Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus
+
Eingespieltes Team: Petra Krüger, Leiterin im Otterfinger Haus für Kinder, und ihre 15 Kolleginnen hoffen, dass sie den Trägerwechsel im Herbst nicht mit beruflichen und finanziellen Verschlechterungen bezahlen müssen. 

Gemeinde gibt Trägerschaft ab

AWO übernimmt Haus für Kinder

  • schließen

Die Gemeinde Otterfing gibt ihre Kinderbetreuung ab: Das Haus für Kinder wird ab 1. September von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Oberbayern übernommen. Das Rathaus verspricht sich davon bürokratische Entlastung und bessere Personalbetreuung. Der Beschluss, die Trägerschaft abzugeben, war im Gemeinderat umstritten.

Otterfing – Was im Jahr 1993 mit zwei Gruppen begann, hat sich 24 Jahre später zu einer großen Kita ausgewachsen: Das Haus für Kinder in der Otterfinger Schulstraße betreut aktuell vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen, derzeit 113 Kinder. Ab Herbst wird es wohl eine Krippengruppe mehr geben, dafür kann eine Kindergartengruppe aufgelöst werden.

Die entscheidende Neuerung im September ist aber eine andere: Eine 12:5-Mehrheit des Gemeinderats beschloss am Dienstag, die Trägerschaft an den AWO-Bezirksverband Oberbayern abzugeben und sich damit komplett aus der Organisation von Kinderbetreuung zurückzuziehen. Die 16 Angestellten müssen sich auf einen neuen Arbeitgeber einstellen.

Der Wunsch, einen privaten Träger zu suchen, kam aus der Gemeindeverwaltung. Der bürokratische Aufwand für Abrechnungen, Zuschüsse und Personalschlüssel, dazu immer komplexere rechtliche Sachverhalte und wachsende Ansprüche an die pädagogische Fachkompetenz, „das übersteigt mittlerweile die Kapazitäten der Gemeindeverwaltung“, fasste Peter Kirschenhofer, der die gemeindliche Kasse verwaltet, in der Sitzung zusammen. Seitens der Verwaltung sehe man „dringenden Bedarf“, die Kita abzugeben. „Der Verwaltungsaufwand ist gigantisch“, bestätigte Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU).

Ulrike Stockmeier (FWG) verwies auf die pädagogische Kompetenz, die ein neuer Träger einbringe. „Das können wir als Gemeinde nicht leisten.“ Es gehe um Qualitätsverbesserung, „von der alle was haben“, betonte Max Ruf (SPD). Die Kinder, die Gemeinde, die Eltern – und die Betreuer, die von einem fachlich spezialisierten Management und professioneller Personalführung profitieren würden. „Wir bekommen Profis.“ Hubert Baldauf (Grüne) sieht als Vorteil, dass ein größerer Fachträger leichter personellen Ersatz organisieren kann, sollte in Otterfing ein Betreuer ausfallen.

Robert Schüßlbauer (CSU) sprach sich gegen die Vergabe aus. Er schlug vor, selbst im Rathaus eine Kinderbetreuungs-Fachkraft in Teilzeit anzustellen. „So könnten wir Know-how aufbauen, das wir auch im Umgang mit anderen Kitas gut brauchen könnten.“ Dem schlossen sich Susanne Weitl, Georg Schlickenrieder und Ferdinand Höchstetter (alle CSU) an. So eine Teilzeitstelle sei kaum zu bekommen, wandte der Bürgermeister ein.

Dennoch war auch Andreas Eichhorn (SPD) dagegen, den Kindergarten aus der Hand zu geben. „Wir geben unnötig Handlungsspielräume preis.“ Er schlug vor, fachliche Kompetenz über eine Kooperation mit der Nachbargemeinde Holzkirchen einzukaufen. „Die haben aber keine Kapazitäten frei“, wusste Eglseder.

Die Grundsatzentscheidung, einen Träger zu suchen, fiel in öffentlicher Sitzung. Die AWO setzte sich in geheimer Abstimmung durch – gegen zwei Mitbewerber, die es in die engere Wahl geschafft hatten: „Denkmit!“-Kinderbetreuungseinrichtungen vom Ammersee und die „FortSchritt“ GmbH aus Niederpöcking.

Bei den Übergabe-Verhandlungen mit der AWO will die Gemeinde Otterfing darauf achten, dass die Beschäftigten alle arbeitsrechtlichen Vorteile des öffentlichen Dienstes mitnehmen. 

Trotzdem sei die Belegschaft verunsichert, wie Kita-Leiterin Petra Krüger auf Anfrage berichtet: „Alle sind nachdenklich.“ Das Team arbeite gut zusammen, der Kern kenne sich schon lange. Krüger hofft, dass die berufliche „Besitzstandswahrung“ nicht zeitlich befristet wird, sondern dauerhaft gültig bleibt. „Denn die meisten von uns haben schon bewusst bei einem Gemeinde-Kindergarten angefangen, nicht bei einem freien Träger.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Großeinsatz am Seehamer See: 83-Jähriger spurlos verschwunden
Eine große Vermisstensuche läuft aktuell am Seehamer See. Ein Großaufgebot von Polizei, Wasserwacht und Feuerwehr suchen einen 83-Jährigen am Seehamer See. So sieht er …
Großeinsatz am Seehamer See: 83-Jähriger spurlos verschwunden
Weyarn sagt ja zu Radwegkonzept der ATS
Die ATS arbeitet an einem landkreisweiten Radwegkonzept mit einheitlichen Schildern. Auch die Gemeinde Weyarn macht mit. Eine direkte Verbindung nach Miesbach wäre …
Weyarn sagt ja zu Radwegkonzept der ATS
Tieferlegung B318: Baustelle läuft voll - mit Folgen
Bei der Tieferlegung der B318 bei Oberwarngau gibt es Probleme: Das Wasser läuft nicht ab - und die Baustelle voll. Das hat schwerwiegende Folgen für Bauzeit und Kosten. 
Tieferlegung B318: Baustelle läuft voll - mit Folgen
Nachbar will Kühe von Weide klagen - die Hintergründe
Diesmal geht es nicht nur um Glocken, sondern auch um angebliche Tierquälerei – und um Kuhfladen: Der Kläger spricht nicht mit uns. Doch Bäuerin Killer kann einiges …
Nachbar will Kühe von Weide klagen - die Hintergründe

Kommentare