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Besonderer Lebensraum: Der geplante Radweg entlang des Teufelsgraben-Bahndamms könnte ein Magerwiesen-Biotop stören. Das Landratsamt fordert ein Gutachten. 

Projekt im Teufelsgraben

Naturschutz bremst Radweg

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Im Sommer sollte Baubeginn sein. Überraschend muss der Teufelsgraben-Radweg aber vor einer Hürde bremsen: dem Naturschutz. Schuld sind Kreuzotter und Busch-Nelke.  

Holzkirchen/Otterfing Endlich, nach jahrelanger Vorplanung, schien Mitte März das Projekt eingetütet. Die Gemeinden Holzkirchen und Otterfing schickten sich an, neben dem Bahndamm einen 1,5 Kilometer langen Geh- und Radweg zu bauen – eine Direttissima über den Teufelsgraben, die beide Orte motorlos enger zusammenbindet. Pendler und Schüler ölten schon ihre Bikes. Die Gesamtkosten in Höhe von 600 000 Euro teilen sich die Gemeinden; der Freistaat sagte zu, den Weg mit etwa 220 000 Euro zu fördern.

Der Förderbescheid, so schien es, war die letzte zu nehmende Hürde (wir berichteten). Planer Attila Kárpáty und das Technische Bauamt im Holzkirchner Rathaus, das die Planung federführend betreut, bereiteten die Ausschreibungen vor. Doch dann hob der Naturschutz den Finger. Offenbar war es ein Bericht in dieser Zeitung, der die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt auf den Plan rief. „Das Landratsamt hat naturschutzfachliche Bedenken angemeldet“, bestätigt Pressesprecher Gerhard Brandl auf Anfrage.

Die fragliche Trasse quert zwar kein geschütztes Landschaftsschutz- oder gar Naturschutzgebiet, weswegen die Planer auch arglos zur Tat schritten. Allerdings wurde vor einigen Jahren just entlang dieses viel befahrenen Bahndamms ein schützenswertes Biotop kartiert.

Speziell um die stark gefährdete Busch-Nelke zu erhalten, hatte das Umweltministerium vor gut 15 Jahren ein Artenhilfsprojekt gefördert. In den Landkreisen München, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach wurden bestehende oder gar bedrohte Magerwiesen-Standorte identifiziert und deren Vernetzung ins Auge gefasst. „Bahnlinien mit ihren Dämmen bieten sich dafür ideal als Verbindungsachsen an“, heißt es dazu auf der Internet-Seite der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, die dem Umweltministerium zugeordnet ist. Entlang des Bahndamms von München bis nach Holzkirchen hatte es sogar Pflegemaßnahmen gegeben. Zusätzlich waren unweit des Teufelsgrabendamms auch Kreuzottern gesichtet worden, für die im Landkreis ebenfalls ein Artenhilfsprojekt läuft.

„Mit solchen Bedenken haben wir nicht gerechnet“, teilte der Sprecher des Holzkirchner Bauamts mit. Sofern kein Schutzgebiet betroffen ist, können Gemeinden nach Auskunft des Landratsamts grundsätzlich Geh- und Radwege bauen, ohne die Naturschutzbehörde einzuschalten.

Auf den aktuellen Hinweis müssen die Planer allerdings reagieren. „Das Landratsamt verlangt eine artenschutzrechtliche Prüfung“, teilte der Pressesprecher mit. Wie sich herausstellte, gab es eine ähnliche Prüfung bereits, als Vodafone auf der anderen Seite des Bahndamms vor einiger Zeit Kabel verlegte. Im Holzkirchner Rathaus will man prüfen, ob sich auf dieses Gutachten aufbauen lässt.

Der Baubeginn dürfte sich auf jeden Fall verzögern. „Ein paar Monate dauert so eine Prüfung immer“, glaubt Brandl. Unter Umständen muss der Wegebau mehr Rücksicht auf den Magerwiesen-Standort mit seinen seltenen Arten nehmen. Dass die Prüfung den neuen Weg komplett verhindert, ist denkbar, aber unwahrscheinlich.

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