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Gefährliche Kante: Lothar Ruminy verdeutlicht den hohen Bordstein auf der Verkehrsinsel Dietramszeller Straße. Wollen Radler den Zebrastreifen nutzen, um in direkter Linie die Kreuzung zu queren, bleiben sie hier hängen.

„Eine Fehlkonstruktion

Stolperfallen für Radler: ADFC kritisiert diese Kreuzung

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Sichere und „flüssige“ Wege braucht der Radverkehr, wenn er die Mobilität der Zukunft mitgestalten soll. An  einer Kreuzung in Otterfing ist das eher weniger gut gelungen, kritisiert der ADFC. Ein Ortsbesuch.

Otterfing – Lothar Ruminy (77) steht auf der neuen Verkehrsinsel an der Einmündung der Dietramszeller Straße in die Staatsstraße. Straßenbauamt, Landratsamt und Gemeinde haben hier gemeinsam eine neue Kreuzung geschaffen. Es gibt eine Rechtsabbieger-Spur in Richtung Holzkirchen, eine Verkehrsinsel soll für Nichtmotorisierte das Queren erleichtern. Taktile Bodenleitsysteme helfen Sichtbehinderten.

An vieles wurde gedacht, seufzt Ruminy, aber nicht an die Radfahrer. „Es kam so, wie ich befürchtet habe“, sagt der Otterfinger, der im Radfahrer-Verband ADFC engagiert ist und eng mit Holzkirchens Fahrrad-Beauftragtem Hartmut Romanski zusammenarbeitet. Im Vorfeld des Umbaus habe er oft das Gespräch gesucht mit den Beteiligten, stets sei er vertröstet worden; man schaue, was sich machen lasse. Was gemacht wurde, „ist aus Sicht von uns Radlern eine Fehlkonstruktion“, sagt er.

Größter Kritikpunkt ist die fehlende „Durchlässigkeit“. Wer auf dem Geh- und Radweg radelt, muss enge Kurven nehmen, um über den schmalen Bereich der abgesenkten Bordsteine auf die kleine, mit Masten bestückte Verkehrsinsel zu gelangen; auf dem St.-Georgs-Platz gilt es, nach Querung der Dietramszeller Straße scharf vor einem weiteren Masten abzubiegen, um auf dem Radweg bleiben zu können. „Radler müssen gefährliche Schlangenlinien fahren“, sagt Ruminy. Besonders für Eltern mit Kinderanhänger seien das an der Verkehrsinsel gefährliche Manöver. Die ADFC-Experten wünschen sich wenigstens eine nachträgliche Abschrägung der Bordsteinkanten, um heikle Kurverei vermeiden zu können.

Während Ruminy und Romansky an der Kreuzung gestikulieren, spielt der Zufall mit: Bürgermeister Jakob Eglseder, Straßenplaner Attila Karpaty und Peter Kadel, zuständig für Straßenbauten im Landratsamt, sind unterwegs, um den gesamten Neubau der Ortsdurchfahrt zu begutachten. „Wir haben viel getüftelt an dieser Kreuzung“, weist Eglseder die Kritik zurück. Der Einbau eines Betonschachts auf der Insel habe weitere Bordsteinabsenkungen verhindert. „Schade, dass man das nicht gleich anders geplant hat“, sagt Romansky. Es gebe ja die Absenkungen fürs Queren, sagt Karpaty. Aber nicht in direkter Fahrlinie, entgegnet Ruminy. „Einem Ortsunkundigen nutzt das nichts, der knallt gegen den Bordstein.“

Als Peter Kadel darauf hinweist, dass Radler am Zebrastreifen ohnehin absteigen müssen, protestieren die beiden ADFC-Experten energisch. Es sei zwar richtig, dass Radler auf Zebrastreifen nur Vorrang haben, wenn sie schieben. „Ist die Straße aber frei, darf man auch über den Zebrastreifen radeln, sofern man keine Fußgänger behindert“, betont Romansky.

Bei den Bordsteinen pocht der ADFC generell auf Null-Absenkungen, wenn Radwege kreuzen. Wie sehr das die Durchgängigkeit erleichtert, demonstrieren Romansky und Ruminy ein paar Meter weiter südlich an der Einmündung der Haidfeldstraße. „Hier ist alles super“, lobt Romansky, „so soll es sein.“

Ein schlechtes Beispiel aber findet sich gleich daneben bei der Penny-Ausfahrt: Dort war der Bordstein am Radweg-Anschluss so hoch, dass jüngst ein älterer Radler schwer stürzte. Mittlerweile wurde nachgebessert, die Kanten sind etwas abgeschrägt. „Mindestens das wünschen wir uns auch für die große Kreuzung“, sagt Ruminy.

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