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Sind mittlerweile eine Familie:  Karin Grasser vom BRK (l.), Franz Unterhuber und Monika Gschwendtner-Müller, die regelmäßig vorbeikommt. 

Ein Jahr Initiative „Wir schaun vorbei“

„Wir freuen uns jedes Mal, wenn sie kommt“

Seit einem Jahr unterstützt die Initiative „Wir schaun vorbei“ Menschen in verschiedensten Lebenssituationen. Ein Besuch bei einem Otterfinger Ehepaar.

Otterfing – Ohne Frühstück gehe bei ihr gar nichts, sagt Elfriede Unterhuber. Daher hatte sie auch schon ihren Morgenkaffee. Ihren Gästen brüht sie dennoch gerne neuen Kaffee auf. Ihr Mann Franz sitzt unterdessen am Esstisch und verfolgt still die Gespräche. Obwohl er nicht viel spricht ist er dennoch mitten im Geschehen und meldet sich immer wieder zu Wort. Dass er dies kann, hat er auch Monika Gschwendtner-Müller zu verdanken.

Denn die Holzkirchnerin kommt regelmäßig bei den Unterhubers in Otterfing vorbei, um mit dem 81-jährigen „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen oder zur Physiotherapie zu fahren. Unterhuber benötigt seit einem Treppensturz Unterstützung, um mit solchen Tätigkeiten Wahrnehmung und Denken zu schulen. Gschwendtner-Müller ist eine von derzeit rund 20 freiwilligen Helfern, die sich der Initiative „wir schaun vorbei“ angeschlossen haben.

Seit gut einem Jahr gibt es diese Aktion, die durch die Gemeinden Holzkirchen und Otterfing angeregt wurde. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) koordiniert seitdem die Vermittlung von Helfern und Hilfsbedürftigen. „Wir hatten die Vermutung, dass es viele Leute gibt, die einsam sind und Hilfe bei alltäglichen Sachen brauchen“, erinnert sich Robert Kießling, Geschäftsführer des BRK im Landkreis Miesbach. Dabei gehe es nicht um Fälle, wo ein Pflegedienst nötig ist. Sondern um „absolut niedrigschwellige Unterstützung bei vielen Situationen des alltäglichen Lebens“, betont Kießling.

Wir schaun vorbei: Helfer müssen passen

Das betreffe nicht nur Senioren wie die Unterhubers. Auch für jüngere Menschen könnte es Bedarf an einer solchen Hilfe geben, etwa für schwangere Frauen. Karin Grasser ist beim BRK für die Vermittlung von Helfern zuständig. „Wenn wir einen Anruf bekommen, dass Hilfsbedarf besteht, mache ich den Erstbesuch bei den Menschen und schaue, was nötig ist“, erzählt Grasser. Dann sucht sie aus der Liste der Helfer jemanden aus, der aus ihrer Sicht am besten passt. Dabei verlässt sich Grasser, die die Seniorentagesbetreuung beim BRK in Miesbach leitet, auch auf ihr Bauchgefühl.

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Bei den Unterhubers lag sie damit offenbar genau richtig. „Die Monika gehört zur Familie“, versichert Elfriede Unterhuber und lässt keinen Zweifel daran, dass sie voll hinter dieser Aussage steht. Auch ihr Mann merkt an, dass an der Monika gar nichts fehle. Weil sie so lustig ist, sagen die beiden Unterhubers immer wieder. Und Gschwendtner-Müller stimmt lachend zu.

Wir schaun vorbei: Initiative könnte ausgebaut werden

Den Helfern auf Grassers Liste stehen derzeit rund 10 „Einsätze“ gegenüber, bei denen erfolgreich Unterstützung vermittelt wurde. Wenn das Projekt in Holzkirchen und Otterfing gut weiterläuft, berichtet BRK-Geschäftsführer Kießling, könne man sich vorstellen, es weiter auszubauen. Davor aber sei es nötig, dass noch mehr Menschen sagen, „wir probieren es“, wenn sie Hilfe benötigen. Das scheitere oft daran, dass sich viele Menschen schämen oder Angst haben, fremde Menschen ins Haus zu lassen. Das BRK begleite aber jeden Einsatz ganz genau, betont Grasser. „Es kommt nicht irgendwer vorbei“, sagt sie. Kießling ergänzt, dass sich bei „wir schaun vorbei“ niemand langfristig zu irgendetwas verpflichtet.

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Und Elfriede Unterhuber rät allen, die vor der Entscheidung stehen, sich Hilfe zu holen: „Man muss die Angst überwinden und es einmal versuchen“. So wie die Unterhubers selbst. Franz Unterhuber nimmt Müller-Gschwendtner in den Arm. „Wir freuen uns jedes Mal, wenn die Monika kommt“, sagen er und seine Frau überzeugt. Und es dauert nicht lange, bis die drei gemeinsam in ein fröhliches Lachen einstimmen.

Andreas Wolkenstein

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