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Das neue Führungstrio der Gemeinde Otterfing: Bürgermeister Michael Falkenhahn wird flankiert von Gerhard Heimerer und Ulrike Stockmeier.

Konstituierende Sitzung des Gemeinderats

Neue Räte signalisieren Geschlossenheit: Fast alle wählen CSU-Stimmenkönig zum Zweiten Bürgermeister

  • Andreas Höger
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Der Stimmenkönig erntet die Frucht seines Erfolgs: Gerhard Heimerer (CSU), der bei der Gemeinderatswahl das beste Ergebnis aller Kandidaten holte, wurde vom neuen Gemeinderat zum Zweiten Bürgermeister gewählt - mit den Stimmen der SPD und der Grünen. Für das Amt des Dritten Bürgermeisters waren zwei Frauen vorgeschlagen.

Otterfing - Robert Schüßlbauer hatte im Vorfeld abgewunken. Der CSU-Bürgermeisterkandidat, der in der Stichwahl knapp gegen Michael Falkenhahn (SPD) den Kürzeren gezogen hatte, war heißer Kandidat als neuer stellvertretender Rathauschef. „Ich hätt‘s wirklich gerne gemacht und habe auch lange überlegt“, sagt Schüßlbauer, „aber beruflich wäre es schwierig geworden.“ Sein Arbeitsplatz liegt in München, ein kurzfristiges Einspringen kaum denkbar.

Heimerer holte bei der Kommunalwahl als einziger über 2000 Stimmen

Gerhard Heimerer (56) bringt da mehr Flexibilität mit. Als selbstständiger Vulkaniseurmeister und Kfz-Techniker mit einem Betrieb in Palnkam hat er einen kurzen Weg ins Rathaus, wenn es gilt, Falkenhahn auch einmal kurzfristig zu vertreten. Der 56-Jährige bekam bei der Kommunalwahl 2011 Stimmen, mehr sogar als Bürgermeisterkandidat Schüßlbauer (1848 Stimmen), und holte damit die Krone des Stimmenkönigs. Zum Vergleich die Listenbesten der anderen Gruppierungen: Stefan Burgmayr (FWO) 1552 Stimmen, Roberto Sottanelli (SPD) 1118 Stimmen, Hildegard Huil (Grüne) 1038 Stimmen und Josef Killer (FWG) 775 Stimmen.

„Gerhard ist sehr beliebt in der Bevölkerung, bringt Erfahrung mit und wird geschätzt für seine ausgleichende Art“, lobte Schüßlbauer den Fraktionskollegen, den er in der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats am Dienstag (12. Mai) in der Schulaula als Kandidat für das Amt vorschlug. Von den anderen Gruppierungen kam kein Vorschlag, auf dem Wahlzettel konnten die 17 Wahlberechtigten (16 Gemeinderäte und Bürgermeister Falkenhahn) jedoch alle Gemeinderäte ankreuzen.

Geheime Wahl: Wer stimmte für Killer?

Das Ergebnis der geheimen Wahl zeigte, dass der neue Gemeinderat ein Zeichen der Geschlossenheit und neuen Miteinanders setzen wollte: 16 Stimmen entfielen auf Heimerer, ein Mitglied des Gemeinderats wählte Josef Killer (FWG). Damit machten womöglich sogar alle Räte der SPD, Grünen und der FWO ihr Kreuz beim CSU-Kandidaten.

So glatt wie die Wahl des Zweiten Bürgermeisters lief die Wahl des Dritten Bürgermeisters nicht. Grundsätzlich stand sogar in Frage, ob es dieses Amt überhaupt geben muss. Wie bereits vor sechs Jahren, als schließlich Karl Einwanger (Grüne) gewählt worden war, votierte SPD-Fraktionssprecher Andreas Eichhorn dafür, auf einen zweiten Stellvertreter zu verzichten. „In den vergangenen sechs Jahren hat sich gezeigt, dass nicht wirklich Bedarf besteht“, sagte Eichhorn. Schon aus Gründen der Sparsamkeit, die in Coronazeiten mehr denn je geboten sei, müsse dieser Posten nicht sein. „Notfalls, wenn beide Bürgermeister verhindert sind, springt ja ohnehin der dienstälteste Gemeinderat ein.“ So sah das auch Hubert Baldauf (Grüne).

Braucht es einen Dritten Bürgermeister?

CSU-Fraktionssprecher Schüßlbauer dagegen verwies auf Situationen in den vergangenen Jahren, als ein „Dritter Bürgermeister sehr wohl nötig war“. Stefan Burgmayr, neuer Sprecher der dreiköpfigen FWO-Fraktion, hatte schon ein mögliches Personal-Tableau vor Augen, für das er eine Fraktionskollegin ins Spiel brachte: „Die Erfahrung einer Ulrike Stockmeier könnte für Falkenhahn und Heimerer, die ja beide neu im Amt sind, eine wichtige Unterstützung sein.“ Gegen die Stimmen der Grünen und der SPD (auch Bürgermeister Falkenhahn votierte dagegen) beschloss eine Mehrheit, wieder einen Dritten Bürgermeister zu installieren.

Als es an die Wahl ging, war es CSU-Sprecher Schüßlbauer, der Stockmeier vorschlug: „Sie bringt lange Erfahrung mit.“ An Energie fehle es der 73-Jährigen nicht, machte Fraktionskollege Burgmayr klar: „Ulrike ist rastlos.“  Thomas Hogger (Grüne) indes warb für seine neue Fraktionssprecherin Hildegard Huil. Als Neuling habe sie bemerkenswert viele Stimmen geholt. „Für mich wäre das eine Art Neustart auch für dieses Gremium“, sagte Hogger.  

Stockmeier reichen neun Stimmen

Trotz der beiden Vorschläge: Wieder standen grundsätzlich alle Gemeinderäte zur Wahl, die erneut geheim erfolgte. Neun Stimmen - was der addierten Fraktionsstärke von CSU und FWO entspricht - reichten Stockmeier, um sich gegen Huil (sieben Stimmen) durchzusetzen. Eine Stimme entfiel auch hier wieder auf Josef Killer (FWG). Stockmeier freute sich, nach vielen Jahren als Zweite Bürgermeisterin nun als Dritte Bürgermeisterin wieder Verantwortung tragen zu dürfen. „Sonst wäre es mir zuhause wohl wirklich zu langweilig geworden“, gestand sie nach der Wahl.

Stockmeier hatte gleich zu Beginn der Sitzung bereits eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Als ältestes Mitglied des neuen Gemeinderats vereidigte die 73-Jährige den neuen Bürgermeister Michael Falkenhahn. „Würdest Du als lebensälteste Gemeinderätin diese Aufgabe übernehmen?“, fragte sie Falkenhahn zuvor offiziell. „Mach ich sehr gerne“, antwortete die Gefragte und ergänzte augenzwinkernd, „aber nur unter der Voraussetzung, dass Du nicht noch einmal die Bezeichnung ,lebensälteste Gemeinderätin‘ in den Mund nimmst.“

Zum Amtsantritt im Gemeinderat betonte der neue Bürgermeister, dass er sich einen „Neustart“ nicht nur der fünf neu hinzugekommenen Gemeinderäte wünsche. „Ich spüre großen Zusammenhalt und hoffe auf große Offenheit und gemeinsames Vorwärtskommen.“ 

Ein ausführliches Interview mit Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) zum Dienstbeginn am 1. Mai 2020 lesen Sie hier.  

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