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Provisorium wird Dauerlösung: Auch nach Abschluss der Bauarbeiten an der Otterfinger Schule bleibt die Schulstraße für den motorisierten Verkehr tabu. Die Entscheidung im Gemeinderat war umstritten.

Auch nach Abschluss der Baustelle

Damit die Eltern draußen bleiben: Schulstraße wird dauerhaft gesperrt

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Die Schulstraße bleibt für Autos gesperrt – auch nach Abschluss des derzeit laufenden Schulanbaus. Der Otterfinger Gemeinderat will damit insbesondere den privaten Hol-und Bringverkehr der Eltern ausbremsen.

Otterfing – Seit dem Frühjahr ist die Schulstraße dicht. Damit die Baustellen-Fahrzeuge für den Schulanbau genug Platz zum Lagern, Laden und Rangieren hatten, sperrte die Gemeinde die kleine Verbindung zwischen Berghamer Straße und dem Abzweig Auf dem Hochrain. 

Unbeabsichtigt stellte sich ein willkommener Nebeneffekt ein, wie Ulrike Stockmeier (FWG) im Gemeinderat erläuterte. Kinder, Eltern und Erzieher im unmittelbaren Umfeld von zwei Kitas und der Grundschule waren nicht mehr von schnell durchrauschenden Auto bedroht. Täglich habe sie das beobachtet, betonte Stockmeier, die sich für die in der Schule untergebrachte Mittagsbetreuung der „Rappelkiste“ engagiert. „Das war ein Schutz, den wir unbedingt beibehalten sollten.“

Den Wunsch Stockmeiers hatte die Gemeindeverwaltung im Vorfeld geprüft und beim Verkehrsexperten der Holzkirchner Polizei, Ernst Größwang, um fachlichen Rat gefragt. Der regte an, in die Mitte der Strecke zwei Poller zu setzen, um das Fahrverbot technisch durchzusetzen. „Denn eine dauerhafte Überprüfung des Fahrverbots kann die Polizei nicht gewährleisten“, berichtete Rathaus-Mitarbeiterin Sabine Hüppe in der Sitzung.

Blockierende Pfosten auf der Straße lehnt jedoch nicht nur Feuerwehrkommandant Franz Huber ab. „Wie soll der Schulbus durchkommen?“, fragte Gerhard Heimerer (CSU). Roberto Sottanelli (SPD) verwies darauf, dass die Poller auch Feuerwehrler daran hindern würden, bei einem Einsatz möglichst schnell ins Feuerwehrhaus zu gelangen. „Außerdem fürchte ich, dass bei einer Sperrung noch mehr Leute unberechtigterweise auf den Feuerwehr-Parkplätzen parken“. sagte Sottanelli.

Gerade die Feuerwehr sollte ein Interesse an einer für den allgemeinen Verkehr gesperrten Schulstraße haben, konterte Stockmeier: „Wenn manche Helikopter-Eltern kreuz und quer parken, kommt da niemand mehr durch, auch nicht die Feuerwehr.“ Laut Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) begrüßen auch Schulleitung sowie die Verantwortlichen der Kita eine Sperrung.

Ein Fahrverbot ist Robert Schüßlbauer (CSU) zu hart und aus seiner Sicht wenig sinnvoll: „Das Problem wird dann nur verlagert.“ Fraktionskollege Max Klaus erinnerte daran, dass Bewohner kleinerer Ortsteile oft darauf angewiesen seien, ihre Kinder selbst zu fahren. Schüßlbauer plädierte dafür, es bei einem Appell an die Eltern zu belassen, auf ein „Anliefern“ über die Schulstraße zu verzichten. In der verkehrsberuhigten Zone dürfe man ohnehin nur 7 km/h fahren. „Lieber kontrollieren wir dort mal mehr“, schlug Schüßlbauer vor. Dem schloss sich der Bürgermeister an: „Die Vernunft der Eltern wäre gefragt.“

Mit Appellen allein komme man nicht weiter, glaubt Stockmeier: „Wenn wir jetzt kein Zeichen setzen, werden wir an dieser Situation nichts ändern.“ Den Schülern sei zuzumuten, zu Fuß, mit Radl oder Roller zum Unterricht zu kommen.

Verwundert vernahm Thomas Hogger (Grüne) die Botschaft der Polizei, Verkehrsschilder nicht mehr kontrollieren zu können. „Dürfen wir also kein Schild mehr aufstellen, weil der Polizei Personal fehlt?“ Die Sperrung sei geboten, betonte Max Ruf (SPD), „und die Polizei muss das kontrollieren, das ist ihre Aufgabe“.

Eine 10:6-Mehrheit entschied schließlich für eine Sperrung ohne Poller, aber mit Schildern. Nahtlos nach Ende der Baustelle sollen die Schilder fest platziert werden, sagte Eglseder. Nur Anlieger und Bedienstete mit Ausweisen dürfen die Schulstraße dann noch nutzen. „Mit Kontrollen ist zu rechnen“, kündigte Eglseder an.

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