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Begehrter Rohstoff: Nördlich von Otterfing – links die Bahnlinie nach Sauerlach – lagert bester Kies im Boden, den die Rohrdorfer GmbH hier großflächig abbaut. Die Dauerfehde mit der Gemeinde wurde beendet. 

Gemeinderat schließt Vergleich mit Unternehmen

Kiesgrubenstreit beigelegt?  Brecheranlage bleibt bis Ende 2027

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Das Kriegsbeil zwischen der Gemeinde Otterfing und der Rohrdorfer GmbH scheint begraben. Im April wurde ein Vergleich besiegelt, der dem Kiesgruben-Betreiber den Weiterbetrieb seiner Brecheranlage bis Ende 2027 sichert. Dafür akzeptiert Rohrdorfer, dass das Rathaus das Öffnen weiterer Gruben regulieren kann.

Otterfing – Die Fronten waren verhärtet. Während die „Rohrdorfer Sand und Kies GmbH“ im Norden Otterfings den gefragten Rohstoff in großem Stil aus dem Boden holte, sah die Gemeinde eine überbordende Belastung speziell durch den stetig wachsenden Lkw-Verkehr über die Hienlohestraße und durchs Gewerbegebiet.

Rohrdorfer seinerseits pochte darauf, durch das im Regionalplan verankerte „Vorranggebiet Kies“ weitgehend freie Hand zu haben.

Die Gemeinde nahm deswegen ein aufwändiges Verfahren in Kauf, um durch die Ausweisung einer 32 Hektar großen „Konzentrationsfläche Kies“ dem weiteren Abbau planungsrechtliche Grenzen zu setzen.

Zuletzt kreuzte man 2017 die Klingen. Damals gewährte der Gemeinderat eine „letztmalige Verlängerung“ der Brecheranlage bis 2020 – mit dem Hinweis, dass die bestehende Grube, sehr zum Ärger von Rohrdorfer, nicht innerhalb besagter Konzentrationszone liegt und deswegen kaum auf weiteren Fortbetrieb hoffen dürfe. Das Unternehmen strengte dagegen Klagen an.

Vergleich beseitigt rechtliche Unsicherheit

Überraschend fanden die Kontrahenten jetzt am Verhandlungstisch zusammen und einigten sich im April auf einen Vergleich. „Bei Rohrdorfer gab es einen Führungswechsel“, erklärte Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) jetzt im Gemeinderat, „man zeigt sich dort jetzt deutlich aufgeschlossener.“ Im Kern sieht der Deal vor, dass Rohrdorfer bis Ende 2027 mitsamt der alten Brecheranlage auf dem bisherigen Areal abbauen darf, dafür aber alle Klagen zurückzieht – und damit die Beschränkungen der „Konzentrationszone“ akzeptiert.

„Wir haben das sehr intensiv geprüft“, erklärte Bauamtsleiter Heinz Hirz in der Sitzung, „der Vergleich ist gut, weil er rechtliche Unsicherheiten beseitigt.“ Damit könne ein Dauerkonflikt beigelegt werden.

Hirz warb im Gemeinderat dafür, den Betrieb der Brecheranlage weitere sieben Jahre zu dulden. Nach Ablauf dieser Frist Ende 2027 müsse das Landratsamt, in einem neuen Genehmigungsbescheid, die Abwicklung des Abbaugebiets inklusive der Rekultivierung durch Auflagen regeln.

Josef Killer (FWG) fragte nach, ob Rohrdorfer weitere Zugeständnisse gemacht habe. „Was ist zum Beispiel mit einer Reifenwaschanlage, die gibt’s anderswo ja auch.“ Falkenhahn bestätigte, dass das Unternehmen eine solche Anlage nachrüsten werde. Werden Straßen trotzdem verunreinigt, veranlasse Rohrdorfer die Reinigung, sofern es Hinweise aus der Bevölkerung gebe. Weitere Details des Deals wollte Falkenhahn nicht nennen.

„Die Kuh ist vom Eis“

Einstimmig segnete der Gemeinderat den Vergleich ab und war mit der Fristverlängerung bis 2027 einverstanden. „Die Kuh ist vom Eis“, hofft der Bürgermeister.

Allerdings heißt das nicht, dass Rohrdorfer nach 2027 von Otterfing abzieht. Innerhalb der von der Gemeinde festgelegten Konzentrationszone, die sich auf 32 Hektar zwischen der jetzigen Rohrdorfer-Grube und der Grube Fasching erstreckt, können theoretisch weitere Gruben eröffnet werden. Kiesabbau ist lukrativ, weiß der Bürgermeister: „Wenn die Eigentümer diese Flächen hergeben, wird dort abgebaut werden.“

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