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Bitte Abstand halten: Kunden bedient die Otterfinger Apothekerin Andrea Koch (m.) über eine Klappe neben der Tür. Gewartet wird hinter der Bank. Wer Hilfe braucht im Corona-Alltag, dem helfen Manfried Doll (l.) vom AK Soziales und Rosi Dümlein (r.), Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe.

Viele Hilfsangebote

Otterfing und Corona: Die Bürger halten Abstand - und zusammen

  • Andreas Höger
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Infizierte schmachten in Quarantäne, Hilfsangebote werden koordiniert, Schule funktioniert via Internet: Otterfing hat in den Corona-Modus geschaltet. In der Krise zeigt sich: Otterfing hält zusammen.

Otterfing Covid 19 ist schon länger da. Anfang März schnappten einige ältere Schüler das Coronavirus im Skilager in Südtirol auf und trugen es ungewollt nach Otterfing. „Es gibt im Ort nachgewiesene Fälle, die behandelt werden“, sagt Manfried Doll, Leiter des Arbeitskreises (AK) Soziales.

Umso wichtiger sei es, den öffentlichen Raum zu meiden. Sollten ältere Mitbürger oder Familien Hilfe brauchen bei der Bewältigung der Isolation, können sie die bewährte Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen, die Rosi Dümlein koordiniert. Tatsächlich gingen bereits sechs Anfragen ein, sagt Doll. „Aber nur von älteren Leuten, die ihrerseits anderen helfen wollen.“ Hilfsgesuche gab es bisher nicht.

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Lebensmittel: Einige Geschäfte bieten Lieferservice an

Was die Versorgung mit Lebensmittel betrifft, so bieten Geschäfte, etwa der Obst- und Gemüsehändler Brieger oder die Metzgerei Haslauer, Lieferdienste bis zur Haustür an; das gleiche gilt für das „Bella Punjabi“ in der Bahnhofstraße.

Für den kleineren Hunger halten Metzgereien und Bäckereien Speisen zum Mitnehmen bereit. Tatsächlich dürfte der Bedarf größer sein, da viele Pendler ins Home-Office verlegten. „Sieht man am leeren Bahnhofs-Parkplatz“, sagt Doll. Die Gaststätte Baumann wolle aber wohl schließen, da Gäste ausbleiben.

Ganz gut eingespielt hat sich laut dem AK-Vorsitzenden die Regel, kleine Läden nur einzeln zu betreten und draußen zu warten. Apothekerin Andrea Koch bedient über die Klappe an der Tür, gewartet wird hinter einer Sitzbank. „Die Leute haben das hervorragend angenommen und zeigen viel Verständnis“, lobt die Apothekerin. 

Ärzte sollten erst telefonisch kontaktiert werden. „Wartezimmer sind keine geeigneten Räume mehr“, betont Doll. 

Im Rathaus tagt täglich ein Krisenstab

Alle Spiel- und Sportanlagen und der Schulhof sind gesperrt. Die Kirche St. Georg bleibt tagsüber geöffnet, Gottesdienste finden aber nicht statt.

Im Rathaus tagt seit Montag täglich ein Krisentisch, der die neuesten Informationen und Anordnungen von Landratsamt und anderer Behörden auswertet, umsetzt und weiterleitet.

Die Otterfinger Schule ist geschlossen. In einem Notbetrieb betreuen Lehrer nur drei Kinder, deren Eltern als Ärzte gefordert sind. Ansonsten funktioniert der Unterricht über das „digitale Klassenzimmer“ – und das sehr gut, wie Schulleiterin Inge Weber berichtet. Es zahle sich jetzt aus, dass bereits Erstklässler an das Arbeiten mit Lernplattformen herangeführt werden.

Schule via Internet: Sogar Sportunterricht funktioniert online

Täglich bekommen die Kinder von ihren Lehrern über Lern-Apps und Mails Aufgaben in den einzelnen Fächern zugesandt. Die Kinder sind damit, je nach Jahrgangsstufe, bis zu zwei Stunden beschäftigt. Die Kontrolle der Aufgaben obliegt den Eltern, die dafür ein Lösungsblatt gemailt bekommen.

„Unser Lehrerteam ist in der täglichen Aufgabenerstellung sehr kreativ“, sagt Weber, „auch Kunst und Sport fehlen da nicht.“ So wurde eine Challenge „Federballspielen“ ausgerufen. „Das haben die Kinder sehr motiviert erledigt“, lobt die Schulleiterin.

Das Otterfinger Projekt „Digitales Klassenzimmer“ war vom Freistaat Ende 2018 mit rund 19 000 Euro gefördert worden. Und auch die Gemeinde hatte in die Tasche gegriffen. „Beim Schulhausanbau 2017 haben wir einen Computerraum mit Terminalserver sowie Beamer und Tablets für jede Klasse berücksichtigt“, sagt Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU). Eine Investition, die sich jetzt auszahle.

Trotz aller Einschränkungen: Otterfing scheint sich mit dem „C-Fall“ arrangiert zu haben. „Es gehört zu den Eigenheiten der Gemeinde, dass immer dann, wenn Bedarf oder Not entsteht, sich eine große Hilfsbereitschaft der Bürger und Vereine entfaltet“, sagt Doll, „insofern sind wir gut aufgestellt.“

Ansprechpartner für Hilfe im Corona-Alltag

Bedürftige können sich als erste Kontaktstelle an die Otterfinger Nachbarschaftshilfe wenden (Telefon 0 80 24 / 92 426). Informationen zu weiteren Angeboten erteilen der gemeindliche Seniorenbeauftragte Joachim Tübcke (Telefon 0 80 24 / 47 42 827) oder der AK Soziales (Telefon 0 80 24 / 48 99 61).

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