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DHL will eine neue Packstation in Otterfing in Betrieb nehmen.

Gemischte Gefühle im Gemeinderat

DHL eröffnet Packstation am Penny: Selbstbedienung am gelben Schrank

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Pakete abholen und abgeben rund um die Uhr: Packstationen sind in Städten allgegenwärtig, jetzt erobern die gelben Kästen auch die Dörfer. Die Post-Tochter DHL wird in Otterfing am Penny-Markt eine solche Station aufstellen. Der Gemeinderat sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einige Räte fürchten um den Fortbestand der Post-Filiale.

Otterfing – Die Paketberge, die früher den Tagen vor Weihnachten vorbehalten waren, tragen Postboten und Paketdienste heute tagtäglich in die Häuser. Nicht erst seit Corona wird via Internet bestellt – und oft auch als Retoure zurückgeschickt. Wer tagsüber aushäusig ist und sich nicht nach Öffnungszeiten von Präsenz-Filialen richten will, der bedient sich gerne der allzeit nutzbaren Packstationen.

Die DHL, Europas Marktführer unter den Paketdiensten, eröffnete diese Woche in Rostock die 6000. Packstation in Deutschland. Eine der nächsten wird in Otterfing landen: Wie Rathaus-Geschäftsführer Markus Stark am Dienstag im Gemeinderat ankündigte, soll die Anlage am Penny-Markt entstehen. Nicht auf dem Parkplatz, sondern an der Stirnseite des Gebäudes (an der Hauptstraße) neben dem Fahrradständer.

Baurechtlich haben die Rathäuser keine Handhabe

Geplant sind laut Stark drei Doppelmodule, die insgesamt drei Meter breit sind. Schon Ende Juni hatte die DHL den Plan im Rathaus hinterlegt, dann aber wieder zurückgezogen, weil man Bauarbeiten am Penny-Markt abwarten wollte. Ende September informierte die DHL über den aktuellen Plan.

Schon im Sommer hatte die Packstation im Gremium keine Begeisterungsstürme ausgelöst – so auch am Dienstag. „Das bedeutet eine Schwächung unserer Postfiliale“, sagte Georg Schlickenrieder (CSU), „wenn möglich, sollten wir solche Bestrebungen im Keim ersticken.“ Doch eine Handhabe, die Schließfach-Wand zu verhindern, hat die Gemeinde nicht. „Baurechtlich ist die Aufstellung verfahrensfrei“, erklärte Stark. Die DHL sei aber daran interessiert, die Packstation im Einvernehmen mit der Gemeinde zu eröffnen. Das Unternehmen habe betont, so Stark, dass die Filiale in der Bahnhofstraße erhalten bleibe. Die Packstation am Penny sei nur als „weitere Anlaufstelle“ für Paketkunden gedacht, die es nicht schaffen, die Filiale zu deren Öffnungszeiten zu erreichen.

Marcel Hoffmann, Betreiber der Filiale, sieht in der Packstation sehr wohl eine gefährliche Konkurrenz. Er rechnet mit deutlich weniger Paket-Provisionen und kündigte an, als Post-Partner auszusteigen, „wenn ich am Ende nur draufzahle“ (wir berichteten).

Gemeinderäte pochen auf Erhalt der Präsenzfiliale

Viele Gemeinderäte teilen seine Befürchtungen. „Ohne Einfluss auf sein Geschäft wird die Packstation sicher nicht bleiben“, glaubt Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD). „Das ist der Anfang vom Ende“, fürchtete sogar Gerhard Heimerer (CSU). Er würde lieber sehen, dass die DHL in die Ausweitung der Filial-Öffnungszeiten investiert.

„Die Otterfinger Filiale muss erhalten bleiben“, fand auch Stefan Burgmayr (FWO). Doch er verwies darauf, dass Packstation-Kunden eine ganz andere Klientel sei, „die würden wohl kaum in eine Filiale kommen“. Ulrike Stockmeier (FWO) warnte davor, das Vorhaben scharf abzulehnen, wie es Georg Schlickenrieder vorschlug. „Das wäre keine bürgerfreundliche Aussage des Gemeinderats, schließlich gibt es Otterfinger, die so eine Station zu schätzen wissen“, sagte Stockmeier.

Auf Vorschlag Robert Schüßlbauers (CSU) beschloss das Gremium in seiner Stellungnahme, auf den Erhalt einer Post-Filiale im Ort zu bestehen und die Errichtung der Packstation „zur Kenntnis zu nehmen“ – anstatt sie abzulehnen oder ihr zuzustimmen. „Warum fragt uns die DHL überhaupt, wenn wir sowieso nichts ändern können“, wunderte sich Susanne Weitl (CSU). Mit Schlickenrieder stimmte sie gegen den Mehrheits-Beschluss.

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