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Der neue Bürgermeister will endlich sein Geschenk auspacken

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Von: Andreas Höger

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Ab 1. Mai ist das der Arbeitsplatz: Otterfings neuer Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) übernimmt sein Amt in schwierigen Coronazeiten. Grundsätzlich will er die Mitmach-Kultur in der Gemeinde stärken. © Thomas Plettenberg

Am 1. Mai ändern sich die Zeiten im Rathaus: Aus schwarz wird rot, Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) tritt die Nachfolge von Jakob Eglseder (CSU) an. Was hat der 53-Jährige für Pläne? Was will er ändern? Ein erstes Interview.

Herr Falkenhahn, Sie kommen vom „Briefing“ aus dem Rathaus mit Ihrem Vorgänger. Gab es Überraschungen?

Nein, wir haben alle Themen durchgesprochen, auch die Abteilungsleiter waren dabei. Es war ein guter Überblick. Herr Eglseder hat mir einige Hintergründe erläutert. Ich fühle mich gut vorbereitet. Er hat angeboten, dass ich jederzeit nachfragen kann, was ich bei Bedarf nutzen werde.

Jetzt liegt Otterfing in Ihren Händen. Spüren Sie die Verantwortung schon?

Ja, durchaus, das wächst. Ich freue mich echt auf diese Aufgabe, bin richtig euphorisch und sehr gespannt. Die vergangenen Wochen haben sich irgendwie angefühlt, als hätte man ein Geschenk bekommen, darf es aber noch nicht auspacken.

Wenn Sie es auspacken, finden Sie da drin erst einmal ein Problem namens Corona.

Stimmt, da wird’s gleich spannend. Die Gewerbesteuer wird uns womöglich wegbrechen, deswegen wird das Programm aufs Minimum zurückgeschraubt. Gottlob sind wir finanziell gut aufgestellt. Ich habe vor, in der konstituierenden Gemeinderatssitzung am 12. Mai alle Maßnahmen vorzubereiten, um bei einer Verschärfung der Situation handlungsfähig zu bleiben.

Was wird ein SPD-Bürgermeister anders machen als ein CSU-Bürgermeister?

Das würde ich nicht an Parteien festmachen. Letztlich geht’s um die sachliche Bewertung von Projekten und die Finanzlage. Mir ist vor allem wichtig, die Bürgerbeteiligung auf solidere Füße zu stellen. Da gibt’s mit der Agenda gute Strukturen, die zuletzt in Teilen weniger aktiv waren. Das würde ich gerne wieder anschieben. Und ich plane eine Fraktionssprecher-Runde, um Themen vor Sitzungen zu besprechen und Stimmungen abzuklopfen.

Welche Projekte stehen auf Ihrer Liste ganz oben?

Die üblichen Verdächtigen. Was das Sportzentrum und den Otterfinger Hof betrifft, haben wir Zahlen bekommen, was die Sanierung kostet. Da müssen wir grundsätzlich darüber sprechen, ob und wie wir das umsetzen wollen. Demnächst dürfte es auch Zahlen geben, ob sich die Windkraft im Hofoldinger Forst lohnen könnte. Das allergrößte Thema wird sein: Wie können wir trotz der Corona-Einbußen unsere Pflichtaufgaben bewältigen?

Im Gemeinderat verfügt keine Fraktion über eine Mehrheit, das Spektrum hat sich mit dem Einzug der FWG weiter zersplittert. Wie wollen Sie bei strittigen Themen vorwärts kommen?

Ist doch gut, ich kann mich nicht zurücklehnen, sondern muss um Mehrheiten werben. Ich werde dafür sorgen, dass alle Sachinformationen vorliegen und Lösungsvorschläge unterbreiten. Ich sehe mich als Moderator, der darauf hinweisen wird, dass es nicht um Persönliches geht, sondern um sachliche Abwägungen. Vielleicht würde es uns helfen, wenn wir im Gemeinderat mehr Luft haben für die großen Themen.

Wie wäre das zu bewerkstelligen?

Wir könnten den Bauausschuss zu einem beschließenden Gremium aufwerten.

Welche Ziele wollen Sie am Ende ihrer Amtszeit 2026 erreicht haben

Ziele? Da bin ich vorsichtig. Ein Ziel ist auf jeden Fall, die Bürger stärker zum Mitmachen zu animieren bei den Agenda-Gruppen, speziell beim Sektor Energie. Beim bezahlbaren Wohnraum würde ich gerne etwas vorweisen können und vielleicht gelingt uns ja sogar eine gemeinsame Lösung beim Sportzentrum.

Als leidenschaftlicher Koch wissen Sie: Auf die Zutaten kommt es an. Welche Zutaten braucht der neue Gemeinderat?

Der hat gute Zutaten, alles, was es braucht. Es sind Landwirte dabei, Banker, Verwaltungsleute, viel Know-how aus vielen Bereichen – da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dazu etwas mehr Gelassenheit, die Freude am gemeinsamen Arbeiten. Und offen sein für die Meinung der Anderen, vielleicht die wichtigste Zutat. Da sitzen 17 Leute, die wollen alle das Beste für Otterfing. Aber bei jedem ist das Beste halt etwas anders. Wenn wir das respektieren, schmeckt’s uns allen.

Darf auch mal scharf gewürzt werden?

Unbedingt. Zu einer guten Diskussion gehört Emotion. Es darf auch mal laut werden, aber nie beleidigend. Darauf werde ich achten.

Welche Entspannungstechniken helfen Ihnen, fit zu bleiben?

Ich entspanne beim Kochen und beim Ausdenken von Rezepten. Außerdem habe ich das Glück, in Krisensituationen eher ruhig zu werden als hektisch, das hat mir bei meinem Job als IT-Projektleiter immer geholfen. Und wenn’s ein richtiger stressiger Tag war, hilft nichts besser als ein Abendspaziergang mit meiner Frau.

Hier lesen Sie alle Details zur Ausgang der Bürgermeister-Stichwahl in Otterfing.  

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