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Trommeln verbindet: Eine interkulturelle Gruppe aus Einheimischen und Flüchtlingen kommt in Otterfing regelmäßig zum Jammen zusammen. Derzeit wohnen 63 Geflüchtete in der Gemeinde, die meisten davon im Pitzarweg. 

63 Geflüchtete sind aktuell in der Gemeinde untergebracht  

Flüchtlinge haben Arbeit, finden aber keine Wohnung 

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Otterfing gehört zu den Gemeinden, die im Landkreis die meisten Flüchtlinge beherbergen: 53 Plätze in zwei Unterkünften sind belegt. Meist funktioniere das Zusammenleben gut, sagen die Helfer. Der Bürgermeister stellt jedoch klar: Mehr darf es nicht werden.

Otterfing Plötzlich ist neuer Druck entstanden. Als jüngst die großen Flüchtlings-Wohncontainer in Miesbach und Holzkirchen verschwanden, erweckte das den Anschein, als würden keine Unterkünfte mehr gebraucht. Weit gefehlt: Der Landkreis bekommt wieder mehr Geflüchtete zugewiesen. Eine Entwicklung, die selbst den Integrationsbeauftragten des Landkreises, Max Niedermeier, überraschte. Die Folge: Das Landratsamt sucht stärker denn je nach Unterkünften.

Aktuell stehen im ganzen Landkreis 532 Plätze zur Verfügung, 53 davon in Otterfing. Die Gemeinde im Norden deckt damit zehn Prozent ab, mehr quotenrelevante Flüchtlinge wohnen nur noch in Hausham (83) und Weyarn (55). „Unsere Quote ist mit fast 300 Prozent übererfüllt“, stellt Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) fest.

Im Pitzarweg musste die Männer jetzt noch enger zusammenrücken

Das Gros der Geflüchteten wohnt in einem Haus am Pitzarweg, derzeit sind es 44 Männer. Wie das Landratsamt mitteilt, läuft der Mietvertrag noch mindestens bis 2026, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Die kürzlich erfolgte Übernahme der 15 „Holzkirchner“ habe das Haus fast restlos gefüllt, sagt Manfred Lenzer (64), Sprecher des Otterfinger Helferkreises. „Sie mussten noch mehr zusammenrücken.“

Wie überall, wo speziell junge Männer eng aufeinander wohnen, gehe es nicht immer konfliktfrei zu. „Die Mentalitäten sind verschieden“, betont Lenzer. Die einen halten mehr Ordnung und Sauberkeit als andere. Manchmal sei es Nachbarn zu laut, aber größere Probleme gebe es dort nicht.

Etwas anders sieht es in der kleineren Unterkunft in der Birkenstraße aus, wo sechs Männer in einem Obergeschoss untergebracht sind. Dort fühlt sich eine darunter wohnende, alleinerziehende Mutter nicht mehr wohl, beklagt Vandalismus, Vermüllung und Belästigungen. Das Landratsamt hingegen spricht von einem „äußerst ruhigen Objekt“. Lenzer will dazu nicht viel sagen. „Es wird da bald ein klärendes Gespräch geben.“

46 Flüchtlinge gehen bereits einer Arbeit nach

Grundsätzlich sei ein „friedliches Miteinander der Nationen“ festzustellen, sagt Sabine Maier von der Flüchtlings- und Integrationsberatung „Hilfe von Mensch zu Mensch“, die ihr Büro direkt im Gebäude hat. Zu verdanken sei das nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Flüchtlingsberatung. Laut Lenzer sind aktuell noch etwa sechs Helfer aktiv, weitere sechs unterstützen im Hintergrund: „Das hat sich gut eingespielt.“

Betreut werden insgesamt 63 Flüchtlinge aus zehn Nationen. Eine Familie aus Syrien und acht junge Männer (WG) haben in Otterfing bereits eine eigene Wohnung gefunden. Wie Maier mitteilt, verfügen 27 Personen über eine Anerkennung, 28 Männer befinden sich im Asyl- oder Klageverfahren, acht Flüchtlinge sind abgelehnt.

Die Integrations-Bilanz könne sich sehen lassen, betont Sabine Maier. 51 der Otterfinger Flüchtlinge dürfen offiziell einer Arbeit nachgehen, 46 tun das auch; sechs davon sind in Ausbildung oder haben eine solche abgeschlossen. „Das sind natürlich alles keine hoch bezahlten Jobs“, sagt Lenzer, „aber sie gehen ihren Weg.“

Das Problem: Die meisten Anerkannten sitzen als Fehlbeleger noch immer im alten Quartier, weil sie keine eigene Wohnung finden. „Dabei müssten sie da raus, vielleicht in eine Wohngemeinschaft“, sagt Lenzer. „Wohnraum suchen wir dringend“, bestätigt Betreuerin Maier.

Für gelebte Integration sorgen gemeinsame Feste und Unternehmungen, wie Maier berichtet. Einige Flüchtlinge sind in Sportvereinen aktiv, die interkulturelle Trommelgruppe „Jant Bi“ trifft sich regelmäßig. „Wer Kontakt sucht, ist willkommen“, sagt die Betreuerin. Sehr willkommen sind Ehrenamtliche, die Deutsch-Nachhilfe anbieten, und gespendete Fahrräder, damit die Flüchtlinge halbwegs mobil sind. „Ich helfe oft beim Reparieren“, sagt Lenzer, „aber manchmal sind die Dinger einfach hinüber.“

Kontakt: Flüchtlingsberaterin Sabine Maier ist unter 01 75 / 41 25 534 erreichbar, Manfred Lenzer unter 0 80 24 / 21 12.

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