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Reges Interesse: Etwa 100 Otterfinger verfolgten die Bürgerversammlung in der Schulaula.

Bürgerversammlung Otterfing

Ansturm auf die Mittagsbetreuung

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Sportzentrum, Kiesabbau, Supermarkt: Zwei Stunden lang erläuterte Rathauschef Jakob Eglseder in der Bürgerversammlung, welche Räder die Gemeinde derzeit dreht. Mit unerwarteter Brisanz war das Thema Kinderbetreuung gespickt. Und Eglseder teilte aus – gegen die Heckenschützen der Otterfinger Kommunalpolitik.

Otterfing – Sie tummeln sich in Internet-Foren, an Stammtischen und ergehen sich gerne in Verschwörungstheorien: Die heimlichen Kritikaster und ewigen Besserwisser. Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) nutzte die Bürgerversammlung am Donnerstag, um dagegenzuhalten. „Der Populismus ist bei uns angekommen“, stellte er fest. Es sei erstaunlich, welch aberwitzige Blüten die stille Post im Dorf treibe. „Es würde viel helfen, wenn nicht über mich geredet würde, sondern mit mir.“ Wütend loszupoltern sei wohl schöner als sich mit Sachargumenten auseinanderzusetzen. Zuletzt habe sich das Gerücht verbreitet, er bekomme von jedem Millionenauftrag der Gemeinde 50 Prozent Provision. „In welch’ irren Köpfen entsteht so etwas?“

Zur Sachpolitik der Gemeinde zählt die Kinderbetreuung – und hier gab es jüngst einen unerwarteten Engpass, der etliche betroffenen Eltern veranlasste, der Versammlung beizuwohnen. „Mit so vielen Anmeldungen für die Mittagsbetreuung haben wir nicht gerechnet“, gestand der Rathauschef.

114 Plätze bieten die Vereine Rappelkiste und Schwalbennest, nach den Anmeldungen schnellte der Bedarf auf 140 Plätze nach oben. „Wir finden eine Lösung“, sagte Eglseder zu. Etwa 20 Kinder könne man wohl im Haus für Kinder unterbringen, im ehemaligen Musik-Raum. Ulrike Stockmeier (FWG), Zweite Bürgermeisterin und stellvertretende Vorsitzende der Rappelkiste, preschte am Ende der Sitzung sogar vor: „Die Rappelkiste wird 20 zusätzliche Kinder betreuen können.“ Dabei sei man aber auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Wer seine ehrenamtlichen Stunden nicht leisten könne, müsse mehr zahlen. Sobald der Schulanbau fertig ist, kann die Rappelkiste dort das Souterrain beziehen. Das Platzproblem ist dann gelöst. „Es bleiben die Personalsorgen“, sagt Eglseder.

Die beiden privaten Mittagsbetreuungen, die staatliche Zuschüsse bekommen und von der Gemeinde mit je 8800 Euro jährlich unterstützt werden, ersparen dem Rathaus die Einrichtung von teuren Horten. Das Angebot von Rappelkiste und Schwalbennest dämpft bisher auch die Nachfrage nach Ganztages-Klassen an der Schule.

Bei der Kita-Betreuung denkt die Gemeinde darüber nach, das Haus für Kinder mit derzeit 88 Kindergarten- und 25 Krippenkindern einem privaten Träger anzuvertrauen. „Der bürokratische Aufwand und die Fachbetreuung übersteigen langsam unsere Möglichkeiten“, betonte Eglseder. Drei Interessenten zeigten Interessen an der Übernahme und präsentierten Ende März ihr Konzept, auch vor Kindergartenleitung und Elternbeirat. Das Personal sorge sich im Falle eines neuen Trägers um Altersbezüge und Gehaltshöhe, sagte Eglseder, „da werden wir genau darauf schauen“. Ob ein Träger ausgesucht wird und wer es dann wird, soll der Gemeinderat am 25. April entscheiden.

Zusätzliches Personal ist im Haus für Kinder vorerst nicht vonnöten. Zwar kommt im Herbst eine dritte Krippengruppe dazu, dafür kann laut Eglseder die vierte Kindergartengruppe aufgelöst werden.

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