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Auch der Verlierer hat sein Lachen nicht verloren: Michael Falkenhahn (r.) bekommt einen coronatauglichen Ellenbogen-Glückwunsch vom unterlegenen Rober t Schüßlbauer.

Michael Falkenhahn gewinnt gegen Robert Schüßlbauer

195 Stimmen geben den Ausschlag: SPD-Kandidat erobert das Rathaus Otterfing

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Die Sensation ist perfekt: Michael Falkenhahn (SPD) hat das Otterfinger Rathaus erobert – und das am Ende sogar vergleichsweise deutlich: 53,44 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen bei der gestrigen Stichwahl um das Bürgermeisteramt auf den 53-jährigen IT-Projektleiter.

Otterfing – Sonntagabend, 29. März 2020, Zeitenwende in Otterfing? Fest steht: Die SPD stellt, nach 18-jähriger Amtszeit von Jakob Eglseder (CSU), wieder den Otterfinger Rathauschef – wie schon von 1992 bis 2002, als Hans Schaal die Verantwortung getragen hatte. Michael Falkenhahn holte 195 Stimmen mehr als sein CSU-Mitbewerber Robert Schüßlbauer - mehr als eine kleine Überraschung.

„Mich ehrt das Vertrauen der Otterfinger“, sagte der Wahlsieger, „ich freue mich richtig auf diesen Job.“ Spätestens nach dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen, als Falkenhahn bereits 26 Stimmen vor seinem Rivalen lag, habe er gespürt, dass die Überraschung glücken könnte. „Da wussten wir, da geht was“, sagte der frischgebackene Rathauschef.

Knackpunkt war vielleicht die Podiumsdiskussion

Knackpunkt im Wahlkampf war für den 53-Jährigen die Podiumsdiskussion des Holzkirchner Merkur. „Ab diesem Abend hatten mich viele Otterfinger als echte Alternative auf der Rechnung“, glaubt Falkenhahn, dem eins wichtig ist: „Der Wahlkampf war absolut fair und nie unter der Gürtellinie.“

Einer der ersten Gratulanten war Robert Schüßlbauer. „Für mich hat’s halt nicht gereicht“, sagte der 44-Jährige, „ist schade, weil wir als CSU-Team bis zuletzt gekämpft haben. Aber davon geht die Welt jetzt nicht unter.“ 

Auch Schüßlbauer ahnte nach dem ersten Wahlgang, dass es schwer werden würde – zumal die Grünen eine klare Empfehlung für Falkenhahn ausgaben. „Leider gab es keine andere Gruppierung, die mich unterstützt hat“, stellt er fest. In 18 Jahren als Gemeinderat habe man sich nicht immer nur Freunde gemacht, manche kämen vielleicht mit seiner Art nicht zurecht.

Schüßlbauer bietet dem neuen Rathauschef seine Zusammenarbeit an

„Oder vielleicht wollten die Otterfinger nach 18 Jahren CSU-Bürgermeister einfach mal was anderes?“, fragt sich der CSU-Bewerber. Seine Loyalität zu Jakob Eglseder habe er im Wahlkampf aber nie aufgegeben. Mit der CSU, die mit sechs Sitzen die stärkste Fraktion im Gemeinderat stellt, könne man nach wie vor Gemeindepolitik mitgestalten. „Ich biete dem Michael meine Zusammenarbeit an.“

Falkenhahn hatte sich den entscheidenden Vorsprung in seinem „Heimat“-Wahlbezirk Nordost geholt. Den zweiten hatte Schüßlbauer knapp gewonnen (plus acht Stimmen), im dritten Wahlbezirk erreichten beide die exakt gleiche Stimmenzahl. Die Wahlbeteiligung lag bei sehr guten 77,9 Prozent – deutlich mehr als vor zwei Wochen (70,85 Prozent).

Bürgerbeteiligung soll schnell umgesetzt werden

„Wir waren bis zuletzt sehr präsent und sichtbar im Wahlkampf“, sagt der neue SPD-Bürgermeister Falkenhahn, „war haben gezeigt, dass wir an unsere Chance glauben.“ Er werde jetzt den versprochenen neuen Weg gehen und die Bürgerbeteiligung in Otterfing strukturell etablieren.

Die Nervosität des Wahltags bekämpfte der 53-Jährige mit seinem Lieblingshobby, dem Kochen. Es gab gebratenen grünen Spargel mit frittieren Kapern, dazu angeröstete Pinienkerne, Nussbutter drüber und selbstgemachte Tagliatelle mit Bärlauch. Dann ging’s zur Ergebnisverkündung mit Sohn Jakob (24). „Die richtige Freude über das Ergebnis kommt wahrscheinlich erst morgen.“

So enttäuschend der Wahlausgang für ihn war: Robert Schüßlbauer ist auch froh, dass der Ritt vorüber ist. „War eine intensive Zeit“, sagt er. Noch am Abend habe er gespürt: „Der Druck fällt ab.“ 

Alle Ergebnisse der Stichwahl im Landkreis Miesbach finden Sie hier.

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