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Geldbörsen-Verlust vor Gericht

Erst war er dankbar, dann ging er zur Polizei

Ehrlicher Finder oder hinterhältiger Betrüger? Mit dieser Frage musste sich jetzt das Amtsgericht Miesbach auseinandersetzen. Die Antwort: Wohl eher Ersteres.

Otterfing/Miesbach – Wer seinen Geldbeutel samt Bargeld, Bankkarten, Ausweis und Führerschein verliert, ist froh, wenn es einen ehrlichen Finder gibt, der einem die verlorenen Wertgegenstände zurückgibt. Dieses Glück hatte ein 42-jähriger Otterfinger. Denn ein 19 Jahre alter Mann – ebenfalls aus Otterfing – fand immerhin Papiere und Bankkarten – wenn auch nicht den Geldbeutel und das Bargeld – und übergab sie dem zunächst glücklichen Mann. Als der aber bemerkte, dass auf seinem Konto eine Abbuchung vom Otterfinger Penny-Markt über 160 Euro stattgefunden hat, kam er ins Grübeln – und erstattete Anzeige. Die hat er zwar zurückgenommen, der 19-Jährige wurde dennoch wegen Diebstahls und Betrugs angeklagt. Heuer im Januar soll der 19-Jährige mit der EC-Karte des 42-Jährigen ein Play-Station-Spiel und Wertkarten für das Play Station Network gekauft haben.

Vor Gericht wehrte sich der junge Mann nun gegen die Vorwürfe. Er habe Karten und Papiere an der Ausfahrt des Supermarktes gefunden, im Internet seine Telefonnummer rausgesucht und ihm seine Sachen vorbeigebracht. Zu seiner Verteidigung erklärte der Angeklagte auch, „dass es bei Penny gar keine Play-Station-Spiele gibt“.

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Bei der Übergabe der Wertsachen hatte der 42-Jährige dem 23 Jahre jüngeren Mann einen Finderlohn angeboten. „Er wollte aber nichts dafür haben“, sagte der Bestohlene vor Gericht. Ob der 19-Jährige einen Finderlohn ausschlug, weil er so das Aushändigen der Fundsachen für selbstverständlich hält, oder weil er doch ein schlechtes Gewissen bekam, blieb unklar. Pikant ist allerdings, dass der junge Mann bereits zwei Eintragungen im Bundeszentralregister vorzuweisen hat – beide wegen Diebstahls.

Der Verteidiger des Angeklagten, Maximilian Matt, hielt die Beweislage aber für zu „undurchsichtig“. Hätte sein Mandant die Bankkarten und Papiere nicht abgegeben, „wäre er gar nicht in Erscheinung getreten und würde heute nicht hier sitzen“. Die Mutter des Angeklagten, die in besagtem Penny-Markt arbeitet, hätte womöglich zur Aufklärung des Falls beitragen können, machte aber von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Richter Klaus-Jürgen Schmid sowie die Staatsanwaltschaft waren wohl nicht vollständig von der Unschuld des 19-Jährigen überzeugt, konnten ihm die Tat aber nicht lückenlos nachweisen. Am Ende kamen die Parteien überein, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 500 Euro einzustellen. Damit konnte der Angeklagte leben.

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