Eins für jede Gemeinde: Die vier Windräder in den einzelnen Gemeinden sollen alle nah an der Autobahn (gelb) aufgestellt werden. Das Dreieck im Nordosten Otterfings entspricht dem Vorranggebiet Windkraft des Regionalplans für die Region Oberland.
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Eins für jede Gemeinde: Die vier Windräder in den einzelnen Gemeinden sollen alle nah an der Autobahn (gelb) aufgestellt werden. Das Dreieck im Nordosten Otterfings entspricht dem Vorranggebiet Windkraft des Regionalplans für die Region Oberland.

Vier Anlagen sind geplant

Windräder im Hofoldinger Forst: Im Frühjahr fällt die Entscheidung

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Die Entscheidung rückt näher: Entschließt sich die Arge Windenergie Hofoldinger Forst, vier große Rotoren in den Wald zu setzen? Noch stehen die Ergebnisse der Windmessungen und der artenschutzrechtlichen Prüfung aus. Erste Erkenntnisse daraus sowie die Resonanz auf die Bürgerdialoge in den Mitgliedsgemeinden deuten darauf hin, dass sich bald Großes dreht an der A 8.

Otterfing – Vier Windräder mit stolzen Höhen von 240 Metern, je eins auf dem Gebiet der Gemeinden Otterfing, Sauerlach, Aying und Brunnthal: Die Arge Windenergie Hofoldinger Forst, bestehend aus den vier Gemeinden und den beiden Landkreisen München und Miesbach, nähert sich dem Grundsatzbeschluss, den Sprung zu wagen. Die vier Windkraftanlagen, deren Bau nach ersten Schätzungen rund 25 Millionen Euro kostet, sollen als Bürger-Projekt angelegt sein: 30 Prozent des Investments, das geplante Eigenkapital, können Bürger und Kommunen beisteuern – und auf Renditen hoffen.

Unklar war, ob die Bevölkerung eher mitzieht, motiviert von der Energiewende und attraktiver Beteiligungsrenditen, oder ob sich Widerstände formieren angesichts der sehr hohen Windräder. Mittlerweile haben in allen vier Gemeinden Bürgerdialoge stattgefunden, coronabedingt via Internet. „Ich habe bei unserer Präsentation keine Anti-Haltung seitens der Bürger gespürt“, sagt Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD). Die im Online-Chat gestellten Fragen hätten eher darauf hingedeutet, dass viele darauf warten, sich am Projekt beteiligen zu können. „Vielleicht liegt’s daran, dass wir mit der Fotovoltaik-Anlage auf dem Schuldach gute Erfahrungen mit Bürgerbeteiligungsprojekten gemacht haben.“

Windkraft-Gegner halten sich (noch?) zurück

Auch in Brunnthal, wo Windkraft-Gegner vor einem Jahr lautstark gegen das Vorhaben protestiert hatten, war die Online-Präsentation ohne viel Gegenwind verlaufen. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) traut dem Frieden aber nicht: „Ich rechne nach wie vor mit heftigem Widerstand vor Ort“, sagte er jetzt im Umweltausschuss des Landkreises München. Es sei noch viel Überzeugungsarbeit nötig.

Aktuell laufen zwei wichtige Voruntersuchungen. Die artenschutzrechtliche Prüfung ist aufwendig: Zur Beobachtung von Großvögeln und Fledermäusen baute ein Fachbüro zwei Hebebühnen, mit Einsicht über das ganze Waldgebiet, und registrierte an 18 Tagen jeweils sechs Stunden lang jede Flugbewegung. Rotmilan und Wespenbussard seien gesichtet worden, berichtet Kristina Willkomm vom Planungsbüro Sing, das im Auftrag der Arge das Projekt technisch betreut. Aber ein Horst, sprich ein Brutvorkommen, wurde nicht entdeckt. „Entscheidend ist, ob durch ein Windrad das Tötungsrisiko für eine Art signifikant erhöht wird“, erklärt Willkomm. Untersucht wird auch die Tierwelt auf dem Boden.

„Ein Windrad darf nur gebaut werden, wenn dies im Einklang mit Natur- und Artenschutz möglich ist“, betont die Planerin. Hätten die Gutachter im Sommer diesbezüglich brisante Funde gemacht, wäre das ganze Projekt vorsorglich angehalten worden, sagt Willkomm. „Es schaut bisher also gut aus.“ Spätestens im November soll das Gutachten mit verbindlichen Aussagen vorliegen.

Moderne Windräder versprechen Erträge auch in Schwachwind-Regionen

Das zweite Gutachten, auf das die Arge gespannt wartet, betrifft die Wirtschaftlichkeitsprognose. „Die bisherigen Windmessungen machen Hoffnung“, lässt Willkomm durchblicken. Dazu kommt, dass die garantierte EEG-Einspeisevergütung für Südbayern attraktive acht Cent je Kilowattstunde verspricht und dass die moderne Anlagentechnik gute Ernten auch in Schwachwindgebieten ermöglicht.

Im Januar soll es dazu belastbare Zahlen geben. Auf deren Basis entscheidet die Arge im ersten Quartal 2021, ob das Vier-Rotoren-Projekt im Hofoldinger Forst tatsächlich anläuft. Dem Einstieg ins Genehmigungsverfahren müssten auch die Gremien der Mitgliedsgemeinden und der Landkreise zustimmen.

Wie das federführende Landratsamt München mitteilt, investierte die Arge bis dato 275 000 Euro in Gutachten, Voruntersuchungen und Planungshonorar (Stand August). Die Kosten für Windmessung und Standortsicherung teilen sich die Landkreise Miesbach und München im Verhältnis 1:3. Für weitere Planungskosten gilt, dass die Gemeinden je zehn Prozent tragen, der Landkreis München 45 Prozent und der Landkreis Miesbach 15 Prozent. Demnach zahlte der Landkreis München bisher 170 000, der Landkreis Miesbach 56 000 und die Gemeinden jeweils 12 500 Euro.

Informationen aus dem Otterfinger Windkraft-Bürgerdialog lesen Sie hier.

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