Zum Test bereit standen die MVG-Räder 2019 bei einem Aktionstag der Stadtwerke München am Betriebshof in Thalham. Den Realeinsatz in Warngau hat der Gemeinderat nun abgelehnt.
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Zum Test bereit standen die MVG-Räder 2019 bei einem Aktionstag der Stadtwerke München am Betriebshof in Thalham. Den Realeinsatz in Otterfing hat der Gemeinderat nun eingeleitet.

Gemeinsames Pilotprojekt der Nordgemeinden

MVG-Mietrad: Auch Otterfing will es rollen lassen

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Otterfing ist dabei: Im Verbund mit anderen Nord-Kommunen und dem Landkreis will die Gemeinde in das MVG-Mietradsystem einsteigen. Die Leih- und Rückgabestation soll am Bahnhof stehen. Im Gemeinderat gab es nur eine Gegenstimme.

Otterfing - Ein Mietrad-System für Otterfing, ist dafür schon die Zeit gekommen? Wird diese neue Art von Mobilität angenommen, lassen sich damit wirklich Autofahrten ersetzen? Skeptisch näherten sich die Otterfinger Gemeinderäte dem Projekt MVG Rad, das die Nordgemeinden mit dem Landkreis ausrollen wollen. Schließlich votierte das Gremium fast geschlossen dafür, es auf einen Versuch im Verbund ankommen zu lassen. Dagegen stimmte nur Josef Killer (FWG): „Es gehört nicht zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde, sich als Radlverleiher zu betätigen.“

Wie schon im vorberatenden Bauausschuss stellte Bauamtsleiter Hubert Zellner klar, dass es zunächst darum gehe, „den Landkreis anzustupsen“, in das MVG Rad-System einzusteigen. Vorbild soll der Landkreis München sein, wo das Mietradsystem 2015 eingeführt wurde. Laut Zellner verzeichne man dort über 100 000 Ausleihen pro Monat, rund 125 000 Kunden hätten sich registriert. „Mieträder können eine wichtige Ergänzung für Bahn und Bus sein, um den letzten oder den ersten Kilometer anzuhängen“, glaubt Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD).

Zellner verwies besonders auf die Option, die Bahnhöfe Kreuzstraße oder Holzkirchen zu erreichen; auch innerörtliche Anbindungen etwa ins Gewerbegebiet seien denkbar. „Vielleicht beteiligt sich ja auch ein größerer Arbeitgeber.“

Gemeinde muss mit Defizit rechnen

Angedacht seitens der Gemeinde ist zunächst eine feste Station am Bahnhof für bis zu fünf Räder. Der Freistaat würde 80 Prozent bezahlen, Landkreis und Gemeinde je zehn Prozent. Otterfing müsste demnach mit rund 1200 Euro Anschubfinanzierung rechnen. Dazu kommt die Übernahme eines möglichen Betriebsdefizits, das sich im Landkreis München Kreis und Gemeinden teilen. Wie hoch das sein könnte, wollte Robert Schüßlbauer (CSU) wissen. Belastbare Zahlen gebe es nicht, sagte Zellner. „Besonders in der Einführungsphase werden wir immer mit einem Defizit zu rechnen haben“, sagte Falkenhahn.

Ulrike Stockmeier (FWO) gestand, dass bei ihr die erste Euphorie verflogen sei. „Was ist im Winter, da fährt doch niemand mit Radl?“ Mittlerweile werde ganzjährig geradelt, betonte der Bürgermeister. Doch auch Hubert Baldauf (Grüne) zweifelte. Würden die Radl am Schliersee oder am Tegernsee stehen, könne er sich eine touristische Nutzung vorstellen: „Aber ich glaube nicht, dass die Leihradl bei uns in Otterfing viele Autofahrten verhindern.“

Die Otterfinger wünschen sich, dass jetzt auch die Sauerlacher einsteigen

Hildegard Huil (Grüne) wünschte sich, dass auch die Nachbargemeinde Sauerlach, die bisher nicht ins MVG Rad-System eingestiegen ist, jetzt doch aufspringt. Falkenhahn will dafür werben: „Sie wären jetzt ja nicht mehr am Ende der Leitung.“ Die einzige Gegenstimme kam von Josef Killer (FWO): „Wenn der Landkreis das will, soll er’s auch alleine bezahlen.“ In Otterfing gebe es S-Bahn, Busse, das Anruf-Sammel-Taxi (AST): „Ich sehe keinen Bedarf für Leihräder.“

Neben Otterfing haben Holzkirchen, Weyarn und zuletzt Valley zugestimmt, im Kreistag die Einführung des MVG-Mietradsystems zu beantragen. Waakirchen und Warngau lehnten ab. Maria Dießl (CSU), Gemeinderätin in Otterfing und Kreisrätin, sieht gute Chancen, das Projekt ins Laufen zu bringen: „Ich erwarte im Kreistag große Zustimmung.“

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