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Nächster Halt Otterfing: Eine große Ausstellung präsentierten die Eisenbahnfreunde München Südost bei ihrer Jubiläumsfeier in der Schulaula. Auch andere Vereine waren gekommen.

40 Jahre Eisenbahnfreunde Südost

Eine kleine Welt feiert Geburtstag

Otterfing - Der Bahnhof Kreuzstraße, Lokomotiven und Sand aus den Emiraten: All das war am Wochenende in der Otterfinger Schulaula zu sehen. Dort feierten die Eisenbahnfreunde München-Südost ihr 40-jähriges Bestehen.

Der Vorsitzende nimmt es genau. Haargenau. Eine Lokomotive will nicht so fahren, wie es sich Johannes Freund vorstellt. Da hilft nur eins: Schraubenzieher auspacken. „Es gibt immer etwas zu tun. So richtig fertig ist man nie“, erklärt er – und schraubt. Oft sind es nur kleine Details, die Außenstehende gar nicht bemerken. Freund schon. Er zeigt auf einen Baum, der am Rande eines Wäldchens steht. „Der sieht aus wie vom Borkenkäfer geschädigt“, meint er. „Da muss noch mit Meerschaum dran gearbeitet werden, an den dürren Ästen.“ Erneuert hat er kurz davor auch die Oberleitungen. Denn für den großen Moment sollte die älteste und aus den 1980er Jahren stammende Modelleisenbahnanlage – der Stolz seines Vereins – in prächtigem Zustand präsentiert werden. 

Genau das haben die Eisenbahnfreunde München Südost, die heuer 40-jähriges Bestehen feiern, jetzt bei ihrer Jubiläumsfeier in der Otterfinger Schulaula auch gemacht. Rund 500 Besucher waren gekommen, um die Ausstellung zu bewundern. Ehrgeiz, die Liebe zum Detail und zur Geschichte der Eisenbahn waren es am 17. September 1976, die neun Freunde zur Gründung des Vereins veranlassten. Im ehemaligen Bahnhof Perlach richteten sie ihr erstes Vereinsheim ein. Hier hatten sie Platz für eine Werkstatt, in der ihre erste Anlage mit einem Betriebswerk, einer Nebenbahn und dem Modell einer Holzfabrik entstand. Aufgebaut wurde sie in der ehemaligen Schalterhalle und dem Warteraum. Bis 1984 durften die Eisenbahnfreunde dort ihrem Hobby nachgehen. „Dann kündigte uns die Bahn. Ein anderer Mieter war finanzkräftiger, zahlte mehr“, erinnert sich Freund. 

Der Verein stand vor dem Aus, aber aufgeben wollte keiner. So wurde überlegt, einen von der Bahn gekauften alten Postwagen zum Vereinsheim umzubauen. Da kam 1985 das Angebot, die Räume im Erdgeschoss des Otterfinger Bahnhofs zu mieten. Die Eisenbahnfreunde griffen zu – und seitdem ist Otterfing der Sitz des Vereins. Mehr Platz war fortan vorhanden, und so entwickelten die Mitglieder lauter schöne Ideen für eine neue, größere Anlage. Es sollte auch einen Bezug zum neuen Standort und zur Region geben. So wurde der Bahnhof Kreuzstraße das Herzstück und Namensgeber der Anlage. Hier verkehren nun zwei Nahverkehrszüge sowie ein Güterzug und eine von Hand gesteuerte S-Bahn. „Wir entschieden uns damals dafür, die Anlage nicht in einem Stück zu fertigen, sondern in verschiedenen Modulen“, erklärt Freund. „Damit wollten wir Vorsorge treffen, falls uns wieder gekündigt würde. So hätten wir jederzeit die Anlage ohne große Probleme an einem neuen Standort aufbauen können.“ 

Diese Idee entpuppte sich im Verlauf der Jahre noch als weiterer Vorteil. Denn so können die Eisenbahnfreunde ihre Anlage auch bei Ausstellungen anderer Vereine präsentieren. Auch den Otterfinger Bahnhof haben die Eisenbahnfreunde nachgebaut. „Da gibt es keine Baupläne. Wir haben den Bahnhof selbst vermessen und dann in Handarbeit maßstabgerecht selbst gebaut“, sagt Freund. Fast alles ist in Handarbeit entstanden, selbst die Bäume und Wäldchen entlang der Strecke. Kiesflächen wie am Otterfinger Bahnhof bestehen aus Sand. „Den habe ich einmal aus einem Urlaub in den Emiraten mitgebracht“, verrät Freund. 

Aber nicht nur die Arbeit der Otterfinger Eisenbahnfreunde konnten die Besucher am Wochenende bestaunen. Die Straßenbahnfreunde München präsentierten alte Fahrzeuge aus München. Ferner waren die Eisenbahnfreunde Chiemgau, der Modellclub Poing sowie die Hohenbrunner Eisenbahnfreunde München-Land vor Ort. Zudem war eine ganz spezielle Anlage der Baugröße Z in der Jubiläumsschau zu sehen. Und wer sein Hobby außerhalb eines Vereins pflegen will, konnte bei den verschiedenen Fachhändlern Züge, Waggons und Lokomotiven sowie Zubehör und Bausätze kaufen und so ganz nebenbei Erfahrungen austauschen und sich wertvolle Tipps geben lassen.

Siegfried Niedergesäss

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