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Die Baulücken am Ortsrand will die Gemeinde Otterfing schließen. Der dörfliche Charakter soll aber beibehalten werden.

Markweg in Otterfing

Wie dicht soll Nachverdichtung sein?

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Ja zur Nachverdichtung, aber nicht um jeden Preis. Östlich des Bahnhofs will Otterfing im Bereich Markweg/Adalbert-Stifter-Ring bestehende Baulücken schließen. Einen ersten Entwurf muss der Architekt Michael Zach aber noch an einigen Stellen nachbessern.

Otterfing – Die Landeshauptstadt München strahlt weit in den Landkreis hinein, der Siedlungsdruck steigt vor allem in Gemeinden mit S-Bahn-Anschluss. Doch Bauplätze sind rar, auch in Otterfing. Die Gemeinde will im Bereich Markweg/Adalbert-Stifter-Ring, östlich der Bahnlinie, deshalb nachverdichten. Um eine ungeordnete Entwicklung zu verhindern, stellt sie einen neuen Bebauungsplan auf. Im Gemeinderat präsentierte der Otterfinger Architekt Michael Zach jetzt den Planvorentwurf, wie der Bereich am Ortsrand künftig aussehen könnte.

Das Areal biete durch die heterogene Bebauung, also die Mischung aus dichten und weniger dichten Bereichen, ein sehr großes Potenzial für Nachverdichtung. Das will er in seinem Plan vor allem im Bereich des inneren Markwegs ausnutzen. Dort seien mehrstöckige Mehrfamilienhäuser möglich. Platz für mögliche viele Wohnungen will er schaffen, indem er die nötigen Stellplätze bei den größeren Häusern in Tiefgaragen unter die Erde verlegt. 

Maximale Nachverdichtung: Gemeinderäte zwiegespalten

Im Adalbert-Stifter-Ring wiederum soll die Struktur aus Einfamilien- und Doppelhäusern beibehalten werden – auch in zweiter Reihe unmittelbar am Ortsende. So will Zach dem Spannungsfeld zwischen Bahnhof und Ortsrand Rechnung tragen.

Ganz gelungen ist ihm das laut Ansicht der Gemeinderäte allerdings nicht. Susanne Weitl (CSU) regte eine maßvollere Nachverdichtung an: „Das ist dann kein Ortsteil mehr, sondern ein Stadtteil.“ Das sei ihr zu viel. Ihr Fraktionskollege Robert Schüßlbauer war zwiegespalten. Dass im südlichen Teil des Markwegs viel gebaut werde sei okay, im nördlichen sei der Plan aber zu massiv. „Diese Art der Verdichtung ist mir zu viel.“

Straße wird verbreitert: Sorge vor Rennstrecke

Gegen eine Maximalbebauung sprach sich auch Max Ruf (SPD) aus: „Unser Dorf soll schöner werden, nicht höher, größer, breiter.“ Außerdem störte er sich an der breiteren Straße, die laut Zachs Plan inklusive schmalem Fußgängerstreifen künftig 6,50 Meter betragen soll. „Das ist eine Rennstrecke.“ Er forderte einen klaren Bordstein für Fußgänger. Laut Bürgermeister Jakob Eglseder ist aber ein flacher Weg, eine sogenannte Homburger Kante, vorgesehen, wie es sie beispielsweise im Pitzarweg gibt.

Der scheidende Rathauschef wiederum vermisste Spielplätze, die bei der baulichen Weiterentwicklung auf rund 30 Grundstücken zwingend nötig sind. Diesem Einwand schloss sich Andreas Eichhorn (SPD) an. Dann sollten wir lieber etwas kleiner bauen.“ Lob für die Planung gab es von den Grünen. „Es ist vom Prinzip gut, dass man nicht nur Einfamilien- und Doppelhäuser plant, sondern größer“, sagte Hubert Baldauf. Schließlich höre man nur noch „Wohnraum, Wohnraum, Wohnraum“. Die Frage, ob dieser dann auch bezahlbar sei, stellte zweite Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier (FWG). „Der Plan verlockt Investoren optimalst zuzubauen.“ Damit habe sie ein Problem.

Architekt bemängelt: Zu wenig Luft für Planer

Architekt Zach versuchte, den Räten die Sorgen zu nehmen. Die eingezeichneten Baugrenzen zeigten nur, was möglich sei, müssten aber nicht ausgereizt werden. In Otterfing seien die Bebauungspläne meist so eng, dass sie Planern keine Luft für Kreativität ließen, dem wolle er entgegenwirken. Beim Thema bezahlbarem Wohnraum sinke der Preis mit dem größeren Angebot, denkbar sei auch, dass sich Eigentümergemeinschaften für den Bau eines Mehrfamilienhauses finden.

Der Gemeinderat stimmte Zachs Entwurf schlussendlich einstimmig zu. Allerdings unter der Maßgabe, dass er im nördlichen Bereich des inneren Markwegs die Bebauung reduziert und zum Ortsrand hin auf eine dörfliche Struktur achtet.

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