung hinreißen ließ. Zwei Nächte hatte das Mädchen seit dem Klinikaufenthalt in der Asylunterkunft verbracht. In der dritten Nacht verlor die Mutter die Nerven.

Aufgrund der Verletzungen muss sie das Kind aus dem Bett gerissen, auf die Wickelkommode geknallt und ihm dann Faustschläge ins Gesicht versetzt haben. Bis zum Schluss leugnete sie die Vorwürfe. Und auch nach der Urteilsverkündung stand sie lamentierend im Sitzungssaal und jammerte lauthals: „Zehn Jahre trotz Unschuld.“ Irgendwann zog sie ein Wachtmeister unsanft in das Treppenhaus, wo sie weiter lauthals vor sich hinschimpfte.

Staatsanwältin hatte zwölf Jahre Haft gefordert

Für das Gericht allerdings kam niemand anderes als Täter in Frage. Insbesondere im so genannten Nachtat-Verhalten erkannten die Richter ein typisches Täter-Auftreten. Die Mutter hatte zunächst ihren Freund nicht ins Spiel gebracht, sich dann aber umentschieden und über seine Anwesenheit berichtet – vermutlich, um ihn als Alternativtäter „einzuwechseln“. Er wiederum hatte zunächst behauptet, in seiner Unterkunft gewesen zu sein und dann per Salami-Taktik, also scheibchenweise, zugegeben, dass er doch am Tatort zugegen war.

Er musste deshalb – wenn vielleicht auch zu spät – mitbekommen haben, mit welch’ roher Gewalt die Mutter gegen ihr eigenes Kind vorgegangen war. Doch er unterließ es, den Notruf zu wählen. Das Kind lebte noch etwa eine halbe Stunde mit den schweren Verletzungen und starb wohl in der Bewusstlosigkeit. 

Die Staatsanwältin hatte für die Mutter zwölf Jahre Haft gefordert, allerdings selbst resignierend festgestellt, dass ihre Forderung, egal wie sie hoch sie ausfallen würde, niemals den Tod eines kleinen Babys würde sühnen können.

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