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Preisgekröntes Projekt: Die Gemeinde Schechen eröffnete 2019 ihr Seniorenwohnhaus (hier ein Modell). Das L-Gebäude fasst 16 Wohnungen, davor gibt es einen Gemeinschaftssaal. Eine Otterfinger Delegation besichtigte jüngst das Vorzeigeobjekt.

Gemeinderat weicht Beschluss von 2019 auf

Wohnen für Alt – und jetzt auch für Jung

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Kommando zurück: Die Thomawiese ist nicht mehr die einzige Standortoption für das Senioren-Projekt. Der Gemeinderat weichte den Beschluss von 2019 wieder auf. Zudem soll der Neubau jetzt ausdrücklich auch Jüngeren günstigen Wohnraum verschaffen. Wo und was genau geplant wird, dazu sollen die Bürger befragt werden.

Otterfing War es die Angst vor der eigenen Courage? Vor sechs Monaten beschloss der Gemeinderat einstimmig, für das seit Jahren angedachte Senioren-Wohnprojekt einen Teil der zentral gelegenen, gemeindeeigenen Thomawiese zur Verfügung zu stellen. Dieses klare Bekenntnis gibt es nicht mehr. Nach der Debatte am Dienstag ist die Thomawiese nur noch eine Option. Klar wurde außerdem, dass nicht mehr nur die Zielgruppe Senioren bedient wird. Von den 25 angedachten, „bezahlbaren“ Wohnungen sollen etwa zehn an jüngere Otterfinger vergeben werden. Beschlossen wurde einstimmig, das Projekt „Älter werden in Otterfing“ in den Arbeitstitel „Wohnen in Otterfing“ aufzuweiten. „Von Senioren ist nicht mehr viel übrig“, stellte Gerhard Heimerer (CSU) fest.

Ausgangspunkt der Diskussion war ein kurzer Vortrag von Sabine Wenng, die im Auftrag des bayerischen Familienministeriums die „Koordinationsstelle „Wohnen im Alter“ leitet. Die Gemeinde kann kostenlos auf ihre Expertise zurückgreifen. Das angedachte Projekt könne als reine Senioren-Hausgemeinschaft oder als Mehrgenerationen-Haus funktionieren, sagte Wenng. Als „Königsklasse“ sei ein Quartierkonzept mit einem fest angestellten Kümmerer denkbar. „Die leisten wertvolle Arbeit und wären Ansprechpartner für alle Senioren der Gemeinde“, sagte Wenng.

Zielgruppe auf junge Leute erweitern

Eine sehr teure Variante, fand Max Ruf (SPD). Er plädierte dafür, junge Leute als Zielgruppe mit ins Auge zu fassen. „Der Bedarf ist da“, bestätigte Thomas Hogger (Grüne), „es gibt Familien, die wegziehen müssen.“ Manfried Doll vom Arbeitskreis Soziales wies aber auch darauf hin, dass sich bei einer Umfrage 2011 rund 30 Senioren meldeten, die konkretes Interesse an Wohnraum zeigten, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. „Der Bedarf dürfte gewachsen sein.“

Zu entscheiden ist, wer überhaupt als Bauherr auftritt. Ruf und Hogger tendierten dazu, das Grundstück über Erbpacht einer Genossenschaft zu überlassen, mit den Zielvorgaben der Gemeinde. Bürgermeister Eglseder verwies auf attraktive Finanzierungsoptionen, wenn die Gemeinde in Eigenregie baut. Bei einer Info-Fahrt zum Senioren-Projekt der Gemeinde Schechen habe sich gezeigt, wie gut das funktionieren könne. 30 Prozent der Kosten für Bau und Grundstück übernehme der Staat, der für den Rest ein zinsloses Darlehen anbiete. „Es wäre eine Finanzierung ohne Risiko, und wir bleiben Herr der Dinge.“ Das Schechen-Projekt kostete 4,4 Millionen Euro.

Standortfrage wieder offen

Die Standortfrage sieht Michael Falkenhahn (SPD) wieder offen: „Wir wissen ja nicht, wie groß das wird.“ Auch für Hogger ist die Thomawiese keine zwingende Option mehr. Wie Rathaus-Geschäftsleiter Markus Stark mitteilte, machen zudem einige Anlieger der Thomawiese mobil gegen die Baupläne. Sie wünschen sich, dass die Wiese möglichst frei bleibt. „Nehmen wir zur Kenntnis“, sagte Eglseder. Robert Schüßlbauer (CSU) gab zu bedenken, dass „wir nicht über viele geeignete Grundstücke in zentraler Lage verfügen können“. Im Gespräch war ehedem die „Penny-Wiese“ südlich des Discounters, die der Gemeinde nicht gehört, auf der jedoch der Bau seniorengerechter Wohnungen und ein Supermarkt (Vollsortimenter) denkbar wäre. In der Sitzung war diese Variante kein Thema.

Jetzt haben erst einmal die Bürger das Wort. Mit Unterstützung der Koordinierungsstelle ist eine Veranstaltung mit verschiedenen Thementischen geplant, um abzuklopfen, was genau die Bürger wollen, welche Konzepte sie bevorzugen und wo sie den Neubau gerne hätten. Ob eine breiter angelegte Fragebogen-Aktion nachgeschaltet wird, will die Gemeinde nach dem Treffen entscheiden.

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