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Bier aus Otterfing: Andreas Erfurt (r.) und Roland Müller (l.) haben vor einem Jahr die Craftbier-Brauerei Brewheart gegründet. Firmensitz ist ein geräumiger und wohltemperierter Lagerkeller am Nordring. 

Craftbier-Spezialisten wollen online durchstarten

Mini-Brauerei setzt auf Dosen: Genuss aus kleinem Fass

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Craft-Biere sind anders. Man trinkt sie nicht, man genießt sie. Eine junge Otterfinger Mini-Brauerei will diesen Trend anzapfen: „Brewheart“ setzt  auf eine starke Marke, auf Online-Versand –und auf Dosenbier.

OtterfingEin großer Lagerkeller, der stabile Kühle schafft: Das ist die Brewheart-Zentrale am Otterfinger Nordring. Die Firmengründer Andreas Erfurt (51) und Roland Müller (48) sind zufällig im Ort gelandet. Erfurt wohnt in Wolfratshausen, Müller in Rosenheim. „Otterfing liegt mitten drin, das passt wunderbar“, sagt Erfurt.

Die Freunde kennen sich seit 15 Jahren. Erfurt arbeitete 20 Jahre bei Microsoft im Marketing und Vertrieb, ehe ihn Anfang 2018 die Unternehmerlust packte. „Ich brauchte Tapetenwechsel, wollte mal riskieren, was ganz anderes zu machen.“

Schon etliche Jahre hatte er sich hobbymäßig als Bierbrauer betätigt. „Das hat nicht schlecht geschmeckt.“ Anfang 2018 verfestigte sich die Idee, daraus eine größere Nummer zu machen. Die Brewheart GmbH startete, Müller stieg als Gesellschafter ein. Der Familienvater ist Geschäftsführer einer Firma, die Brennöfen herstellt. Mit Bier verbindet ihn familiäre Tradition: „Mein Vater war Biergroßhändler.“

Das Erweckungserlebnis fand in den USA statt

Das Duo legte aus Ersparnissen einen sechsstelligen Betrag zusammen und beschloss, das Unternehmen professionell aufzuziehen. Erfurt kreiert die Rezepte, besorgt den Vertrieb und fungiert als Geschäftsführer; Müller bringt unternehmerisches Know-how ein und packt an, wo’s nötig ist.

„Bier hat mir früher nicht geschmeckt“, bekennt Erfurt. Das Erweckungserlebnis kam bei Besuchen in den USA, wo Craftbiere schon länger den Markt aufmischen. Dieser Spirit, ein Geschmackserlebnis zu brauen, trägt auch Brewheart. „Wir sind Quereinsteiger“, räumt Erfurt ein, „haben aber ausgebildete Brauer an unserer Seite.“ Gebraut wird einmal im Monat in einer Anlage bei Gundelfingen, die zur Camba-Brauerei gehört. 2000 Liter bringt jeder Sud. Verwendet werden nur feinste Zutaten. „Hopfen ist bei uns Geschmacksträger, kein Bitterstoff“, sagt Erfurt. Fünf Sorten sind aktuell im Angebot, wie bei Craftbieren üblich tragen sie peppige Namen wie Juicy Liu (fruchtig), Hazy-/DC (trüb), Hazyri (IPA), Hopeye (dunkles IPA) und Hop Sing (malzig).

Die ersten Monate am Markt brachten Ernüchterung. Nur wenige Gaststätten sprangen an, in Getränkemärkten sind die Newcomer großer Konkurrenz ausgesetzt. „Aber bei der Online-Präsenz und beim Online-Vertrieb, da gibt’s sonst nicht viel“, sagt Erfurt. In dieser Nische will Brewheart wachsen.

„Wir haben ein Produkt, das man erklären muss“ 

 Und hier kommt die Dose ins Spiel, die in Bayern und Deutschland nicht den besten Leumund hat. „Wir müssen uns viel Kritik anhören“, sagt Erfurt. Ja, Aluminium sei bei der Herstellung eine Belastung für die Umwelt. „Aber über 90 Prozent des Dosen-Alus wird recycelt“, sagt Erfurt. Rechne man den Transportaufwand in die CO2-Bilanz mit ein, stehe die Dose besser da als die Flasche. Im Online-Vertrieb seien Dosen zudem einfacher zu verschicken. Und: Der Geschmack lasse sich gut konservieren. „Die Büchse ist im Prinzip ein kleines Fass“, sagt Müller.

Gut ein Jahr läuft das Geschäft. „Es wird“, sagt Erfurt. Man habe lernen müssen, nicht nur im Internet und auf Social Media einen hippen Auftritt hinzulegen, „sondern auch auf Messen Netzwerke zu knüpfen“. Fünf Dosen für 20 Euro, das ist nicht jedermanns Sache. „Wir wissen, wir haben ein Produkt, das man erklären muss“, sagt Erfurt, „wir kämpfen gegen das Billig-Dosen-Image.“

Helfen sollen dabei das schnörkellose Logo und eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert. Die Farben der Etiketten sind nicht zufällig gewählt. Sie erinnern, wie Müller leidenschaftlich betont, an das Faible des Duos für amerikanische Straßenkreuzer. „Das ist die Farbpalette, die Chrysler in den 70er Jahren im Angebote hatte.“

Hier lesen Sie weitere Berichte über neu gegründete Brauereien im Landkreis Miesbach. 

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