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Otterfing: Drei Millionen Euro aus der Sparbüchse

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Von: Andreas Höger

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Teuer, aber zukunftssichernd: 2021 investierte Otterfing trotz angespannter Finanzlage unter anderem in einen dritten Trinkwasserbrunnen.
Teuer, aber zukunftssichernd: 2021 investierte Otterfing trotz angespannter Finanzlage unter anderem in einen dritten Trinkwasserbrunnen. © Gemeinde Otterfing

Die Gewerbesteuer um die Hälfte eingebrochen, eine hohe Kreisumlage überwiesen: Das Jahr 2021 war finanziell kein leichtes für die Gemeinde Otterfing. Der Kämmerer zog jetzt Bilanz.

Otterfing – Die Gewerbesteuer um die Hälfte eingebrochen, eine hohe Kreisumlage überwiesen – und doch einige Investitionen gestemmt. „Das Haushaltsjahr 2021 war eines der schwierigsten der letzten 20 Jahre“, stellte Otterfings Kämmerer Peter Kirschenhofer fest. Es kam zwar nicht gar so schlimm wie befürchtet, Doch die Rücklage der Gemeinde ist um drei Millionen Euro geschrumpft.

Ein Unglück kommt selten allein. 2021 erwischte es den Otterfinger Haushalt knüppeldick. Der Wegzug eines großen Gewerbesteuerzahlers traf zusammen mit Gewerbesteuer-Minderzahlungen örtlicher Unternehmen, verursacht durch die Corona-Pandemie. Dazu bedingte die Steuerkraft von 2019, als die Gewerbesteuer noch doppelt so reichlich sprudelte, eine historisch hohe Kreisumlage. Da die Gemeinde gleichzeitig auch bei wichtigen Investitionen, etwa bei der Wasserversorgung, nicht mehr zuwarten wollte, musste Kämmerer Peter Kirschenhofer wie geplant die Sparbüchse öffnen, wie er jetzt dem Gemeinderat zum Jahresschluss erläuterte.

„Die Situation ist angespannt“, betonte Kirschenhofer, von einer finanziellen Schieflage könne aber nicht die Rede sein. Zwischendurch im Jahr habe es zwar „bei den Steuereinnahmen mal ganz duster ausgesehen“, wie auch Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) andeutete. Doch mittlerweile haben sich die Steuerzuflüsse so eingependelt, dass rund 175 000 Euro mehr in den Rücklagen bleiben können als geplant. Trotzdem: Von den 5,5 Millionen Euro in der Sparbüchse sind nur noch 2,5 Millionen übrig.

Bei den Corona-Effekten hilft der Freistaat, der laut Kirschenhofer etwa die Hälfte der Gewerbesteuer-Mindereinnahmen ausgleicht. Nur 1,4 Millionen Euro hat die Gemeinde heuer von Unternehmen eingenommen – im Jahr 2019 waren es noch über drei Millionen gewesen. „An diesem Rekordjahr hatten wir heuer zu knabbern“, sagt Kirschenhofer. Denn die Kreisumlage an den Landkreis Miesbach errechnet sich aus der Steuerkraft des vorvergangenen Jahres und erreicht damit ausgerechnet in dem Jahr eine Rekordhöhe, das von einbrechender Gewerbesteuer gebeutelt ist. Ein Trost: Die Otterfinger Bürger verdienten 2021 gut, der Anteil an der Einkommenssteuer blieb konstant bei 3,9 Millionen Euro.

Trotz der wackelnden Einnahmen habe die Gemeinde heuer einige Investitionen geschultert, betonte Kirschenhofer. Der Ausbau der Wasserversorgung (dritter Brunnen, Leitung nach Wettlkam) verschlang gut 1,5 Millionen Euro; besonders ärgerlich waren der Wasserschaden in der Schulturnhalle (650 000 Euro) sowie zwei Nachzahlungen längst abgeschlossener Maßnahmen: 150 000 Euro für die Erschließung der Hienlohestraße (Gewerbegebiet) und 380 000 Euro „Ablösebetrag“ für die beiden neuen Bahnbrücken. Für die Feuerwehr gab die Gemeinde heuer gut 340 000 Euro aus, davon entfallen 285 000 Euro auf das neue Löschfahrzeug TLF 3000.

Mithelfen mussten zwei neue Kredite, die der Kämmerer aber zu sehr günstigem Zins abschloss; zum Teil zahlt die Gemeinde sogar weniger zurück als sie bekommt. Projektbezogen für die Turnhallen-Sanierung und den Ausbau der Wasserversorgung rief der Kämmerer bisher 1,6 Millionen Euro aus diesen Kreditlinien ab.

Kirschenhofer sieht die Gemeinde trotz allem finanziell gut aufgestellt, um weiter handlungsfähig zu blieben: „Die heuer und in den Folgejahren zu tätigenden Investitionen sind unumgänglich. um einen Investitionsstau zu vermeiden.“

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